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Die Zukunft des Bauens ist klimapositiv.

© HGEsch, Hennef

Was verbindet das Rathaus Freiburg, das Schmuttertal-Gymnasium Diedorf und das Aktiv-Stadthaus in Frankfurt? Wir wissen bereits, dass sie Vorbilder des nachhaltigen Bauens sind und in den letzten Jahren Sieger oder unter den Top 3 beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur – ehemals DGNB Preis „Nachhaltiges Bauen“ – waren.

Neu ist: Alle drei gehören zu den ersten Projekten, die die Auszeichnung „Klimapositiv“ der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. erhalten. Ganzheitliche Nachhaltigkeit, wie sie der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur prämiert, geht also einher mit einem klimapositiven Kurs und ist damit nachweislich zukunftsfähig!

Gebäude: vom Konsumenten zum Produzenten

Klimapositiv – was heißt das überhaupt? Technisch ausgedrückt handelt es sich um eine ausgeglichene oder idealerweise negative CO2-Jahresbilanz als Ergebnis der folgenden Betrachtung: Auf der einen Seite steht der CO2-Ausstoß, den das Gebäude im Jahr verursacht. Davon abgezogen werden die Emissionen, die durch den Export von selbstproduzierter, treibhausgasfreier Energie im Netz vermieden werden. Solch ein Gebäude spart also in Summe mehr Treibhausgase bei anderen ein, als es selbst ausstößt. Mit der Auszeichnung „Klimapositiv“ möchte die DGNB den Gestaltungswillen der Akteure und den damit verbundenen positiven Beitrag zum globalen Klimaschutz, zur Dekarbonisierung der Weltwirtschaft und zum großen Ganzen betonen. Denn diese Vorbilder transformieren den Gebäudesektor vom Energiefresser zum produzierenden ausgleichenden Element und geben ihm damit die nötige aktive Rolle im Klimaschutz.

Die Auszeichnung für Vorbilder mit Gestaltungswillen

Noch ist die Auszeichnung etwas Besonderes; die Projekte sind Leuchttürme, die nach vorn ziehen und inspirieren. Da ist das Rathaus Freiburg, bekannt als größtes Plusenergiegebäude Europas, das den Bürgern neben allen Verwaltungsbelangen auch noch als „kleines Kraftwerk“ mit Solarenergie und Geothermie dient. Da ist das Schmuttertal-Gymnasium, das mit seinem klimapositiven Betrieb für die heranwachsende Generation hautnah erlebbar macht, was heute schon möglich ist und Begeisterung weckt. Und da ist das große innerstädtische Mehrfamilienhaus in Frankfurt am Main mit dem verheißungsvollen Namen Aktiv-Stadthaus. Der im Sommer 2015 bezogene Geschosswohnungsbau zeigt in seiner Jahresbilanz, dass klimagerechtes Wohnen in einer dichten städtebaulichen Situation möglich ist, und steht damit beispielhaft für zukünftige städtische Konzepte. Alle drei Projekte haben einen geringen Energieverbrauch, versorgen andere Gebäude mit überschüssiger, selbstprodu-zierter Energie und zeigen, dass der klimapositive Kurs einhergeht mit Qualität in allen Dimensionen des nachhaltigen Bauens: Wohlbefinden des Nutzers, Umwelt- und Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und gute Architektur.

Klares Signal an die Politik

Was noch eine Rarität ist, soll schnellstmöglich und an vielen Projekten umgesetzt werden. Die DGNB verfolgt mit der Auszeichnung deshalb auch das Ziel, das Thema in die Breite zu tragen bzw. die klare Botschaft an Politik, Städte, Kommunen, Investoren und Bauherren zu senden, dass wir heute bereits die Gebäude planen und bauen können, die einen positiven Beitrag für unsere Zukunft leisten. Das notwendige Wissen und die Planungskompetenz sind bereits vorhanden. Man muss es jetzt einfach tun! Und wenn das nicht aus eigener Überzeugung passiert, wie es bei den genannten Projekten der Fall ist, dann vielleicht, weil nachhaltiges Bauen besonders attraktiv ist, in eine sichere, planbare Zukunft führt oder die gewohnten Wege zunehmend ungemütlich werden. Anders gesagt: Eine konsequente Förderpolitik und ambitionierte Regularien sind gefragt. Die aktuelle Klimadebatte zeigt, dass wir darauf nicht warten können, wenn wir einen klimaneutralen Gebäudebestand bis spätestens 2050 – eigentlich früher – sowie klimaneutrale Neubauten bis 2030 haben wollen.

Nur wer misst, kann sich verbessern

Seit mehr als zehn Jahren setzt sich die DGNB dafür ein, dass Wissen von den Köpfen in die Hände gelangt und mehr passiert als vorgegeben. Über 5000 Gebäude mit DGNB Zertifikat, mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur prämierte Projekte und viele weitere sprechen für sich. Mit ihrem Rahmenwerk für klimaneutrale Gebäude und Standorte hat die DGNB im Speziellen die im Paris-Abkommen definierten Ziele für den Gebäudesektor in konkrete, handhabbare und messbare Anforderungen übersetzt. Das Planungs- und Managementtool zeigt auf, dass jedes Bestandsgebäude Optimierungspotenziale hat, die in einem individuellen Klimaschutzfahrplan ausgearbeitet werden können. Dank ganzheitlicher Betrachtung des Energiebedarfs, Bilanzierung mit realen Zahlen und jährlichem Monitoring ist dieser Fahrplan zukunftssicher und lässt keine Verschleierung zu, die weder der Welt noch dem Nutzer selbst hilft. Zum ganzheitlichen Performance-Ansatz gehört beispielsweise auch, dass neben den Energieströmen zur Konditionierung des Gebäudes der Nutzerstrom in die Optimierungsmaßnahmen sowie die Bilanzierung integriert wird.

Klimapositiv: Die nächsten Schritte sind klar!

Die Auszeichnung „Klimapositiv“ bezieht sich bis dato auf den Betrieb von Gebäuden. Das ist ein wichtiger Schritt – dem so schnell wie möglich weitere folgen müssen! Einige hat die DGNB bereits im Blick. So sollen langfristig Gebäude klimapositiv ausgezeichnet werden, bei denen sämtliche Emissionen des gesamten Lebenszyklus mitberücksichtigt werden – von der Material- und Baustoffherstellung über Transporte und Bauprozesse bis hin zum Rückbau. Damit wird das kreislauffähige Wirtschaftsmodell in der gesamten Wertschöpfungskette Bau gefördert – und darüber hinaus. Denn letztlich hat der klimapositive Kurs des Gebäudesektors Einfluss auf Industrie, Energie, Verkehr und Landwirtschaft, kurz: auf alle Sektoren. Auf dem Weg zur Dekarbonisierung der Weltwirtschaft ist es also genau richtig, beim Bauen anzufangen. Schließlich geht die gebaute Umwelt uns alle an!

Autorin: Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand DGNB
Dieser Artikel erschien am 22. November 2019 im Magazin des Deutschen Nachhaltigkeitspreises.

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