News

Aktuelles über den DNP

News und Berichte

News vom

Klimaneutraler Gebäudebestand bis 2050 – Utopie oder machbar?

Foto: Konstantin Meyer

Bis zum Jahr 2050 soll der Gebäudebestand in Deutschland klimaneutral sein. Doch wie kann dies gelingen? Ein Rahmenwerk für klimaneutrale Gebäude und Standorte will hierzu Wege aufzeigen.

Zukunft ist uns allen wichtig. Klar. Das Ganze ist aber gefühlt so weit weg und wenig greifbar, dass wir genügend Ausreden finden, um heute noch nicht aktiv zu werden. Denn so sehr sich das Jahr 2050 auch nach ferner Zukunft anhört: Für manche Bereiche ist dies bereits richtig nah. Bestes Beispiel ist der Bau- und Immobiliensektor. Was wir heute bauen, ist nichts anderes als der Gebäudebestand im Jahr 2050. Heißt im Umkehrschluss: Wir müssen heute damit anfangen, Dinge anders und vor allem besser zu machen, wenn wir einen relevanten Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen. Es ist schlichtweg nicht akzeptabel, dass immer noch Gebäude gebaut werden, die in ihrem späteren Betrieb zu Lasten des Klimas gehen. Da hilft auch kein Ausweichen auf Argumente der Bezahlbarkeit, denn es gibt genügend Beispiele, die belegen, dass Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit zusammen funktionieren.

Klimaneutralität ist bei all dem mehr als ein wohlklingendes Schlagwort. Es ist der Schlüssel zum Erreichen der globalen und nationalen Klimaschutzziele – zumindest was den Bausektor angeht. Es braucht jetzt die richtigen Rahmenbedingungen und Anreize, Klimaneutralität praktisch anzugehen, damit wir nicht plötzlich feststellen müssen, dass die gesteckten Ziele schon wieder nicht mehr erreichbar sind, ohne dass man sich vorher darum gekümmert hat. Dies geht nicht ohne Orientierung, ohne verlässliche Grundlage.

Rahmenwerk für klimaneutrale Gebäude und Standorte

Hier setzt das Rahmenwerk für klimaneutrale Gebäude und Standorte an, das die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) entwickelt hat. Das Rahmenwerk macht die globalen Klimaschutzziele für die verschiedensten Entscheidungsträger der Bau- und Immobilienwirtschaft handhabbar, indem es eine verlässliche Orientierung gibt, wie sich CO2-Emissionen kontinuierlich und im notwendigen Maß reduzieren lassen. Es soll dabei helfen, die Dekarbonisierung des Gebäudebestands bis 2050 realisierbar zu machen, und unterstützt zudem dabei, Klimaneutralität bei Neubauten zum Standard zu machen.

In dem Rahmenwerk werden zum einen die grundlegenden Regeln für die CO2-Bilanzierung von Gebäuden beschrieben. Um die klimaschutzrelevanten Informationen eines Gebäudes oder Standorts transparent und vergleichbar kommunizieren zu können, sind darüber hinaus Indikatoren und Leistungskennzahlen definiert, die gebündelt in Form eines Emissionsausweises bereitgestellt werden sollen. Für ein einheitliches Verständnis des Begriffs „klimaneutral“ ist eine klare Definition wichtig, auch wenn diese vielleicht etwas technisch klingt: So gilt ein Gebäude dann als klimaneutral, wenn die Jahresbilanz der CO2-Emissionen für den Gebäudebetrieb weniger als Null Kilogramm CO2 beträgt.

Wie bei so vielen Dingen, ist auch hier der Weg zum Ziel entscheidend. So ist für ein Gebäude, das eine solche Jahresbilanz noch nicht aufweist, ein projektspezifischer Klimaschutzplan zu erstellen, dessen Ziel die Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 ist. Ausgehend von einem projektindividuellen Startwert – dem Ist-Wert der CO2-Emissionen zu Beginn der Bilanzierung – werden jahresbezogen Grenzwerte festgelegt, die das Gebäude einhalten muss, um das für 2050 angesetzte Ziel der Klimaneutralität tatsächlich zu erreichen. Hierfür sind Maßnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen aufzustellen, wie z.B. Sanierungen, Modernisierungsmaßnahmen oder Betriebsoptimierungen. Diese sind in eine zeitlich und wirtschaftlich sinnvolle Abfolge zu bringen und deren Wirkungen sind zu berechnen – zunächst als prognostizierte, nach Umsetzung der Maßnahmen als reale Werte.

Anwendbar für zahlreiche Zielgruppen und Einsatzzwecke

Die Anwendungsmöglichkeiten für das Rahmenwerk sind vielfältig. So hilft es beispielsweise, den effektiv erreichten Klimaschutz eines Gebäudes oder Standorts verbindlich zu prüfen und mit anderen Projekten vergleichbar zu machen. Ebenfalls im Fokus steht die Kommunikation der CO2-Bilanz. Durch den erforderlichen, regelmäßigen Abgleich von Soll- und Ist-Werten lassen sich sowohl der geplante als auch der bereits erreichte Klimaschutzbeitrag eines Gebäudes oder Standorts transparent darstellen.

Übergeordnet soll mit dem Rahmenwerk ein Anstoß gegeben werden, die Förderpolitik neu auszurichten und klimaschutzfördernde Sanierungen attraktiv und rentabel zu machen. Daher richtet sich das Rahmenwerk nicht nur an alle Planer und Bauherren, die das Thema Klimaschutz ernst nehmen und konkret an ihren eigenen Sanierungs- oder Neubauprojekten umsetzen möchten. Und auch nicht allein an Eigner oder Betreiber von Gebäuden, die sich dem Thema für ihr Gebäude annehmen möchten. Es adressiert gerade auch politische Entscheidungsträger, die an der Umsetzung der deutschen Klimaschutzziele arbeiten und auf eine Dekarbonisierung Deutschlands hinarbeiten. Damit das Erreichen der Klimaschutzziele bis zum Jahr 2050 eben keine Utopie bleibt.

Praktische Erprobung des Rahmenwerks

Die im Rahmenwerk beschriebenen Methoden werden in den kommenden Monaten an ersten Projekten umfangreich getestet werden. Auf Grundlage der dann vorliegenden Erfahrungen im Umgang mit den verschiedenen Methoden und Instrumenten soll anschließend eine verbindliche Fassung des Rahmenwerks finalisiert werden. Alle Interessierten können das Rahmenwerk für klimaneutrale Gebäude und Standorte kostenlos unter www.dgnb.de herunterladen.


Zum Wettbewerb: Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur zeichnet herausragende und beispielhafte architektonische Leistungen aus, deren Qualität sich über die Nachhaltigkeit hinaus insbesondere in einem hohen ästhetischen Anspruch sowie in innovativen Lösungsansätzen zeigt. Hier können sich Bauherren, Architekten und Nutzer fertig gestellter Gebäude in Deutschland wieder mit ihren Projekten bewerben

Über die Autorin: Dr. Christine Lemaitre ist eine Pionierin im nachhaltigen Bauen. Die promovierte Bauingenieurin ist seit 2009 bei der DGNB und leitet die Non-Profit-Organisation als Geschäftsführender Vorstand. Im World Green Building Council ist sie Mitglied im Board of Directors und Vorsitzende im europäischen Netzwerk.

Dieser Artikel erschien am 7. Dezember 2018 im Magazin des Deutschen Nachhaltigkeitspreises.

Um unsere Webseite für Sie fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.