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„Regulierungen helfen nur, wenn sie zu gerechten Regeln für alle führen.“

Foto: Samuel Zeller

Seit Beginn des Deutschen Nachhaltigkeitspreises ist die internationale Unternehmensberatung A.T. Kearney Methodikpartner. Im Interview sprechen Otto Schulz und Carsten Gerhardt über die Wettbewerbsfähigkeit Deutscher Unternehmen auf dem internationalen Markt.

Deutsche Unternehmen galten in Sachen Nachhaltigkeit lange als Vorreiter. Ist das noch haltbar angesichts steigender nationaler CO2-Emissionen und der Debatte um die Zukunft des Diesels?

Schulz: Unsere Beobachtung beim DNP und in der Beratung ist, dass viele deutsche Unternehmen sehr ernsthaft an der Verbesserung ihrer Nachhaltigkeit arbeiten und das Thema sogar in den Fokus ihrer Strategien stellen. Was die Reduzierung von CO2-Emissionen angeht: Ich sehe das als Aufgabe für uns alle – von der Regierung bis zu uns Verbrauchern. Die Dieseldebatte hilft natürlich erstmal dem CO2-Ziel nicht. Regulierungen können der Nachhaltigkeit helfen, wenn sie zu gerechten Regeln für alle führen.

Gerhardt: Von steigenden nationalen CO2-Emissionen zu sprechen, finde ich eine zu drastische Darstellung. Je nach Quelle sind die Emissionen konstant bis leicht rückläufig. Nun ist es verständlicherweise schwierig, die Emissionen im Transportbereich mit den beim Diesel geplanten CO2-Reduktionen zu kompensieren. Das braucht also noch etwas Zeit. Viel gravierender ist aus meiner Sicht der Imageverlust, den Deutschland durch den Diesel-Skandal in Sachen Nachhaltigkeit hinnehmen musste.

Was bedeuten „Handelskriege“ und nationale Abschottung für das nachhaltige Wirtschaften von (deutschen) Unternehmen?

Gerhardt: Handelskonflikte bedeuten leider einerseits, dass manche Regierungen die wahren Herausforderungen nicht erkannt haben und Aufmerksamkeit und Energie von Unternehmen auf Themen zwingen, die uns nicht weiterbringen. Zum anderen erschwert es, deutsche Nachhaltigkeitskonzepte auch im Ausland einzuführen.

Schulz: Bei solchen Konflikten müssen die deutschen Unternehmen natürlich Alternativen schaffen oder Bestehendes absichern. Nachhaltigkeit sollte dabei (weiter) im Fokus stehen, denn es kann sowohl bei den Versorgungsketten als auch bei Kunden ein Wettbewerbsvorteil sein. Krisen können also auch eine Chance sein, über Nachhaltigkeit gestärkt herauszugehen. Das konnte man bereits in der Finanzkrise 2008 beobachten.

Welche Rolle können Unternehmen übernehmen, um – gerade vor dem Hintergrund der aktuellen US-Klimapolitik – einen positiven Beitrag zu leisten?

Schulz: Handelsriesen beispielsweise können mit ihrer Marktmacht sehr viel beeinflussen – von nachhaltigen Inhaltsstoffen, Verzicht auf bestimmte Chemikalien bis hin zum Verzicht auf Plastiktüten. Gerade unter den US-Konzernen sehen wir dort zahlreiche Vorreiter. Wichtig ist aber, dass wir diese Unternehmen nicht alleine lassen, wenn ihre Wettbewerber z.B. durch Verzicht auf Umweltauflagen Kostenvorteile haben.

Gerhardt: Bei sehr vielen Anwendungen und Produkten gibt es heute bereits nachhaltige Alternativen, die in der Herstellung allerdings oft aufwändiger und teurer sind. Unternehmen könnten einen positiven Beitrag leisten, wenn sie Mehrkosten für nachhaltige Produkte zum Endverbraucher „durchreichen“ und nicht wie sonst üblich beaufschlagen.
 

Über die Autoren

Dr. Otto Schulz ist Vorstand der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. und Partner bei der Managementberatung A.T. Kearney. Dort leitet er die Bereiche Chemie sowie Sustainability.

Dr. Carsten Gerhardt ist Partner bei A.T. Kearney im Bereich Energy and Process Industries.

Dieses Interview erschien am 7. Dezember 2018 im Magazin des Deutschen Nachhaltigkeitspreises.

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