News.

Aktuelles über den DNP.

News und Berichte

News vom

Zirkuläre Wertschöpfung – unterschätzte Potenziale für Kommunen.

Menschen, die sich vor dem Oslo Opera Haus in Norwegen versammeln

Fotocredit: @oliver_photographer / unsplash.com

Man könnte vermuten, das Konzept der zirkulären Wertschöpfung sei nur ein neuer, weiterer Trend der Stadtentwicklung. In Wirklichkeit jedoch birgt der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zahlreiche Chancen, um langfristig stabile wirtschaftliche, soziale und umwelttechnische Vorteile in Kommunen zu schaffen.

Zirkuläre Wertschöpfung, Kreislaufwirtschaft, Cradle to Cradle. Drei Konzepte, die – von Akzentuierungen abgesehen – im Grunde alle denselben Paradigmenwechsel beschreiben: Die Abkehr von der klassischen linearen Ökonomie (herstellen, verwenden, entsorgen) hin zu einem Modell, das restaurativ und regenerativ angelegt ist. Das klassische „End-of-Life-Konzept“ wird durch das Prinzip der Wiederherstellung, eine zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien, den Verzicht auf den Einsatz giftiger Chemikalien, die die Wiederverwendung und Rückführung in die Biosphäre beeinträchtigen, ersetzt. Im Kern zielt die Kreislaufwirtschaft auf die Beseitigung von Abfällen durch einen verbesserten Einsatz von Materialien, Produkten, Systemen und Geschäftsmodellen ab.

Konsequent zu Ende gedacht reden wir von einer Wertschöpfungsform, die eine Entkopplung des Wirtschaftswachstums von der Ressourcenentnahme ermöglicht und damit Wirtschaftswachstum in einen positiven Zusammenhang mit dem Schutz der Umwelt und von natürlichen Ressourcen bringt.

Die „R-Prinzipien“

Die Grundidee, Ressourcen so lange wie möglich im Einsatz zu halten und dabei den größtmöglichen Nutzen erfahrbar zu machen sowie am Ende jeder Nutzungsdauer Produkte und Materialien zurückzugewinnen und zu regenerieren, lässt sich mit einer Reihe von „R‘s“ umschreiben:

  • Rethink: Umdenken
  • Redesign: Neu- oder Umgestaltung
  • Repurpose, Reuse and Share: Wiederverwendung, gemeinschaftliche Nutzung
  • Repair
  • Remanufacture: Wiederaufbereitung
  • Recycle
  • Recover: Wiedergewinnung

Verankerung in den SDGs

Die Kreislaufwirtschaft ist in den 17 Nachhaltigkeitszielen (SDGs) der Vereinten Nationen, der Agenda 2030, verankert. Querschnittsziel 12 fordert zu nachhaltigem Konsum und nachhaltigen Produktionsmustern auf. Zudem lässt sich die Kreislaufwirtschaft einer ganzen Reihe weiterer Nachhaltigkeitsziele zuordnen, da sie zum Erreichen dieser Ziele einen signifikanten Beitrag leisten kann. Hierzu gehören zum Beispiel Ziel 6 (Sauberes Wasser), Ziel 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden), Ziel 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) sowie Ziel 15 (Leben an Land).

Was heißt das auf Kommunen übertragen? Wie können sie den Übergang zur „Kreislaufstadt“ gestalten? Grundsätzlich gilt auch in diesem Fall: „One size fits all“ gibt es nicht. Was in Amsterdam, Haarlemmermeer, Kopenhagen oder Paris sinnvoll ist, muss nicht notwendigerweise auf eine deutsche Kommune zutreffen. Aber lohnend ist der Blick ins (europäische) Ausland allemal.

Die Vision

Grundsätzlich möchte man eine kreislauforientierte Stadt so gestalten, um

  • ein regeneratives, allgemein zugängliches und ergiebiges urbanes System zu schaffen,
  • welches Wohlstand fördert, indem es die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger erhöht und
  • die Resilienz der Stadt verbessert sowie gleichzeitig
  • die Wertschöpfung vom Verbrauch endlicher Ressourcen entkoppelt.

Kein leichtes Unterfangen. Aber die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft lassen sich in zahlreichen nachhaltigkeitsrelevanten Bereichen einer Kommune verankern.

Ansatzpunkte für eine Kreislaufstadt

Im Bereich Bauen geht es um modulare und flexible Gestaltung sowie die Nutzung gesunder Materialien, welche die Lebensqualität der Bewohner verbessern und den Einsatz neuwertiger Ressourcen minimiert. Die Energiesysteme bauen auf lokale, erneuerbare Energien, senken Kosten und erzeugen positive Auswirkungen auf die Umwelt. Das Mobilitätssystem ist leicht zugänglich, erschwinglich und zeichnet sich durch eine multimodale Mobilitätsstruktur aus. On-Demand-Autos als flexible Last-Mile-Lösung sind fester Bestandteil. Die urbane Bioökonomie führt die Nährstoffe in geeigneter Weise in den Boden zurück und Lebensmittelabfälle werden minimiert. Die Produktionssysteme fördern konsequent die Schaffung lokaler Wertschöpfungsketten.

Beispiele

In Kopenhagen haben breite, gut ausgebaute Radwege und eine vorbildliche Radinfrastruktur dafür gesorgt, dass die Hälfte aller Fahrten innerhalb der Stadt mit dem Fahrrad erledigt werden. Oslo hat Privatfahrzeuge in der Innenstadt ganz verboten, was mehr Platz für Fußgänger und das Stadtleben geschaffen hat. Oslos neue Hauptallee bietet Platz für Fahrräder und Straßenbahnen, 10.000 Quadratmeter an neuen Gehwegen und 600 Bäume für die neue Innenstadt.

Auch in Sachen Bioökonomie kann sich Oslo sehen lassen: Basierend auf einem ausgeklügelten System der Abfalltrennung verwandelt die Stadt organische Abfälle in Biodünger und Biogas. Letzteres wird in den städtischen Müllwagen sowie in den Bussen des öffentlichen Verkehrs eingesetzt. Das Nebenprodukt der Biogasproduktion wird als Biodünger an die Landwirte weitergegeben.

2015 beauftragte Amsterdam die weltweit erste stadtweite Wirtschaftserhebung „Amsterdam Circular“, um sich einen Überblick über die wichtigsten Stoffströme zu verschaffen und die Vorteile einer werthaltigeren Nutzung der Materialien zu verstehen. Eine „Roadmap for Circular Buildings“ sowie der „Sharing Economy Action Plan“ komplettieren das Engagement in Sachen zirkuläre Wertschöpfung.

Autor: Oliver Haubner, Senior Project Manager, Bertelsmann Stiftung
Dieser Artikel erschien am 22. November 2019 im Magazin des Deutschen Nachhaltigkeitspreises.

Sie haben Interesse am Deutschen Nachhaltigkeitspreis teilzunehmen? Dann registrieren Sie sich für unseren Newsletter, um über den Start des diesjährigen Wettbewerbs informiert zu werden.

Um unsere Webseite für Sie fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.