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„Nachhaltiges Design ist vor allem ein gutes Design“ – Prof. Michael Braungart im Interview

Prof. Dr. Michael Braungart ist der Kopf hinter „Cradle to Cradle“. Der Verfahrenstechniker und Chemiker entwickelte das weltweit angewandte Designprinzip der Kreislaufwirtschaft zusammen mit dem US-Forscher William McDonough.

Was genau sich dahinter verbirgt, wie essentiell Innovation für eine nachhaltigere Zukunft ist und warum der DNP Design für ihn eine wichtige neue Auszeichnung ist, erklärt Jurymitglied Michael Braungart im Interview.  

Sie betonen immer wieder, wie wichtig Innovation ist. Wie genau definieren Sie denn Innovation?

Traditionell versuchen die Menschen die Umwelt zu schützen, indem sie weniger „Schweinereien“ machen. Beispielsweise indem sie weniger Auto fahren oder weniger Müll produzieren. Das bedeutet aber streng genommen nur, dass es weniger Zerstörung gibt. Vielmehr müssen wir fragen: Wie sieht die Welt aus, die wirklich für 10 Milliarden Menschen und die anderen Lebewesen da ist, die wirklich Platz für alle hat und Entwicklungsmöglichkeiten bietet? Und dafür müssen wir die Dinge nochmal neu denken. Es geht nicht darum zu fragen, wie kann man Rindfleisch erzeugen, für das ich nicht 20.000 sondern nur 15.000 Liter Wasser pro Kilogramm benötigt werden? Sondern: Was ist gesundes Essen? Es geht eben nicht um Effizienz, sondern um Effektivität. Und Effektivität führt zu Innovation, wenn wir uns die Frage stellen, was wollen die Menschen wirklich haben, wenn sie etwas kaufen? Möchte jemand 4360 Chemikalien haben oder möchte jemand einfach fernsehen? So entstehen andere Geschäfts- und Produktideen, um das, was die Menschen haben wollen, tatsächlich auch zu erfüllen und ihnen nicht einfach einen Gegenstand aufzuhalsen, der hinterher zu Müll wird. Genau darum geht es: Die Dinge neu zu denken mit einer Kultur der Großzügigkeit, nicht weniger schädlich zu sein, sondern nützlich zu sein. Und daraus entsteht ganz viel Innovation, weil die Dinge wirklich neu und anders sind.

Was macht nachhaltiges Design aus?

Nachhaltiges Design ist vor allem ein gutes Design. Ein Design, welches erlaubt, dass alle Dinge in biologische oder technische Kreisläufe zurückgehen können. Es ist vor allem ein Design, das den Menschen Freude macht und das die Menschen als Chance begreift und nicht als Belastung. Das meiste Design, das uns umgibt, ist nie für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt hergestellt worden. Mir geht es also um einen Designbegriff, der nicht beschönt, sondern wirklich gestaltet. Das, was ich wissenschaftlich dazu mache, macht die Designerinnen und Designer zu dem Schlüssel davon. Normalerweise stehen Designer/innen sozusagen am Anfang des Prozesses, machen etwas nett und schön und am Ende gibt es eine Müllentsorgung. Aber wenn Design wirklich als gutes Design verstanden wird, dann gibt es keinen Abfall, dann ist alles Nährstoff und das macht die Designer und Designerinnen wirklich zum Schlüssel. Darum ist der Designbereich der zentrale Bereich im gesamten Nachhaltigkeitsbegriff. Nur wenn ich das Design entsprechend gestalte, kann das Produkt oder die Dienstleistung wirklich für 10 Milliarden Menschen gestaltet sein. Über 80 Prozent der Umweltauswirkungen des Produktes werden durch das Design bestimmt, nicht durch die Nutzung später – das Design schreibt praktisch die Nutzung vor.

Stichwort: Kein Abfall bei gutem Design. Sie sind ja der Kopf hinter der mittlerweile weltweiten Bewegung „Cradle to Cradle“. Für diejenigen, die das Konzept nicht kennen, was steckt dahinter?

Bei „Cradle to Cradle“ sagt man auch „eine Welt ohne Abfall“, aber dabei denkt man ja immer noch an Abfall. Das wäre so, als würde ich sagen: „Denken Sie nicht an ein rosarotes Krokodil“ – dann denken Sie an ein rosarotes Krokodil. Es geht darum, eine Welt zu haben oder zu erreichen, in der alles Nährstoff ist. Denn wenn ich an null Abfall denke, denke ich immer noch an Abfall und gegen Null zu optimieren, ist ziemlich traurig. Es ist ein negatives Ziel. Bei „Cradle to Cradle“ geht es darum, alles was verschleißt, wie Schuhsohlen, Bremsbeläge, Autoreifen, Waschmittel so herzustellen, dass sie in biologische Systeme zurückgehen und biologisch nützlich sind. All das, was nur genutzt wird, wie eine Waschmaschine oder ein Fernseher, geht in technische Nährstoffkreise. Dass es keinen Abfall mehr gibt, ist also die Konsequenz daraus und nicht das Ziel. Dadurch entstehen viel schönere und viel bessere Produkte, weil eben beispielsweise nicht mehr 150 billige Kunststoffe für eine Waschmaschine verwendet werden, die man verkauft, sondern weil man nur 3000 Mal Waschen verkauft. Auf diese Weise kann ein Hersteller drei oder vier Kunststoffsorten verwenden, von denen es sich lohnt, sie zurückzugewinnen und sie zu recyclen.

Mit ihrer Expertise verstärken Sie die Jury des DNP Design. Warum braucht es die neue Auszeichnung – neben den vielen, bereits bestehenden Designpreisen?

Über die Nachhaltigkeit und gerade über diesen Preis lassen sich insbesondere auch junge Leute schnell auf die Höhe der Weltspitze treiben, allein weil es eine Innovationsmaschine ist. Wir können 40 Jahre Weltuntergangsdiskussion jetzt in Innovation umsetzen, Qualität in Schönheit und darum ist so ein Preis von so immenser Bedeutung. Dadurch kann eine neue Sicht auf Produkte entstehen. Der einzige Bereich, den wir in Europa wie sonst niemand auf der Welt beherrschen, ist, wie man Produkte erzeugen kann, die gesund sind und gut für die Umwelt. Darum meldet sich bei mir ein Larry Page, der wissen will, wie er ein Gebäude ohne Feinstaub bauen kann. Weil wir untersucht haben, wie sich Feinstaub auf die Gesundheit auswirkt und weil es eine Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen gibt, die beim DNP Design glücklicherweise dabei ist, und zeigt, wie man gesunde Gebäude machen kann. Das ist weltweit führend.

 

Alle Informationen zum DNP Design finden Sie auf der Wettbewerbsseite.

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