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Die Reinigung der Meere

Pacific Garbage Screening

Die Grundlage allen Lebens auf der Erde sind unsere Meere und Ozeane. Doch wir Menschen zerstören diese Grundlage zunehmend: Bereits mehr als zehn Prozent des Plastiks landet in den Weltmeeren. Hier schreibt die Architektin Marcella Hansch, wie sie mit ihrer Erfindung die Ozeane retten will.

Ein Tauchgang auf den Kapverden. Etwas streift mein Bein. Ein großer Fisch? Nein. Es ist eine Plastiktüte. Viele Meter unterhalb der Wasseroberfläche. Wie ist das möglich? Ich blicke mich um und entdecke beinahe mehr Plastik als Fische. Tüten, Flaschen, aber vor allem kleinste Plastikteile in allen Formen und Farben. Ich bin geschockt. Wie konnte mir das entgehen?

Dieses Schlüsselerlebnis hat vor fünf Jahren mein Leben verändert und eine Vision erschaffen – Ich will die Weltmeere von Plastik befreien und retten, was zu retten ist. Mittlerweile bin ich 32 und arbeite als Architektin in Aachen. Parallel dazu habe ich ein Projekt ins Leben gerufen, dessen jetzige Ausmaße ich mir nie hätte ausmalen können: Pacific Garbage Screening.

Plastik in den Meeren geht derzeit durch alle Medien. Jeder kennt die Bilder von an Plastik verendeten Meereslebwesen. Plastik ist überall. Selbst in den abgelegensten Regionen unserer Erde findet man Plastik. Manchmal noch als unversehrtes Produkt, in den meisten Fällen jedoch in Kleinteile zerfallen und fast unsichtbar als Mikroplastik.

Dieser Umwelttragödie habe ich meine Abschlussarbeit in Architektur gewidmet, um mich der Thematik wissenschaftlich anzunähern. Ich besuchte Vorlesungen für Kunststofftechnik, studierte Maschinenbau-Skripte und Meeres-Sachbücher, nahm Kontakt zur NASA auf und analysierte Recycling- und Kläranlagen. Auf Basis dieses Wissens entwickelte ich eine Plattform, die innerhalb der großen Müllstrudel platziert werden soll: Kleine Plastikteile werden aufgrund von Strömungen, Wind, Erosionen und Wellenbewegungen bis zu 50 Meter unter die Wasseroberfläche gewirbelt. Und weil ein Großteil der Plastikteile eine geringere Dichte als Wasser aufweist, steigen sie bei ruhigem Wasser nach oben. Die Plattform Pacific Garbage Screening schafft aufgrund ihrer Konstruktion und ihres Tiefgangs genau das: Sie beruhigt die Strömungen durch ein unter Wasser liegendes Kanalsystem, in dem die Partikel durch ihren eigenen Auftrieb nach oben schwimmen können. Es kommen keine Netze zum Einsatz, so dass keine Gefahr für Meereslebewesen besteht – sie können einfach hindurchschwimmen. Über den Einsatz von Algenkulturen soll das Plastik z. B. in biologisch abbaubaren Kunststoff verwandelt werden.

Aus der ursprünglichen Vision ist inzwischen ein Großprojekt geworden. Erstes Ziel unseres gemeinnützigen Vereins ist ein Prototyp für Flüsse und Flussmündungen, um zu verhindern, dass das Plastik überhaupt ins Meer gelangt. Auch das Thema Umweltbildung treiben wir aktiv voran, um das Problem an der Wurzel – unserem unbedachten Konsum – anzugreifen. Unser Team besteht aus 40 aktiven Mitgliedern diverser Fachbereiche. Mittlerweile sind wir weltweit aktiv – ehrenamtlich. Dabei verbindet uns vor allem eines: Der Wunsch, unseren blauen Planeten besser zu hinterlassen als wir ihn vorgefunden haben.

Über die Autorin

Marcella Hansch ist Architektin, Gründerin und Vorstandsvorsitzende des Pacific Garbage Screening. Die spezielle Bauweise der schwimmenden Plattform ermöglicht es, Plastik und Plastikpartikel aus dem Wasser zu filtern. Zur Verwirklichung des Projektes werden unter www.pacific-garbage-screening.de Partner und Sponsoren gesucht.

Dieser Artikel erschien am 7. Dezember 2018 im Magazin des Deutschen Nachhaltigkeitspreises.

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