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„Ein ‚Weiter so‘ wie vor der jüngsten Krise wird es nicht geben!“ – Interview mit Prof. Tomforde (Teil 1)

Vor mehr als 45 Jahren zeichnete DNP Design-Jurymitglied Johann Tomforde einen Entwurf für ein ultrakompaktes Electric City Car, das heute als „smart“ weltbekannt ist. Wir haben mit ihm unter anderem über seine Erfolgsgeschichte in der Automobilbranche gesprochen.

Sie blicken auf jahrzehntelange Erfahrung in der Automobilindustrie zurück. Wie hat sich die Rolle von Nachhaltigkeit in der Branche verändert?

Johann Tomforde: Nachhaltigkeit spielt bei den meisten Automobilfirmen eine immer wichtigere Rolle in der Unternehmensstrategie und der Produktpositionierung! Aber ähnlich wie beim überstrapazierten Kriterium Innovation, wird mittlerweile auch Nachhaltigkeit schon für kleine Fortschritte in Energieeffizienz und Ressourcenverbrauch von neuen Produkten marketingmäßig überdehnt! Seitdem die Klimaschutzdiskussion weltweit heftiger wurde, also schon bevor die Virus-Krise Anfang 2020 ausbrach, offenbarte die etablierte Automobilbranche ungewohnte Markt- und Nachhaltigkeitsschwächen. Die lange gerittene „immer stärker, schneller und luxuriös-opulenter-Erfolgsmasche“ stieß an sozialverträgliche Grenzen und auf neue Player, die mit umweltfreundlichen Plattformen und digital vernetzten Inhalten für die Mobilität der Zukunft punkten. Also ein „Weiter so“ wie vor der jüngsten Krise wird es nicht geben!

Was macht nachhaltiges Design in der Automobilbranche aus?

Johann Tomforde: Als passionierter Verfechter des nachhaltig-systemischen Designansatzes bin ich mit den im letzten Jahrzehnt in der Automobilindustrie wieder stark favorisierten Styling-Eskapaden natürlich nicht glücklich gewesen. Automobile Design-Klassiker, wie sie uns in den 1980er und 1990er Jahren gelungen sind, nicht nur formal-ästhetisch und funktional, sondern auch ressourcenschonend alltagstauglich und langlebig sind eigentlich schon gute Referenzen für Nachhaltigkeit. Für die kommenden 2020er Jahre erhoffe ich mir, dass Inhalte wieder wichtiger werden als opulentes Design! Nachhaltiges Design sollte deshalb die ganzheitliche Konzeption und Gestaltung des Ecosystems Transportation und Mobilität prägen.

Sie haben mit dem Smart ein weltweit erfolgreiches Auto entworfen – verraten Sie uns, wie es zu der Idee kam?

Johann Tomforde: Das Smart-Systemkonzept hat schon eine sehr lange Vorgeschichte. 1969, während meines Fahrzeugtechnik- & Design-Studiums in Hamburg wollte ich mit meinen Tomforde Electric City Car (TECC) Studien meinem Professor aufzeigen, wie der Stadtverkehr im Jahre 1984, also 15 Jahre voraus, organisiert werden könnte (mich hatte das Buch „1984“ von George Orwell irgendwie inspiriert). Die von mir erdachte TECC-Baureihe mit Elektroantrieb, zwei Sitzen plus Gepäckbox und nur 2,50 Meter Länge, sollte als vernetzendes und mietbares Mobilitäts-Vehicle zwischen Bahn, Bus und privaten Reise-PKW’s dienen. Leider wurde dieser Projektvorschlag als späteres Diplomthema abgelehnt, weil damals wohl zu illusorisch.

Über zwei Jahrzehnte später, Anfang der 1990er Jahre, in meiner Funktion als Leiter Strategisches Design bei Daimler Benz, nutzte ich dann die Chance, zusammen mit unserem Advanced Design Studio in Kalifornien einen Mercedes City Car Elektro Prototyp auf die Räder zu stellen und zu testen. Nach diesem gelungenen Überraschungseffekt für den Mercedes-Benz-Vorstand durfte ich 1993 mit der Vorplanung für die spätere Smart-Baureihe beginnen und als Geschäftsführer Technik & Design das Gesamtfahrzeugsystem zur Serienreife bringen. Den Rest der Smart Story kennt jeder nach jetzt schon 2,4 Mio. Smart… seit einigen Jahren auch so, wie 1969 mal visionär angedacht.

Hier lesen Sie Teil 2 des Interviews. Alle Infos zum DNP Design finden Sie auf der Wettbewerbsseite.

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