Ehrenpreisträgerbegründung

Prof. Dr. Mojib Latif

Mojib Latif erhält den Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für seine herausragende wissenschaftliche Arbeit zur Klimadynamik der Ozeane und seine einzigartige Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse mit Glaubwürdigkeit, Klarheit und menschlicher Wärme in die Gesellschaft zu tragen.

Prof. Dr. Mojib Latif (* 29. September 1954 in Hamburg) ist einer der international bedeutendsten Klimaforscher Deutschlands. Als Meteorologe und Ozeanograph hat er über Jahrzehnte dazu beigetragen, das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Ozeanen, Atmosphäre und Klima zu vertiefen. Seine Arbeiten über dekadische Klimaschwankungen, Meeresströmungen und den Einfluss menschlicher Emissionen auf ozeanische Systeme haben wesentlich dazu beigetragen, die Klimaforschung auf eine breitere empirische Grundlage zu stellen und Prognosemodelle entscheidend zu verfeinern.

Latif ist seit 2003 Professor am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR), wo er die Abteilung „Maritime Meteorologie“ leitet. Er ist Mitautor mehrerer IPCC-Berichte und gehört zu den führenden Stimmen einer Wissenschaft, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist. Seine Forschung hat gezeigt, dass Klima kein statisches System ist, sondern ein dynamisches Zusammenspiel aus natürlichen Rhythmen und menschlichem Einfluss – und dass gerade in dieser Komplexität Hoffnung liegt: weil Handeln möglich bleibt.

Neben seiner wissenschaftlichen Exzellenz verkörpert Mojib Latif eine seltene Tugend in der Kommunikation: Er erklärt, ohne zu vereinfachen; warnt, ohne zu polarisieren; mahnt, ohne zu moralisieren. Millionen Menschen kennen seine ruhige Stimme aus Fernsehdokumentationen, Vorträgen und Büchern wie Heißzeit oder Countdown. Er ist eine moralisch wie intellektuell verlässliche Instanz in einer Debatte, die zu oft von Alarmismus oder Relativierung geprägt ist.

Mojib Latif erhält den Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, weil er Wissenschaft zu einem öffentlichen Gut gemacht hat. Sein Werk steht für Aufklärung im besten Sinne: für die Verbindung von Wissen und Verantwortung. In der gemeinsamen Auszeichnung mit Maja Göpel und Johan Rockström wird sichtbar, wie sich drei Perspektiven zu einem Ganzen fügen – Natur, Klima und Gesellschaft. Rockström beschreibt die planetaren Grenzen, Latif erklärt die physikalischen Prozesse, Göpel deutet die kulturelle und ökonomische Transformation. Gemeinsam bilden sie den Dreiklang einer Wissenschaft, die Orientierung stiftet in einer Zeit des Umbruchs.