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„Nachhaltigkeitsmanagement ist weit mehr als nur ‚fashion of the day’.“

Der ehemalige deutsche Politiker und Gründungsdirektor des „Institute for Advanced Sustainability Studies“ (IASS) Prof. Klaus Töpfer äußerte sich anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Deutschen Nachhaltigkeitspreis im Interview. Warum er davon überzeugt ist, dass in der deutschen Wirtschaft der Durchbruch für mehr Nachhaltigkeit gelungen ist.

Aus welcher persönlichen Motivation heraus haben Sie sich für Ihr Engagement als DNP-Jurymitglied entschieden?

Ich war selbst viele Jahre lang Mitglied und zeitweise stellvertretender Vorsitzender im Rat für nachhaltige Entwicklung (RNE) - interessanterweise in der Zeit, in der ich das United Nations Environment Programme (UNEP) mit Hauptsitz in Nairobi (Kenia) leitete. Vor Ort in Afrika wurde mir klar, dass eine von den ökonomischen und sozialen Komponenten abgekoppelte Umweltpolitik keine Perspektive hat. Deswegen war ich sehr daran interessiert, diese Erkenntnis – wo immer möglich – in eine breite Diskussion über entwicklungspolitische Zusammenarbeit einbringen zu können. Dafür gibt es viele Wege. Ein Weg besteht darin, Ehrungen den Institutionen und Personen zu verleihen, die sich in besonderer Weise kreativ und progressiv für diese Zielsetzung engagieren. Persönlich kannte ich bereits über viele Jahre die Persönlichkeiten, die den Deutschen Nachhaltigkeitspreis (DNP) begründet und beispielhaft entwickelt hatten. Damit wusste ich auch, dass es diesen Persönlichkeiten ein ernstes Anliegen war und ist, Nachhaltigkeit in die Breite der Gesellschaft hinein zu tragen. Es war nicht schlicht eine weitere Preisverleihung sondern eine eigenständige und sinnvolle Initiative. Mir war diese multiplikative Wirkung in die Öffentlichkeit hinein  durch den DNP vornehmlich wichtig. Die Wirkung in die Unternehmen hinein kommt natürlich hinzu. Diese verschiedenen Auswirkungen sollte man immer im Auge behalten, nicht zuletzt deswegen, weil sie sich wechselseitig unterstützen oder schwächen.

Als DNP-Jurymitglied konnten Sie von innen heraus beobachten, wie teilnehmende Unternehmen sich über die Jahre hinweg im Nachhaltigkeitsmanagement entwickelt haben. Was sind nach Ihrer Wahrnehmung die wichtigsten positiven Entwicklungen im Nachhaltigkeitsmanagement der Unternehmen und was sehen Sie hingegen kritisch?

Ich bin bereits in vielen anderen Jurys aktiv gewesen und bin es auch heute noch. Man kann nur sagen, dass es mich wirklich beeindruckt, wie professionell beim DNP an das Thema herangegangen wird. Man hat deutlich gemacht, dass es nicht darum geht, den zu ehren, der unter allen Gesichtspunkten beispielhaft ist und nicht kritisiert wird, sondern die Unternehmen und die Verhaltensweise herauszuarbeiten, die den Prozess zur Nachhaltigkeit glaubwürdig und beständig gehen. Die Fragestellung steht im Vordergrund: Soll ein Preis für bisher Geleistetes oder auch dafür verliehen werden, dass Entwicklungen in Gang gesetzt worden sind, die überzeugendes Engagement und neue Impulse belegen? Die Frage auch: Wird dadurch Verantwortung für dieses Engagement in die Öffentlichkeit getragen und werden die Erwartungen für weitere Nachhaltigkeit gestärkt? Diese Kriterien und Impulse hat der DNP setzen können, in Unternehmen ebenso wie in Kommunen, bei Wissenschaftlern, Start-ups, aber auch engagierten Persönlichkeiten. Stets wird konsequent dieselbe Zielsetzung verfolgt. So geht es nicht darum, die in jeder Hinsicht „Grüne Stadt“ zu motivieren, sondern den Transformationsprozess zur Nachhaltigkeit tragfähig zu halten. 

Würden Sie sagen, dass es Unterschiede in der Nachhaltigkeitsentwicklung von KMU und Konzernen gibt?

Es gibt natürlich unterschiedliche Märkte und Marktsegmente. Ein kleineres Unternehmen wird eher begrenzte Marktsegmente bedienen oder diese selbst aufbauen. Denken Sie z.B. an den gesamten Öko-Lebensmittelbereich. Dort wurden Unternehmen wie Alnatura ausgezeichnet. Alnatura hat einen Markt entwickelt, der bisher nur ein Randthema war. Insofern sind dieses und andere Unternehmen große, marktbestimmende und marktentwickelnde Unternehmen geworden. Sie waren schneller mit Nachhaltigkeitsfragen konfrontiert und haben diese weiter als allein auf Umweltfragen bezogen verstanden. Nachhaltigkeit ist genau diese Notwendigkeit, klar zu machen, dass mit unterschiedlichen Gewichtungen und Dimensionen menschliches Handeln abgedeckt werden muss. Bewirbt sich ein Großunternehmen um den DNP, so wird nachweislich zu belegen sein, dass es sich um Bemühungen handelt, die Dimension der Nachhaltigkeit in den eigenen Governance-Strukturen aufzubauen und umzusetzen. Das ist insofern preiswürdig, als dass es ein Kennzeichen dafür ist, dass dieses Unternehmen sich auf den richtigen Weg gemacht hat und diesen auch weiter beschreiten sollte. Es ist und bleibt immer auch das Risiko für den Preisverleiher, vor allem aber für das Unternehmen selbst. Der Preis löst stets besondere Beachtung und Überprüfung durch Presse und Öffentlichkeit aus. Mit der Preisverleihung steht das Unternehmen in einem ganz anderen Fokus derer, die kritische Fragen stellen. Dieser Folge der Preisverleihung sollte sich jedes Unternehmen sehr bewusst sein.

Hatte der DNP nach Ihrer Wahrnehmung eine spürbare Wirkung auf die Nachhaltigkeitsentwicklung bei teilnehmenden Unternehmen, die wiederum einen Wettbewerbsdruck in der Branche erzeugt haben?

Dies ist eindeutig zu bejahen. Der Nachweis der Nachhaltigkeit in Produktion, Vertrieb und im Produkt selbst hat eine zunehmend wichtige Wirkung auf den Markt. Konsumenten wollen informiert werden über diese unmittelbaren und mittelbaren Konsequenzen ihrer Konsumentscheidungen. Ein derartiger Marktvorteil motiviert wiederum andere in diesem Markt. Nehmen Sie REWE als Beispiel. Dieses Unternehmen ist bereits unter unterschiedlichen Aspekten ausgezeichnet worden. Unzweifelhaft ist das in der Breite des Einzelhandels genau beobachtet worden und hat jeweils eigene Lösungen in wettbewerblichen Unternehmen bewirkt. Wäre es nicht so, wäre das in hohem Maße überraschend. Das Bewusstsein der Konsumenten und damit verbunden ihr Einkaufsverhalten hat Nachhaltigkeit zur Börsenrelevanz geführt! Daher sehe ich schon, dass die Verleihung des DNP über die Öffentlichkeit in viele Branchen hinein wirkt. Das Nachhaltigkeitsverhalten hat sich beständig weiterentwickelt und verändert, was wiederum ein anderes Unternehmensimage am Markt befördert. 

Wenn Sie die Nachhaltigkeitsentwicklung bei DNP-Teilnehmern vergleichen mit der Entwicklung der Nachhaltigkeit bei Unternehmen in Deutschland insgesamt, worin sehen Sie die wichtigsten Parallelen und Unterschiede?

Es sind nicht nur Leuchtturm-Unternehmen, nicht nur die „üblichen Verdächtigen“, die sich für den DNP bewerben. Nicht nur die Vorreiter, sondern auch die eigenständigen neuen Überlegungen sind Ziel dieses Preises. Wenn Sie sich anschauen, wie die Anzahl an ernstzunehmenden, qualitativ bedeutsamen Nachhaltigkeitsberichten in der deutschen Wirtschaft zugenommen hat und wie substanziell diese bearbeitet werden, dann spiegelt das diese positive Gesamtentwicklung. Mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) hat der DNP dazu beigetragen, dass dieses Thema die gesamte Breite der Wirtschaft erreicht und dort konkretes Mitwirken ausgelöst hat. Das Nachhaltigkeitsmanagement ist weit mehr als nur „fashion of the day“ geworden. Deutschland ist gekennzeichnet durch eine florierende, international ausgerichtete und erfolgreiche Wirtschaft. Damit dies so bleibt, muss Nachhaltigkeit in der Wirtschaft und in allen gesellschaftlichen Gruppen überzeugend und nicht nur durch schöne Sätze belegt werden. Ein nachhaltiges Image von Unternehmen wird am Markt wahrgenommen, national und international. 
Das bedeutet, dass die Nachhaltigkeitsentwicklung in die Breite und Tiefe geht. Aber sind wir vor dem Hintergrund der SDGs und des Pariser Abkommens schnell genug um gewisse Ziele zu erreichen? 
Natürlich muss alles sehr viel gezielter, intensiver und konsequenter in Angriff genommen werden. Aber wenn Unternehmen gar nicht erst anfangen, dann können sie auch nicht schneller werden. Insofern ist es eine Notwendigkeit, darauf hinzuweisen, dass wir in eine Welt hineingehen, die sehr viel mehr auf globale Herausforderungen – z.B. im Bereich der Versorgung und der wirtschaftlichen Stabilität, vor allem auch von Absatzmärkten – angelegt sein muss. 

Sie selbst haben den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Ihr Lebenswerk im Jahr 2008 erhalten. Warum war die Ehrung durch den DNP auch für Sie etwas Besonderes?

Ich freue mich bis zum heutigen Tag darüber, dass ich bei der ersten Vergabe des DNP einen Preis für mein Lebenswerk erhalten habe. Es ehrt mich zusätzlich, dass aus dem gleichen Anlass Prince Charles diesen Preis erhielt. Dieser Preis wird überall, egal wo ich spreche, immer genannt, wenn man mich als Redner ankündigt - ein weiterer kleiner Indikator für die Bedeutung des DNP. 

Das Gespräch führten Marie-Lucie Linde und Dr. Matthias Kannegiesser

Dieser Artikle erschien im N-Kompass Magazin 4/2017, S. 14 - 16
Die N-Kompass Methode, entwickelt durch den NWB Verlag, wird im Rahmen der Genossenschaft sustainable natives eG als Management-Methode eingesetzt.

Noch bis zum 18. Mai 2018 können sich Unternehmen für den 11. Deutschen Nachhaltigkeitspreis bewerben, die sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen erfolgreich den ökologischen und sozialen Herausforderungen der Zukunft stellen.

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