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Design für Nachhaltigkeit – vom Egodesign zum ecosozialen Design.

© Fair-Cup UG

Designer/innen arbeiten an der Schnittstelle zwischen Produzieren und Konsumieren. Sie gestalten Produkte, Kommunikation, Dienstleistungen und Systeme im Auftrag der Anbieter aber für die Empfänger/innen bzw. Nutzer/innen. Sie versuchen ihre Gestaltung möglichst attraktiv für die Konsument/innen und Nutzer/innen und möglichst profitabel für die Anbieter zu konzipieren.

Umwelt und soziale Aspekte spielen dabei immer noch eine untergeordnete Rolle. Zwar ist das Design einmal angetreten, wirkliche Probleme für die Menschen zu lösen – das beschreibt zum Beispiel die Definition von Carlos Obers (1984) „Design ist Kunst, die sich nützlich macht“.

De facto dient Design aber heute vorwiegend dazu, den Konsum und damit die Wegwerfgesellschaft anzutreiben, den Materialfluss durch die Gesellschaft immer noch weiter zu beschleunigen, die schnellen Profite der Unternehmen und Shareholder und oft auch die Berühmtheit der Designer selbst zu steigern. Leider ist das mittlerweile nicht nur in der Mode so, sondern viele andere Produktbereiche funktionieren nach dem gleichen Prinzip: „Designer“ Möbel sind nicht gut zu gebrauchen und halten keinen Umzug aus, designte Smartphones unterscheiden sich von einer zur nächsten Produktgeneration nur durch marginale Oberflächenkosmetik, technische Produkte werden durch eingebaute technische Lebensdauerverkürzung und modisches Design zu Wegwerfprodukten, in der Automobilindustrie findet Innovation lange schon vor allem im Bereich des Bordcomputers und der Elektrifizierung von zuvor manuell bedienbaren Funktionen statt, alles andere ist Styling.

Die Welt braucht etwas anderes! Nützlich wäre es, sich auch im Design mit den großen Herausforderungen der Menschheit zu beschäftigen: von Klimawandel, Umweltverschmutzung und Ressourcenverknappung, über soziale Ungerechtigkeit und die Bedrohung der Menschenrechte, zur fortschreitenden Zerstörung der bewohnbaren Flächen auf unserem Planeten. Nützlich wäre es, an der Entwicklung von nachhaltigen Produktions- und Konsumsystemen mitzuwirken und nachhaltige Lebensstile zu unterstützen.

Design für Nachhaltigkeit oder nachhaltiges Design schafft Lösungen, die der Gesellschaft einen sinnvollen Nutzen bringen, die Lebensqualität verbessern – insbesondere für weniger wohlhabende Menschen. Es schafft Wertschöpfung für Anbieter, Kunden und möglichst viele Stakeholder und vermeidet gleichzeitig Schäden an der natürlichen Umwelt oder wirkt sogar positiv auf die Natur. Nachhaltiges Design sucht nach radikaleren, deutlich besseren, disruptiven Lösungen, die unsere Produktions- und Konsumsysteme deutlich ökologisch und sozial besser gestalten – nicht nach der ein bisschen effizienteren Waschmaschine. Letztendlich geht es darum, die Transformation zu einer Diversität nachhaltiger Lebensstile und einer wünschenswerten Zukunft für alle Bewohner des Planeten Erde zu gestalten.

Nachhaltige Güter (Produkte, Systeme und Dienstleistungen) sind

  • Nützlich: erfüllen eine sinnvolle soziale Funktion, lösen ein Problem.
  • Effizient und effektiv: in der Energie-, Land- und Ressourcennutzung.
  • Solar: nutzen erneuerbarer Energien – Sonne, Wasser, Wind, Erdwärme, Muskelkraft oder nachhaltig erzeugte Biokraftstoffe.
  • Sicher: Sind risikofrei und „narrensicher“, ergonomisch und umweltfreundlich, unbedenklich für Mensch und Natur.
  • Angemessen dauerhaft: Je nach Funktion (kurz oder langlebig) sollte die Lebensdauer immer angemessen sein, kurzlebige Verbrauchsgüter wie Verpackungen sollten besonders zyklisch sein (siehe unten).
  • Zyklisch: Jeglicher Abfall und Ausschuss werden als Nährstoff in gleichen oder anderen technischen oder natürlichen Anwendungen verwendet.
  • So regional wie sinnvoll: Geringer Transport- und Verpackungsaufwand (jedoch kann es sinnvoll sein, die lokale Wirtschaft in anderen Ländern zu unterstützen, insbesondere wenn Waren in anderen Regionen effizienter produziert werden können).
  • Sozial: Gut für das soziokulturelle Umfeld, Verbesserung der Lebensqualität, Sicherung von Arbeitsplätzen, Einhaltung mindestens der Normen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und Herstellung unter (regional) akzeptablen Arbeitsbedingungen.
  • Wertvoll: Tragen dazu bei, die langfristige Rentabilität des Anbieters zu sichern und haben ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis, das der Nutzer zu schätzen weiß.

Alle diese Merkmale müssen für den gesamten Lebenszyklus und das gesamte Gütersystem berücksichtigt werden. Manchmal treten Zielkonflikte auf, dann gilt es den besten umsetzbaren Kompromiss zu finden. Selbstverständlich braucht nachhaltiges Design auch zielgruppengerechte Ästhetik, womöglich einen Wow-Effekt. Die nachhaltige Story muss attraktiv und gut erzählt werden. Nutzer/innen dürfen ihre nachhaltigen Güter liebgewinnen und Freude an ihnen haben. Von zurück in die Höhle ist hier keine Rede.

Autorin:

Ursula Tischner, CEO ECONCEPT und Dozentin an der FH Joanneum Graz

Dieser Artikel erschien am 22. November 2019 im Magazin des Deutschen Nachhaltigkeitspreises.

Weitere Infos:

Alle Informationen zu unserer neuen Auszeichnung DNP Design finden Sie auf der Wettbewerbsseite.

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