Jurybegründung zur Nominierung

MANARA

Das MANARA in Ludwigsburg ist ein inklusives Wohnprojekt, das auf herausragende Art die Frage beantwortet, welchen Beitrag Architektur auf gesellschaftlicher Ebene leisten kann. Das Gemeinschaftsprojekt der Wohnungsbau Ludwigsburg GmbH und der Sozialeinrichtung Karlshöhe schafft Raum für Wohngemeinschaften, in denen Geflüchtete und Studierende gemeinsam leben. 

Das Projekt setzt sich zusammen aus mehreren dreigeschossigen Kuben aus Holz. Diese mit einem hohen Vorfertigungsgrad gebauten Grundmodule – die sogenannten Cube11 – können auf unterschiedliche Weise gruppiert, angeordnet und durch ein offenes Treppenhaus mit Stegen erschlossen werden. Über die Verwendung der Module bietet sich die Möglichkeit, auch an unterschiedlichen Standorten auf die entsprechende städtebauliche Lage zu reagieren.

In fünf dieser Kuben leben in Ludwigsburg 30 junge Menschen mit Fluchterfahrung und 15 Studierende in unterschiedlich großen Wohngruppen zusammen. Der gemeinsame Wohn- und Essbereich bietet Platz zum Austausch und für die Begegnung der verschiedenen Kulturkreise. Küche und Bäder werden ebenfalls geteilt. Jedem/Jeder Bewohner/in steht ein Einzelzimmer innerhalb der WG zur Verfügung. Bei Bedarf kann Beratung der nahegelegenen Jugendhilfe in Anspruch genommen werden.

Der Cube11 aus Holztafelbauweise kommt mit wenigen tragenden Elementen aus, sodass jeder Wohnungsgrundriss flexibel gestaltet, auf die jeweiligen Bedürfnisse angepasst und 

zu späterer Zeit mit einfachen Mitteln umgebaut werden kann. Kleine Wohnungen können einfach zusammengeschaltet oder auch wieder getrennt werden, was für hohe Flexibilität sorgt. Die holzsichtige Oberfläche in den Innenbereichen schafft ein ausgesprochen angenehmes Wohnklima und in Kombination mit dem offenen Grundriss ein modernes, angenehmes Wohngefühl.

Als vorwiegender Baustoff wurde das Material Holz verwendet, was zu einer sehr guten CO2-Bilanz beiträgt. Alle tragenden Wand- und Deckenelemente sind in Holztafelbauweise errichtet. Lediglich die Fundamente und die Bodenplatte sowie das offene Treppenhaus wurden aus Beton erstellt. Eine weitestgehend sortenreine Verwendung von Materialien und der Einsatz schadstoffarmer Produkte wurden bei der Umsetzung berücksichtigt. Die Gebäude kommen mit wenig Technik aus. Eine Wärmepumpe sowie eine Photovoltaik-Anlage versorgen die Gebäude. Da das Treppenhaus und die Erschließungsflächen im Außenbereich liegen, spart dies sowohl die Ausbildung einer Fassade als auch die Temperierung des Erschließungsbereichs.

Das Projekt MANARA zeigt in ausgesprochen gelungener Form, dass sich günstige Baukosten und damit bezahlbare Mieten, eine nachhaltige Bauweise, eine schnelle Umsetzung durch Vorfertigung, ein hoher sozialer Anspruch sowie ein ebenso hoher Anspruch an die Wohn- und Architekturqualität nicht ausschließen und zukunftsfähig sind.

Am 15. September 2020 entscheidet die Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises über die Finalisten und den Sieger.

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