Jurybegründung zur Nominierung

Mehrfamilienhaus in Holzbauweise, Oskar-von-Miller-Straße, Nürnberg

Das dreigeschossige Mehrfamilienhaus in Nürnberg ergänzt auf gelungene Weise die Mustersiedlung der „Deutschen Bauausstellung“ von 1949, indem das Gebäude die aktuellen Entwicklungen im Wohnungsbau und vorfabrizierten Holzbau widerspiegelt. Neben dem Holzbau gehört zum nachhaltigen Planungsansatz auch ein entsprechendes Haustechnikkonzept mit einer Photovoltaik-Anlage zur Erzeugung von Eigenstrom mit hohem solaren Deckungsanteil und einer Wärmeversorgung über Geothermie, sodass der Deckungsanteil der Fußbodenheizung bei 100 Prozent liegt.

Neben dem Einsatz nachwachsender Baustoffe und dem niedrigen Primärenergiebedarf ist auch der geringe Anteil an versiegelter Fläche vorbildlich. Die Bestandsbäume sind, wo immer möglich, behalten worden. Der großzügige Grünraum hilft nicht nur ökologisch, sondern verleiht dem Ensemble den Charakter einer gewachsenen Siedlung mit viel Freiraumqualität.

Der kompakte Baukörper kann in seiner eleganten Proportion überzeugen. Die wenigen Gestaltungselemente wie die Klappläden vor den Vertikalfenstern und die tief eingeschnittenen Loggien genügen, um dem Gebäude Individualität und eine freundliche und wohnliche Anmutung zu verleihen.

Das Mehrfamilienhaus prahlt nicht mit seiner innovativen Massivholzkonstruktion. Die Fassade gibt mit ihrer

Orgelputzoberfläche auf der Holzwolldämmung wenig preis vom hölzernen Inneren des Gebäudes. Durch den mineralischen Putz fügt sich der Neubau gut in die Mustersiedlung ein, und die Holzkonstruktion wird dauerhaft vor den Wettereinflüssen geschützt.

Die Grundrisse sind kompakt und folgen der Logik der Vollholzkonstruktion. Allerdings werden die Flure entlang der Schlafräume als wenig adäquate Eingangsbereiche durch die Jury kritisiert.

Unabhängig davon ist das Mehrfamilienhaus in der Oskar-von-Miller-Straße ein gelungenes Beispiel für den konsequenten Einsatz nachwachsender Baustoffe und die Umsetzung einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie. Ein Musterbau unserer Zeit für eine wichtige Bauaufgabe: Die Schaffung ressourcenschonenden Wohnraums.

Projektbeteiligte: Bauherr und Planer: wbg Nürnberg GmbH Immobilienunternehmen / Freiraumplanung: Lorenz Landschaftsarchitekten, Nürnberg / Tragwerksplanung, Brandschutz und Bauphysik: Pirmin Jung Deutschland GmbH, Remagen / TGA-Planung: Ingenieurteam Plansache, Schwabach / Holzbaukompetenz: HU-Holzunion GmbH, Rotenburg / Altlastenbegutachtung: GBH, Fürth / Geotechnik: Ingenieurbüro Merkl, Nürnberg / Artenschutz: infanos-Landschaftsökologie, Nürnberg / Blower-Door- und Schallschutzmessungen: Ingenieurbüro Basic, Bayreuth

 

Um unsere Webseite für Sie fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.