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Allheilmittel auf dem Weg zur Ressourceneffizienz - Warum weniger nicht gleich weniger ist.

Der Circular-Economy-Gedanke, Sinnbild eines ressourceneffizienten Wandels, steht für eine fundamentale Änderung unseres Wirtschaftssystems. Lineare Materialströme, wie wir sie heute sehen, sollen dabei umgelenkt und durch Kreisläufe geschlossen werden. Ressourceneffizienz als langfristiges Ziel bedingt die Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Materialeinsatz.

STEHT DER KREISLAUF AUTOMATISCH FÜR RESSOURCENSCHONUNG?

Nicht immer liegt die ökologische Antwort klar auf der Hand. Unser Wirtschaften ist auf der Verflechtung globaler Warenströme aufgebaut. Ressourceneffizienz betrifft somit nicht nur die eigenen Werksgrenzen, sondern erstreckt sich über die gesamte Wertschöpfungskette. Wird an einer Stelle optimiert, ist es schwer nachvollziehbar, welche Folgen sich damit in den vor- und nachgelagerten Prozessen ergeben. Angesichts dieser Komplexität bedarf es ganzheitlicher Tools, um innovative, ressourceneffiziente Produkte und Dienstleistungen identifizieren zu können. Ressourceneffizienz muss messbar sein.

MATERIAL FOOTPRINT – DER LEBENSZYKLUSBEZOGENE RESSOURCENEINSATZ

Ökobilanzen liefern Antworten: Auf Basis einer ganzheitlichen Erfassung aller eingesetzten Ressourcen über die gesamte Wertschöpfungskette liefern Ökobilanzen messbare Kennzahlen, um Entscheidungen bewusst zu treffen. Sie helfen dabei, den Fokus auf die wesentlichen Stellschrauben zu lenken. Durch den Lebenszyklusansatz wird sichergestellt, kein Glied in der Wertschöpfungskette zu übersehen. Damit erkennt man, wo welches Material optimal eingesetzt werden kann, anstatt die damit verbundenen Umweltlasten zu verschieben.

MEHR IST WENIGER

Ein plakatives Beispiel ist die Verpackungsdiskussion. Verpackung, ein medial kontrovers diskutiertes Thema, ist vielerorts Sinnbild der Ressourcenverschwendung unserer Gesellschaft. Doch warum verpacken wir unsere Lebensmittel? Die zentrale Funktion der Verpackung ist der Schutz des Lebensmittels vor Verderb – sprich vor dem Mülleimer. Betrachtet man den gesamten Lebenszyklus, inklusive aller in der Produktion eingesetzten Rohstoffe und Energie, so zeigt sich, dass die Produktion des Lebensmittels selbst oft ein Vielfaches der für die Verpackung benötigten Ressourcen bedarf.

Weitere Beispiele finden sich in verschiedensten Branchen: Ein hocheffizientes Gebäude mag einen höheren Materialeinsatz in der Errichtung verursachen. Insgesamt wird die Ressourceneffizienz jedoch gesteigert, indem weniger Ressourcen in der Nutzung eingesetzt und hochwertige Verwertungsmöglichkeiten der Materialien am Lebensende genutzt werden. Beim Fahrzeugbau ist beispielsweise die Produktion von ultraleichten Materialien sehr aufwendig. Während der Nutzung eines sehr leichten Pkw ergibt sich insgesamt aber eine Verbrauchsreduktion.

Ressourceneffizienz bedeutet also auch, an einer Stelle mehr Material einzusetzen, um an anderer Stelle entsprechende Einspareffekte – weniger Lebensmittel im Mülleimer, hocheffiziente Gebäude, optimierte Fahrzeuge – zu erzielen.

RESSOURCENEFFIZIENZ: MEHR ALS RECYCLING?

Das Wirtschaften im Kreislauf wird durch das Schaffen möglichst effizienter Synergien zwischen Materialproduzenten und Verwertern in Form einer kaskadischen Nutzung der Materialien möglich. Sobald jedoch mehr Ressourcen zum Erreichen der Kreislaufführung im Recyclingprozess eingesetzt, als durch das ersetzte Material eingespart werden, geht dies an einer ressourceneffizienten Entwicklung vorbei. Dabei ist auch die Produktentwicklung gefordert: Ressourceneffizienz bedeutet schon im Produktdesign an das Lebensende des Produktes zu denken und auf eine bestmögliche Wiederverwendbarkeit zu achten. Beispielsweise im Bausektor heißt dies, auf eine sortenreine Trennbarkeit abzuzielen und verbaute Elemente so zu planen, dass diese oder die enthaltenen Materialien hochwertig wiederverwertet werden können.

DER BAUSEKTOR ALS VORREITER

Zur Bewertung des Ressourceneinsatzes auf Gebäudeebene werden Umweltproduktdeklarationen (EPDs, engl. environmental product declarations) eingesetzt. EPDs enthalten Informationen zum Ressourceneinsatz in der Produktion, der Nutzung und nach dem Rückbau der Produkte. Allein das Institut Bauen und Umwelt, die deutsche Initiative zur Veröffentlichung verlässlicher Umweltinformationen von Bauprodukteherstellern, hat dafür bereits mehr als 1.800 EPDs veröffentlicht. Mithilfe der darin enthaltenen Informationen wird über den gesamten Lebenszyklus optimiert. Dabei greift die isolierte Betrachtung des Nutzenergiebedarfs, der eingesetzten Materialmengen in der Bauphase oder der Rezyklierbarkeit einzelner Bauteile zu kurz. Ressourceneffizienz drückt sich erst durch das Zusammenwirken aller Bausteine im Gebäude, Quartier und auf übergeordneter Ebene in der Raumplanung aus.

LICHT, SITZEN, FAHREN – AS A SERVICE

Ressourceneffiziente Innovationen folgen neuen Ansätzen: Nicht der Verkauf von Produkten, sondern deren Vermietung bringt Einnahmen. In Zukunft verkauft womöglich ein Automobilhersteller transportierte Distanzen anstatt Fahrzeuge, ein Lampenhersteller Licht und ein Möbelproduzent Sitzfläche. Ein optimierter Ressourceneinsatz, Kreislaufführung und schlussendlich eine völlig neue Lebensqualität für uns alle sind die logische Konsequenz daraus. Ressourceneffizienz als langfristiges Ziel bedingt also die Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Materialeinsatz. Ein solcher Umschwung bedeutet, Systeme neu zu denken. Ein Allheilmittel gibt es nicht. Fundierte Analysen über den gesamten Lebenszyklus weisen den Weg für Politik, Wirtschaft und letztlich einen jeden von uns.

Autorin: Therese Daxner

Dieser Artikel erschien am 8. Dezember 2017 im Magazin des Deutschen Nachhaltigkeitspreises.

Noch bis zum 18. Mai 2018 können sich Unternehmen für den 11. Deutschen Nachhaltigkeitspreis bewerben, die sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen erfolgreich den ökologischen und sozialen Herausforderungen der Zukunft stellen.