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Interview: Mehr Lebensqualität dank Licht.

Der Lichtkonzern OSRAM entwickelt zunehmend Produkte und Lösungen, die über Beleuchtung hinausgehen. Im Interview unseres Magazins #DNP10 spricht Technikvorstand Dr. Stefan Kampmann über nachhaltige Innovationen, die das Leben von Menschen und Gesellschaften im digitalen Zeitalter verbessern.

DIE VIELFÄLTIGEN UND INNOVATIVEN ANWENDUNGSGEBIETE MACHEN LICHTBASIERTE TECHNIK ZU EINER ZUKÜNFTIGEN SCHLÜSSELTECHNOLOGIE. WAS TRÄGT DER LICHTKONZERN OSRAM BEI, UM GLOBALE HERAUSFORDERUNGEN ZU MEISTERN, ETWA KLIMAWANDEL, RESSOURCENKNAPPHEIT ODER URBANISIERUNG?

Künstliche Beleuchtung ist für etwa 15 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs und somit für knapp fünf Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Hier spielt die Lichtindustrie eine wichtige Rolle: Eine weltweite Umstellung auf energieeffiziente Beleuchtung würde CO2-Emissionen um 390 Mio. Tonnen pro Jahr reduzieren und dabei ca. 50 Mrd. Dollar sparen.

REICHEN DENN FÜR EINE NACHHALTIGE ENTWICKLUNG IMMER EFFIZIENTERE UND ENERGIESPARENDE LICHTLÖSUNGEN AUS?

Nein, doch neben Effizienzsteigerung und Kostenvorteilen bietet nachhaltige Beleuchtung viele weitere Vorteile: Licht dient der Sicherheit, aktiviert, vernetzt und verbessert unsere Lebensqualität. Ich bin überzeugt: Licht ist ein schneller und wirksamer Hebel für eine nachhaltige Entwicklung. Und wir treiben sie voran – mit unseren technologischen Innovationen. LED-basierte Lichtlösungen bilden das neue Rückgrat der Lichtindustrie. Gerade in unserer Branche verläuft die Digitalisierung besonders schnell. Deshalb gehen wir über die reine Lichttechnologie und das sichtbare Licht hinaus und bieten unseren Kunden ein breites Portfolio an Hightech-Produkten. Künftig wollen wir zu einer führenden Plattform für mit Licht verbundene Technologien werden und dabei die Potenziale von Licht voll ausschöpfen. Ziel ist es, damit das Leben von Menschen und Gesellschaften im digitalen Zeitalter zu verbessern.

IN WELCHEN BEREICHEN WIRD OSRAM TÄTIG?

In den vier Feldern Mobilität, Sicherheit, Vernetzung sowie Gesundheit und Wohlbefinden. Der Bereich Mobilität ist für uns schon seit Längerem sehr wichtig, beim Licht für Autoscheinwerfer sind wir Weltmarktführer. Wir präsentieren jetzt zum Beispiel Module für extra starkes und zugleich blendfreies Fernlicht und erhöhen so die Sicherheit. Oder wir entwickeln Laser und Sensoren für Infrarot-Licht – unverzichtbar für zukünftiges autonomes Fahren. Der Schutz von Daten wird immer bedeutsamer – und immer schwieriger. Unsere breitbandigen Infrarot-LED dienen u. a. zum Scannen der Iris und schützen so etwa ein Smartphone vor unbefugtem Zugriff. Mit biologisch wirksamem Licht machen wir Topathleten aus dem Ski- und Motorsport noch leistungsfähiger oder unterstützen die Behandlung von Demenzkranken. Wir fördern also mit Licht die Lebensqualität – zum Beispiel auch, wenn wir mithilfe von UV-Licht in Indien die Luft von Fensterklimaanlagen reinigen.

DAS „INTERNET DER DINGE“, DIE VERNETZUNG ETWA VON MASCHINEN MIT DEM INTERNET, WIRD SCHON BALD DIE PRODUKTION VON GÜTERN REVOLUTIONIEREN …

… wir entwickeln dafür schon heute nicht nur Sensoren, sondern auch Lösungen, etwa im Gebäudemanagement. HAT OSRAM DAS KNOW-HOW FÜR DERART SPEZIALISIERTE AUFGABEN? Um unsere Kernkompetenzen zu erweitern, investieren wir große Summen in die eigene Forschung und Entwicklung. Darüber hinaus verstärken wir uns durch gezielte Zukäufe und Unternehmensbeteiligungen. So haben wir etwa Digital Lumens erworben, das internetbasiert Steuerungselemente für Licht, Lüftung, Heizung oder Jalousien bündelt und so das Gebäudemanagement großer Firmen stark vereinfacht und enorm effizient macht.

OSRAM BEWEGT SICH AUF VIELEN NEUEN FELDERN, IST DAFÜR NICHT AUCH EIN VERÄNDERTER DENKANSATZ ERFORDERLICH?

Ja, vor allem müssen wir Ideen schneller vorantreiben. Unkonventionelle Lösungsansätze sind willkommen. Wir beteiligen uns auch an Techfestivals und Hackathons. Erst vor Kurzem haben wir dabei in München mit einem jungen Team einen Sensor für Toiletten entwickelt, der die Urinwerte automatisch analysiert und entsprechende Ernährungs- und Gesundheitstipps gibt – ein spannender Ansatz, den man früher von OSRAM wohl kaum erwartet hätte.

IN WELCHEM NEUEN GESCHÄFTSBEREICH SEHEN SIE BESONDERES POTENZIAL?

Horticulture, die Digitalisierung beim Anbau von Pflanzen, steckt noch in den Kinderschuhen. Doch das wird sich schon bald ändern! Denn die Vorteile liegen auf der Hand: produzieren nach Bedarf, kurze Transportwege, keine Pestizide und weniger Wasserverbrauch. Hier haben wir mit der Osconiq eine außerordentlich robuste Produktlinie farbiger LED geschaffen, die u. a. das Pflanzenwachstum mit besonderen „Lichtrezepten“ fördern kann. Und mit unserer Beteiligung am Start-up Agrilution entwickeln wir einen Gewächsschrank für zu Hause, in dem Salat und Kräuter unter optimalen Lichtbedingungen gedeihen.

SIND SOLCHE INVESTITIONEN NICHT EIN RISIKO?

Gewiss. Wir wissen noch nicht, welche Umwälzungen die Digitalisierung in den kommenden Jahren mit sich bringt. Aber wir wissen, dass sie uns große Marktpotenziale eröffnet. Deshalb probieren wir Dinge aus, gehen kalkulierte Risiken ein und stoppen nicht erfolgreiche Projekte, bevor sie teuer werden. Wir denken heute schon über die Themen von übermorgen nach.