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Integration ist grün.

Wie Geflüchtete in unseren Kulturkreis integriert werden können, zeigt das Projekt „Geflüchtete in der Grünpflege“. Die Allianz Umweltstiftung konzipierte und verwirklichte es gemeinsam mit der Stiftung Mensch und Umwelt.

In den letzten Jahren kamen mehr als eine Million Geflüchtete nach Deutschland. Die große Welle an neuen Menschen in unserem Land verlangt auch von uns, neu zu denken. Es gibt eine Menge an herausragenden Initiativen, die ein Ankommen im neuen Land erleichtern. Arbeitsmarktintegration bleibt dabei ein großes Thema. Dies bestätigt auch ein zweites Szenario unserer Gesellschaft, das immer deutlicher zeigt, wie notwendig die Entfaltung des Potenzials der Geflüchteten nicht nur aus Integrationsgesichtspunkten ist. Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung vom 31. August 2017 zufolge, droht Deutschland bis zum Jahr 2040 ein Rückgang des Erwerbstätigenpotenzials um sieben Millionen Menschen.  

Für eine Zukunft im sozialen Frieden und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit müssen folglich beide Entwicklungen zusammen gedacht und gebracht werden. Die große Herausforderung dabei ist, der häufig wenig vergleichbaren beruflichen Qualifikation sowie der noch geringen Kenntnisse der deutschen Sprache von Geflüchteten zu begegnen. Denn sicher ist: Der Großteil möchte arbeiten, statt dem Gastgeber zulasten zu fallen. Doch wie können sie sich beruflich entfalten? Wo ist Bedarf, den man schon kurzfristig bedienen kann und wie können Geflüchtete auf unmittelbarem Wege für einen Beruf qualifiziert werden? Unter anderem diesen Fragen stellte sich die Allianz Umweltstiftung, als sie in 2016, also schon zu Beginn der Diskussion, gemeinsam mit der Stiftung Mensch und Umwelt das Projekt „Geflüchtete in der Grünpflege“ konzipierte und umsetzte. Die Idee: Über Praktika gezielt für Berufe qualifizieren, flankiert von Sprachunterricht. Der Fokus auf die Beschäftigung in der Grün-, Biotop- und Waldpflege war für die Umweltstiftungen naheliegend.  

Neuland betreten.

Viele Fragen der Arbeitsmarktintegration waren Anfang 2016 noch ungeklärt. In Deutschland gab es kein vergleichbares Projekt, das mit Geflüchteten eine mehrmonatige Arbeit durchführte, um ihnen anschließend mit ihren neuerworbenen Fähigkeiten eine Fortbeschäftigung zu ermöglichen. Es fehlte an Informationen und Strukturen – das Interesse seitens der Geflüchteten, aber auch der Partnerorganisationen und Sozialverbände war wiederum immens groß. Schließlich ist es in drei Einsatzorten gelungen, das Vorhaben durchzuführen: In Berlin-Lichtenberg, Eberswalde und Ludwigsburg.

Bewährtes nutzen.

Ludwigsburg qualifizierte sich für das Projekt bereits durch eine vorangegangene Zusammenarbeit mit der Allianz Umweltstiftung. Die Stadt wurde in 2014 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet und erhielt in diesem Rahmen eine Dotierung der Stiftung von € 35.000. Das Preisgeld kam der Partnerstadt Kongoussi in Burkina Faso zugute und wurde für ein Projekt zum Schutz des Bam-Sees verwendet. Die gute Kooperation blieb im Gedächtnis und wurde für die Initiative „Geflüchtete in der Grünpflege“ wieder aufgegriffen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Technischen Dienste Ludwigsburg begrüßten sechs Männern aus Afghanistan und Algerien in ihrem Team. Sie waren in verschiedenen Bautrupps im Einsatz und erhielten von ihren Anleitern Tipps zum Schneiden von Bäumen, zum Mähen von Wiesen, zur Pflege und Unterhaltung von Stauden und Gehölzen oder von Spiel- und Sportstätten. Die Geflüchteten konnten ihre individuellen Fähigkeiten in die Arbeit einbringen, diese ausbauen oder auch grundlegende Qualifikationen in Grünen Berufen erlangen. Im Zentrum stand dabei die Arbeit in der Gemeinschaft, die auch die in Deutschkursen erlernte Sprachkenntnisse praktisch förderte. Nicht zuletzt erhielten die Geflüchteten im Rahmen der Beschäftigung einen realistischen Eindruck davon, was es heißt, mit anderen zu arbeiten, sozialen Umgang untereinander zu pflegen, Zeiten einzuhalten sowie Rechte und Pflichten während der Arbeit wahrzunehmen.

Erfahrungen weitergeben.

Aber auch die Allianz Umweltstiftung profitierte von einem Erkenntnisgewinn: So konnten in den drei Pilotprojekten vergleichbare Herausforderungen sowie Informationen über die organisatorischen und fachlichen Voraussetzungen identifiziert werden. Um einen größtmöglichen Beitrag zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten zu leisten, wurden die Erfahrungen als Empfehlungen zusammengetragen: eine Checkliste erleichtert das Projektmanagement für andere Städte oder Organisationen. Der Wegweiser hilft nicht nur konkret bei der Konzeption, Durchführung und Nachbereitung von ähnlichen Ansätzen, sondern fördert zugleich die Motivation, trotz einiger kleiner Stolpersteine den großen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen.

Dieser Artikel erschien am 8. Dezember 2017 im Magazin des Deutschen Nachhaltigkeitspreises.

Noch bis zum 4. Mai 2018 können Städte und Gemeinden am Deutschen Nachhaltigkeitspreis teilnehmen, die eine umfassende nachhaltige Stadtentwicklung betreiben und bereits erfolgreich Projekte realisiert haben.

Foto: Stiftung Mensch und Umwelt

 

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