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Von den Köpfen in die Hände: Nachhaltiges Bauen auf dem Weg in die Breite

Es ist normal geworden, dass wir über Nachhaltigkeit reden. Doch so sehr die gedanklichen Grundlagen in den Köpfen auch angekommen sind, so hält DGNB-Präsident Prof. Alexander Rudolphi in diesem Artikel fest, dass die Methoden in der breiten Masse noch zu selten den Weg aus den Köpfen in die Hände gefunden haben.

2007 war ein wichtiges Jahr für die Nachhaltigkeit. Viele Initiativen nahmen damals ihren Ursprung, unter diesen die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, kurz DGNB. Schon damals war bekannt, dass Gebäude von erheblicher Bedeutung sind für den Klimawandel, den Ressourcen- und Trinkwasserverbrauch genauso wie für den Flächenverbrauch. Anders als heute gab es aber eine zersplitterte Landschaft von ökologischen, sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Anforderungen und Zielsetzungen. Die einen klagten über die zerstörten Tropenwälder, die anderen über ungesunde Wohn- und Arbeitsbedingungen, wieder andere über den Klimawandel.

10 Jahre DGNB: Nachhaltiges Bauen handhabbar gemacht

Diese Einzelanforderungen zu sammeln und zusammenzuführen, war die Aufgabe, die sich die DGNB vor einem Jahrzehnt selbst gesetzt hat. Ziel war es, ein ganzheitliches Instrument zu schaffen, bei dem die zwangsläufigen Zielkonflikte im Bauen bereits zu Beginn einer Planung bekannt, gewichtet und optimal gelöst werden können. Es ging darum zu beweisen, dass es möglich ist, über die Erstellung von Gebäuden hinaus die Rohstoffherkunft, die Nutzungsphase und die Nachnutzung einzubeziehen und zu einer Bewertung des gesamten Lebenszyklus zu kommen. Und es sollte gezeigt werden, dass dies alles wirtschaftlich und bezahlbar sein kann, in Übereinstimmung mit den europäischen und deutschen Regelwerken sowie mit hoher funktionaler und ästhetischer Qualität. 

All dies ist mit der Entwicklung des DGNB Zertifizierungssystems gelungen. Weit über 2.000 nachhaltige Gebäude und Quartiere aus aller Welt wurden bereits von der DGNB ausgezeichnet. Das Interesse genauso wie die Wertschätzung aus dem Ausland ist ungebrochen. Der Schlüssel für das Erreichen dieses hehren Ziels lag darin, dass die übergeordneten Ziele der Nachhaltigkeit für die Bewertung in den Vordergrund geschoben wurden. Nicht Einzeltaten zählen, sondern ihre funktionale Sinnhaftigkeit und ihr Zusammenspiel im Hinblick auf die gewünschten Wirkungen. Über welche Mittel und Wege dies erreicht wird, bleibt, soweit es geht, der Kompetenz und Kreativität der Architekten und Ingenieure überlassen.

Integraler Ansatz als Schlüssel

Ein Konzept, das bei all dem zum Tragen kommt, ist die integrale Planung, also die Zusammenarbeit aller am Bau Beteiligten bereits in einer frühen Planungsphase. Hier verursacht die Korrektur von grundlegenden Entscheidungen weit weniger Folgekosten als nachträglich getroffene Anpassungen. Dieser integrale Ansatz durchdringt die DGNB auf besondere Weise. So decken die rund 1.200 Mitgliedsunternehmen der Non-Profit-Organisation die gesamte Wertschöpfungskette im Bauen in einer Vollständigkeit und Breite ab, die in dieser Form einzigartig ist. Der so mögliche Überblick über das komplette Spektrum des Planens und Bauens ist unerlässlich dafür, dass ein Auseinanderfallen der verschiedenen Teilinteressen verhindert werden kann. Nur so war es der DGNB auch möglich zu zeigen, dass es sich lohnt, nicht in der Kontroverse oder in Alternativen stecken zu bleiben, sondern weiterzumachen, gemeinsame Lösungen zu finden und dadurch handlungsfähig zu werden.

Nachhaltig ist das neue Normal

Nach nun mehr zehn Jahren ist vieles von dem, was 2007 angestoßen wurde, in der Praxis verankert. Es ist normal geworden, dass wir über Nachhaltigkeit reden. Und es gibt die Werkzeuge, mit denen sich eine nachhaltigere Bauweise in der Praxis umsetzen lässt. Viele Fragen der Nachhaltigkeit wurden aus der Glaubens- und Ökonische geholt und planbar, berechenbar und prüfbar gemacht. Doch so sehr die gedanklichen Grundlagen in den Köpfen auch angekommen sind, so muss man auch festhalten, dass die Methoden in der breiten Masse noch zu selten den Weg aus den Köpfen in die Hände gefunden haben. Viel zu oft werden schlechte Gebäude nach wie vor mit moderner Technik vordergründig  geheilt. Indem dieses Bauen mit Mindeststandards über das Argument einer kurzfristigen Rendite und Verwertung gerechtfertigt und letztlich auch toleriert wird, missachten wir als Bauschaffende unsere Verantwortung für die Zukunft.

Die Zukunft des Bauens gilt es jetzt zu prägen

Unsere gemeinsame Aufgabe  für die nächsten zehn Jahre muss es sein, in den wichtigsten Punkten eine Selbstverständlichkeit zu erreichen. Es muss zur Routine werden, auch Einzelentscheidungen „mal eben“ auf ihre Umweltwirkungen, ihre wirklichen Lebenszykluskosten, auf ihre Nutzbarkeit und ihre Effektivität hin zu überprüfen. Und das nicht nur, um unseren Anteil zur Erreichung der Klimaschutzziele zu erfüllen, sondern auch um ein lebenswertes Umfeld mit hohem Wohn- und Arbeitskomfort zu schaffen. Wir müssen zeigen, dass die Nutzung nicht erneuerbarer Ressourcen kontinuierlich gesenkt werden kann und durch das Design der Bauprodukte und Materialien eine hochwertige Rückführung in den Wirtschaftskreislauf möglich ist. Die Fülle an Lösungsmöglichkeiten ist hier bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Statt Wege vorzuschreiben, gilt es, Ergebnisse einzufordern – auch politisch. Das ist besonders wichtig, wenn wir uns verdeutlichen, dass wir bei allem Fortschritt in puncto Qualität, Dauerhaftigkeit und Effizienz in den letzten 20 Jahren, eigentlich nichts gewonnen haben, wenn wir vergleichen, wieviel mehr Flächenbedarf wir heute pro Person haben. Hier müssen wir gesellschaftlich wie sozial ansetzen und eine Suffizienz-Debatte führen, bei der es nicht um Verzicht geht, sondern um das Ziel, aus weniger mehr zu machen. Dabei sind alle Ingenieure und Planer gefordert – mit der Schaffung von funktional hochwertigen, behaglichen Wohn- und Arbeitsräumen mit minimalem Betriebskosten, Flächen- und Rohstoffbedarf. Eine Zukunft des Bauens, in der Kopf und Hand das Thema Nachhaltigkeit in gleichem Maße verinnerlicht haben.
 

Der Artikel erschien am 8. Dezember 2017 im Magazin des Deutschen Nachhaltigkeitspreises.

Noch bis zum 8. Juni 2018 können sich Bauherren, Architekten oder Nutzer mit ihren Neu- und Bestandsbauten unter www.preis-nachhaltiges-bauen.de für den DGNB Preis „Nachhaltiges Bauen“ bewerben.

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