News.

Aktuelles über den DNP.

News und Berichte

News vom

Sieben Stellschrauben für eine Transformation im Bauen.

Gebäude spielen eine Schlüsselrolle für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Soweit nichts Neues. Dennoch stottert der Sektor bei seiner Transformation. Aber warum? Sieben Punkte, die zeigen, auf was es ankommt. Ein Gastbeitrag von Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e. V.

Vordergründig spricht alles für eine Transformation unserer Baupraxis hin zu mehr Nachhaltigkeit. Klima und Umwelt gewinnen. Genauso wir als Menschen, die die Gebäude nutzen, in ihnen leben und arbeiten. Und auch wirtschaftlich bietet es vielfältige Vorteile. Dazu kommt die beste Nachricht: Wir können heute schon gute, nachhaltige und sogar klimapositive Gebäude bauen! Das belegen nicht nur die Gebäude, die wir jedes Jahr beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Architektur auszeichnen, sondern auch mehr als 7.000 DGNB-zertifizierte Projekte. Grund genug, die Finger in einige Wunden zu legen, damit wir aus dem gefühlten Stillstand herauskommen.

1. Haltungswechsel: Handeln statt Ausreden suchen und finden

Es ist paradox, mit welcher Hingabe viele Investor/-innen und Bauschaffende nach Gründen suchen, warum sie auch beim nächsten Projekt wieder nur halbherzig die unterschiedlichen Nachhaltigkeitsanforderungen verfolgen. Man sollte die so investierte Zeit einmal monetär umrechnen. Nicht auszudenken, wo wir dann schon stehen könnten. Dieses Phänomen beschreibt eine ganz zentrale Problematik: die fehlende Haltung. Um sich mit Fragen nach der Suffizienz oder der Bauqualität aktiv zu beschäftigen, ist die eigene Komfortzone nicht der beste Startpunkt. Handeln ist das Credo. Sich gegen Widerstände durchsetzen und der eigenen Überzeugung folgen ebenfalls.

2. Raum für gute Planung: Gestalten statt korrigieren

Bauen ist komplex. Viele verschiedene Akteur/innen sind zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten von der frühen Planung bis zur Inbetriebnahme beteiligt. Außerdem ist jedes Gebäude ein Unikat, abhängig von seinem städtebaulichen Kontext, seinen Nutzungsanforderungen und vielem mehr. Das heißt auch, dass sich die Beteiligten immer wieder neu auf ihre Bauaufgabe und die damit verbundenen Möglichkeiten einlassen müssen. Es geht um die Suche nach der besten Lösung – je früher und genauer im Prozess, umso besser. Eine gute, differenzierte Planung, die Varianten durchspielt, ist der Schlüssel. Alles andere führt zu Sackgassen, die über spätere Korrekturen zeit- und kostenintensiv werden.

3. Ganzheitlichkeit: Zusammenhänge verstehen statt Modewörtern nachrennen

So sehr der Begriff Nachhaltigkeit für Teile der Branche angestaubt wirken mag, er ist mit seiner ganzheitlichen, lebenszyklusorientierten Definition der richtige. Denn so hip und aufregend Konzepte wie Smart, Circular oder Healthy Building auch klingen, so sollten sie doch als integraler Bestandteil einer nachhaltigen Bauweise verstanden werden. Denn was nutzt ein intelligentes Gebäude, wenn es in seiner Nutzung niemand bezahlen kann? Das Beste aus all diesen Trendwelten in eine umfassende Nachhaltigkeitslösung zusammenzuführen, darauf kommt es an. Frei nach dem Motto: Qualität first.

4. Mut zur Einfachheit: Pragmatische Diskussion statt Übertheoretisierung

Die Suche nach dem besten Ergebnis darf nicht missverstanden werden mit der Aufforderung nach endlosen theoretischen Diskussionen. Nutzt man Planungs- und Optimierungstools wie eine DGNB-Zertifizierung, sind diese Abwägungen zielgerichtet und adressieren die wirklich relevanten Aspekte. Außerdem sind es häufig die einfachen, wenig technischen Lösungen, die die besten sind. Mit dem notwendigen Pragmatismus und dem Mut zur Einfachheit ist vieles gewonnen. Sich ehrlich zu fragen, wie viel Fläche wirklich benötigt wird und ob man eine technische Spielerei tatsächlich braucht, hilft. Dass damit noch die Betriebskosten sinken und die Nutzer/innen verstehen, wie ihr Gebäude funktioniert, sind positive Nebeneffekte.

5. Auf Fakten bauen: Fundierte Antworten statt haltlose Kostenargumente

Allzu oft wird die Mehrkostenkarte als ­Argument herausgeholt, um das eigene Nichthandeln in Sachen Nachhaltigkeit zu rechtfertigen. Dabei resultieren mögliche Zusatzkosten in den meisten Fällen aus Extrawünschen, die im Laufe der Planung hinzukommen, die mit den eigentlichen Nachhaltigkeitsanforderungen aber nichts zu tun haben. Differenziert hinzuschauen und kritisch zu hinterfragen, wo mögliche Mehrkosten tatsächlich herkommen, ist entscheidend für die Akzeptanz von nachhaltigen Bauweisen. Das Thema wurde in der öffentlichen Wahrnehmung in die Kostspielig-Ecke manövriert, ohne dass es dorthin gehört. Umso wichtiger ist es, Fakten einzufordern und wirklich fundierte Antworten zu finden.

6. Ehrlicher Dialog: Voneinander lernen statt das Rad neu erfinden

Ein Mittel, um Kosten zu sparen, ist auch, x-fach gemachte Fehler nicht zu wiederholen. Es gibt inzwischen so viele gute Beispiele, die zeigen, was möglich ist. Von diesen zu lernen und für das eigene Projekt die richtigen Schlüsse zu ziehen, scheint trivial. Praktisch ist es so, dass lieber alles nochmal selbst erfunden werden muss. Was es stattdessen bräuchte, ist eine gelebte Fehlerkultur. Ein ehrlicher Austausch, von dem alle profitieren in Form einer nachhaltiger gebauten Umwelt.

7. Nachhaltigkeit leben: Gebäude als fortlaufenden Prozess verstehen

Dieser Fehlerkultur bedarf es auch im Umgang mit dem einmal gebauten Gebäude. Denn mit dem Bau wurden lediglich die Voraussetzungen geschaffen, dass es in seinem Betrieb auch nachhaltig ist. Es ist essenziell, Gebäude als fortlaufenden Prozess zu verstehen und Nachhaltigkeit aktiv zu leben. Hier werden die Nutzer/innen genauso benötigt wie die Betreiber/innen. Genau hinzuschauen, das Gebäude zu verstehen, Schwachstellen zu erkennen und systematisch zu verbessern: All das trägt dazu bei, von einer nach­haltigen Immobilie wirklich zu profitieren.

Der Artikel ist in unserem #DNP13 Magazin erschienen. Die gesamte Ausgabe finden Sie hier

Um unsere Webseite für Sie fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.