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„Gutes Design revolutioniert Produktions- und Konsumsysteme.“

Die Expertin für Eco- und Sustainable Design leitet das Methodikteam des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Design. Wir haben mit Prof. Ursula Tischner u. a. darüber gesprochen, wonach Einreichungen bewertet werden, warum auch Kommunikationsdesigner/innen einen wichtigen Beitrag zur Transformation leisten können und was dazu führt, dass eine Branche sich in Richtung Nachhaltigkeit bewegt.

Sie suchen beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis Design Lösungen und verstehen darunter Produkte, Dienstleistungen und Systeme. Ist das alles „Design“?
Der DNP Design hat ganz bewusst im Sinne der Transformation zur Nachhaltigkeit einen weiten Designbegriff formuliert. Übliche Definitionen von Design für Nachhaltigkeit beinhalten neben dem Ziel der ökologischen, sozialen und ökonomischen Verbesserungen auch, dass wir versuchen möglichst radikale Lösungen und möglichst große Transformationen in Richtung Nachhaltigkeit zu erreichen. Ein Fokus auf reines Produktdesign greift da oft zu kurz. Gutes Design revolutioniert Produktions- und Konsumsysteme, z. B. in Richtung Kreislaufwirtschaft. Wir brauchen die klimafreundlichen Energie-, Mobilitäts- und Ernährungswenden. Wir können daran arbeiten, Digitalisierung zu nutzen, um nachhaltigere Produktionsweisen und Lebensstile zu unterstützen. Es braucht also kreative Ansätze im Produkt-, Dienstleistungs- UND Systemdesign, ebenso wie in Kommunikationsdesign und Bewusstseinsbildung, die solche großen Transformationen anstoßen und unterstützen. Oft spielen dabei neue Technologien und neue Werkstoffe eine Rolle aber mindestens ebenso interessant und wichtig sind soziale Innovation und Verhaltensänderungen. All das fassen wir unter dem DNP Designbegriff zusammen.

Welches ist Ihr Maßstab? Wonach wählen Sie die besten Einreichungen aus?
Zunächst mal haben wir die sogenannten Transformationsfelder als Zielrichtungen definiert. Das sind Klimaschutz, Ressourcenschonung, Unterstützung von Biodiversität, positive Auswirkungen auf die Gesellschaft und eine faire Lieferkette. Die Einreicher/innen benennen bis zu drei Felder, in denen sie mit ihren Lösungen die größten Transformationseffekte erzielen und werden gebeten, die Transformationseffekte zu beschreiben. Diese bewerten wir. Zusätzlich zum Transformationsbeitrag sehen wir uns die eingereichten Lösungen in Bezug auf ihre tatsächlichen messbaren Wirkungen an und bitten die Einreicher/innen diese möglichst zu quantifizieren. Außerdem fragen wir nach ihren Zielen und Wirkpotenzialen in der Zukunft und schließlich bewerten wir das Narrativ oder Storytelling der Lösung, d.h. welche Nachhaltigkeits-Kommunikations- und Bildungseffekte erzielt werden. Selbstverständlich werden die klassischen Designkriterien der guten Gestaltung auch bewertet. Eine ideale Lösung leistet also einen deutlichen Beitrag zur Transformation Richtung Nachhaltigkeit, der heute schon quantifiziert und in der Zukunft noch verstärkt wird, kommuniziert diesen Beitrag auf positive Weise in Richtung Zielgruppen und Gesellschaft und ist attraktiv und verständlich für die jeweiligen Zielgruppen gestaltet.

Sie prämieren auch nachhaltiges Kommunikationsdesign. Was können Werber/innen, PR-Expert/innen und Grafiker/innen denn zur Transformation beitragen?
Heute, in einer durch Konsumüberfluss und Reizüberflutung geprägten Welt, ist ein gutes Narrativ oder Storytelling für nachhaltige Lösungen außerordentlich wichtig. Zum einen, weil es bereits sehr spannende nachhaltige Lösungen gibt, die jedoch kaum bekannt sind. Zum anderen, weil für Nachhaltigkeit auch ein Umdenken bei Konsument/innen wie Produzenten erforderlich ist, das durch gute, die Lösung begleitende Kommunikation oder spannende und motivierende Informationskampagnen und Bildungsansätze gefördert werden kann. Deswegen braucht es auch die Gruppe der Kommunikationsdesiger/innen, die solche Ansätze pushen und gestalten. Ein großer Hebel steckt darin, Fakten und Zusammenhänge erlebbar zu machen, Faszination für Nachhaltigkeit zu erzeugen und den Lösungen Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Wichtig dabei ist allerdings, dass auf Greenwashing gänzlich verzichtet wird und die Story authentisch und wahrhaftig erzählt wird.

Bei anderen Preisen hat die Jury die Chance, die Einreichungen anzufassen und zu bedienen. Fehlt das nicht beim DNP Design?
Aus Gründen der Nachhaltigkeit wurde beim DNP Design darauf verzichtet, alle eingereichten Lösungen an einen Ort zu schaffen und sie dafür hin und her durch die Republik zu schicken. Stattdessen reichen die Teilnehmer/innen schriftliche Informationen, ein visuelles Poster und einen Videoclip ein. Im Jahr 2020 hat das sehr gut funktioniert. Die Jury konnte sich einen guten Eindruck verschaffen, auch ohne physischen Kontakt mit den Lösungen.

Können Sie sagen, welche Bereiche des Designs aus Ihrer Sicht schon von nachhaltigen Ideen bestimmt und welche noch ziemlich "old fashioned" sind? Was kann ein Preis hier schaffen?
Man kann im Rückblick auf die letzten 30 Jahre sagen, dass es vor allem drei Gründe gibt, warum sich eine Branche in Richtung Nachhaltigkeit bewegt: Erstens, weil die Konsument/innen danach fragen. Das ist immer dann der Fall, wenn die Produkte der Konsumentenhaut nahekommen (Bsp. Kleidung, Ernährung, Kosmetik, Möbel und Einrichtung, Baby- und Kleinkindbedarf) oder wenn sie finanziell relevant sind (energieeffiziente und wassersparende Produkte etc.). Zweitens, wenn der Gesetzgeber Regeln aufstellt. Beispiele sind hier Elektronikschrottverordnung, Batterierecyclinggesetz, Gesetze über Begrenzung von Schadstoffen etc. Dadurch werden z. B. die IKT Branche oder die Automobilindustrie zum Umdenken angeregt. Drittens, bestimmte Praktiken geraten in den Medien und im öffentlichen Interesse in die Kritik. Dazu gehört z. B. das Problem des Kunststoffabfalls in den Meeren, was vor allem die Verpackungsindustrie trifft, oder die Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion in Asien, für die Textil- und Modebranche in die Verantwortung genommen werden. Alle Designer/innen, die für solche Branchen arbeiten, sind dann zwangsläufig auch mit diesen Themengebieten konfrontiert und aufgefordert, bessere Lösungen zu entwickeln.

Der DNP Design kann (genauso wie Öko- und Nachhaltigkeitslabels und -zertifikate) eine sehr viel positivere Motivation für Unternehmen und Designer darstellen, nachhaltigere Lösungen zu entwickeln. Hier werden nicht die unnachhaltigen Lösungen kritisiert, sondern die besonders herausragenden nachhaltigen Lösungen ausgezeichnet und belobigt. Der DNP Design ist also „Carrot“ statt „Stick“ und kann so ausgesprochen positiv für den Bekanntheitsgrad und Markterfolg von nachhaltigeren Lösungen wirken.

Bewerbungen um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Design sind noch bis zum 14. Mai möglich. Alle Infos finden Sie hier.

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