Ehrenpreisträgerbegründung

Prof. Dr. Johan Rockström

Prof. Dr. Johan Rockström erhält den Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für seine bahnbrechende Forschung, die das Verständnis von Nachhaltigkeit und planetarer Verantwortung weltweit verändert hat.

Der 1965 in Schweden geborene Agrarwissenschaftler, Erdsystemforscher und Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zählt zu den einflussreichsten Wissenschaftlern unserer Zeit. Mit der Entwicklung des Modells der planetaren Grenzen (Planetary Boundaries Framework) hat er der Welt ein wissenschaftliches Koordinatensystem gegeben, das messbar beschreibt, wie viel Belastung das Erdsystem verkraften kann, bevor zentrale Prozesse kippen.

Diese neun Grenzen – von Klima und Biodiversität über Süßwasser, Ozeane und Landnutzung bis zu chemischer Verschmutzung – markieren den „sicheren Handlungsraum der Menschheit“. Rockströms Forschung verbindet Naturwissenschaften, Systemtheorie und Politikforschung und bildet heute die Grundlage für zahlreiche internationale Strategien – von UN-Berichten über EU-Gesetzgebung bis zu Nachhaltigkeitszielen von Unternehmen und Regierungen.

Als Gründer des Stockholm Resilience Centre und heutiger Leiter des PIK hat er eine Forschungskultur geprägt, die Grenzen nicht als Hemmnis, sondern als Voraussetzung für Freiheit begreift. Seine Arbeiten liefern die wissenschaftliche Basis für das 1,5-Grad-Ziel und für viele Indikatoren der globalen Nachhaltigkeitspolitik.

Rockström berät Regierungen, internationale Organisationen und Unternehmen in Fragen der Klimapolitik, ist Ko-Vorsitzender der Earth Commission, Mitglied des Club of Rome und Mitautor zentraler IPCC-Berichte. Er steht für eine Wissenschaft, die Orientierung bietet – faktenbasiert, mutig und menschlich zugleich. In Dokumentationen wie Breaking Boundaries (Netflix, 2021, mit Sir David Attenborough) gelingt es ihm, komplexe Erkenntnisse in eine klare, verständliche Sprache zu übersetzen – ohne Alarmismus, aber mit Dringlichkeit.

Johan Rockström zeigt, dass die Zukunft nicht verhandelbar ist, sondern berechenbar. Seine Arbeit ist ein Fundament für jene, die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf einen nachhaltigen Kurs führen wollen.

Gemeinsam mit Maja Göpel und Mojib Latif, die ebenfalls mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet werden, verkörpert Rockström die drei Dimensionen wissenschaftlicher Verantwortung: die Analyse der planetaren Systeme, das Verstehen gesellschaftlicher Transformation und die Vermittlung der physikalischen Realität des Klimas. Sie stehen gemeinsam für eine Wissenschaft, die erklärt, verbindet – und den Weg in eine nachhaltige Moderne weist.