Jurybegründung zur Nominierung

Walden 48

Das Wohnhaus Walden 48 ist ein sehr gelungenes Beispiel innerstädtischer Nachverdichtung. Die Vorbildwirkung des Projektes liegt in der hohen Qualität architektonischer Gestaltung. Als Gebäude mit starkem Anteil an sichtbaren Holzoberflächen und -fassaden ist es beispielhaft für den urbanen Holzbau und setzt einen Meilenstein im Diskurs um den Wohnungsbau in Holzbauweise, der gerade in Berlin einsetzt.

Das Wohnhaus besetzt ein Baufeld am Rande eines Friedhofs und erstreckt sich als langgezogener Baukörper an einer Ausfallstraße mit Straßenbahntrasse. Über einer zweigeschossigen Sockelzone, die von der historischen Friedhofsmauer zurückspringt, scheint der darüber liegende Wohnriegel zu schweben. Die verschieferte Lochfassade mit locker angeordneten Fensterformaten überzeugt als selbstbewusster, städtischer Baukörper. Zum Friedhof hin öffnet sich das Gebäude über Loggien, die den Schottenbau repräsentieren und einen Beitrag zur Aufenthaltsqualität leisten. Die Gartenfassade und das Staffelgeschoss sind mit einer naturbelassenen vertikalen Holzschalung aus Lärche versehen.

Das intensiv mit einer Baugemeinschaft entwickelte Gebäude spiegelt die diversen Wünsche der Beteiligten wider. Im Kellergeschoss ist ein Fahrradparkhaus angeordnet, das im Freiraum von drei E-Carsharing-Plätzen ergänzt wird. Dies ermöglicht den Verzicht auf individuelle PKW. Im Erdgeschoss und auf dem Dach sind Gemeinschafts- und Gewerbeflächen angeordnet, die ein Siebtel der Flächen ausmachen. Das Erdgeschoss und 1. Obergeschoss verbinden zudem Maisonettewohnungen. Die Obergeschosse werden mit drei straßenseitigen Erschließungskernen angebunden.

Der Schottenbau wird mit individuellen Grundrissvarianten der diversen Nutzer/innen bespielt.

Ab der Kellerdecke ist das Gebäude weitestgehend in Massivholzbauweise errichtet. Lediglich die Treppenhaus- und Brandwände sind in Stahlbeton ausgeführt. Alle Schotten, die Aufzugskerne und die Treppenläufe wurden in Massivholz, die Decken in Holz-Beton-Verbundbauweise hergestellt. Die Außenwände wurden hochdämmend in Holzrahmenbauweise ausgeführt. Die straßenseitige Außenwand reagiert auf die hohen Schallschutzanforderungen. Alle Massivholzteile wurden als sichtbare Holzkonstruktionen auf Abbrand bemessen, auf teure Sprinkleranlagen wurde auch in den Treppenhäusern verzichtet. Energetisch ist das KfW-55-Gebäude mit Erdwärmepumpe und ergänzender Gastherme und Wohnraumlüftung eher konventionell ausgestattet.

Technisch setzt das Projekt in Sachen Brandschutz einen Meilenstein. Nach der in den vergangenen Jahren im Holz-Geschossbau üblichen Kapselung, also Bekleidung des Holzbaus mit Brandschutzbekleidungen aus Gips, folgen nun sichtbare Holzkonstruktionen. So ist es möglich, die positiven Eigenschaften des Holzes erlebbar zu machen, das Bauen mit Holz zu vereinfachen und Kosten zu reduzieren. Die Baugemeinschaft zeigt über das sehr ambitionierte Projekt, wie sich bürgerliches Engagement vorbildlich in die Stadt einschreiben kann.

Bauherr: Baugemeinschaft Walden 48 GbR / Architekt: Scharabi Architekten in Arbeitsgemeinschaft mit Anne Raupach

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