Methodik.

Deutscher Nachhaltigkeitspreis
Unternehmen 2024

KI-gestützte Recherchen, 100 Branchen und Expertenjurys, ein eigenes Scoring-System und ein zweistufiger Wettbewerb auf der Suche nach den Vorreitern der Transformation in der deutschen Wirtschaft. Das ist der DNP für Unternehmen im Detail.

Aus der Spitze für die Breite.

Die Herausforderungen von Klimawandel, Ressourcenmangel und Artschwund verschärfen sich. Parallel wachsen die Kompetenzen der nachhaltigen Wirtschaft in Deutschland. Vorreiter zeigen längst, welche Lösungen funktionieren und wie praktische Transformation gelingt. Jetzt geht es darum, in der Breite einen Unterschied zu machen. Diese Phase der Transformation bietet neue und strukturell andere Herausforderungen als die vorherige.

Hier setzt die neue Methodik des DNP für Unternehmen an, die gemeinsam mit den Assessmentpartnern PwC Deutschland und dem Centre for Sustainable Management (CSM) der Leuphana Universität Lüneburg umgesetzt wird. Die Recherchen trägt das Berliner Start-up score4more bei.

Vorreiter.

Der neue DNP soll in allen Branchen Unternehmen identifizieren, die sich erfolgreich auf den langen, komplexen Weg zur Nachhaltigkeit gemacht haben. Niemand ist am Ziel, die Branchen sind unterschiedlich weit fortgeschritten. Daher vermeidet der DNP Superlative wie „die Nachhaltigsten“ mit kaum einlösbaren Absolutheitsversprechen. Der Begriff "Vorreiter“ ist dichter an der Methodik, die einstuft, welches Unternehmen in welchem Bereich mit welchen Themen die Transformation in seiner Branche beispielhaft befördert. Das soll nicht heißen, dass jedes von ihnen zu jeder Zeit unter jedem Blickwinkel alles richtig macht oder gemacht hat. Oder schon auf den ersten Blick zu den „Guten“ gehört“.

Wir identifizieren besonders wirksame Lösungen, wichtige Player, innovative Beiträge und vorbildliche Entwicklungen – wo immer möglich – quantitativ. Anschließend setzen wir auf ein breites Spektrum erfahrener Stakeholder. Sie bringen in den Jurys ihr Wissen und ihre unterschiedlichen Sichtweisen, aber auch Kritikfreude und Mut ein, um Vorreiter zu benennen, deren transformativen Lösungen für andere als Vorbild dienen können. Sei es, dass sie schon „grün“ gegründet wurden, umfassend umgesteuert haben oder noch im Traditionellen verhaftet aufgrund ihrer schieren Marktmacht (und trotz problematischer Geschäftsmodelle) mit Nachhaltigkeitsleistungen positive Wirkung erzielen. Hier spiegelt die Jury erkennbar die Spannungsfelder der Nachhaltigkeitsdebatte.

100 Branchen.

Wesentliche Nachhaltigkeitsthemen sind branchenspezifisch. Die Unterteilung in Sektoren und Branchen ermöglicht eine strukturierte Analyse der jeweiligen Vorreiterunternehmen. Der DNP hat die Einteilung an den Wirtschaftszweigklassifikationen ISIC (International Standard Industrial Classification), WZ (Klassifikation der Wirtschaftszweige) sowie NACE (Statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft) orientiert, die u.a. auch in der EU-Regulierung CSRD, EU-Taxonomie oder beim Deutschen Nachhaltigkeitskodex angewendet wird.

Dies sind die 20 Sektoren und dahinter die dazugehörigen Branchen:

Bewerbung und Recherche.

Unternehmen aller Branchen und Unternehmensgrößen (außer den Gewinnern des Unternehmenspreises in den letzten drei Jahren) können sich weiterhin bewerben. Damit bleibt der Wettbewerb offen für alle Unternehmen.

Daneben findet eine umfassende, durch KI-unterstützte Recherche über das Internet öffentlich verfügbarer Nachhaltigkeitsdaten statt, wie sie in Nachhaltigkeitsberichten, Erklärungen zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex oder auf Unternehmenswebseiten mittlerweile von vielen Unternehmen publiziert werden. Gewinner der vergangenen drei Jahre finden in der Recherche für den DNP keine Berücksichtigung. Die Prozesse werden wissenschaftlich begleitet; die Qualitätssicherung wird händisch vorgenommen. Mit diesem Ansatz zielt der DNP auf eine skalierbare, transparente Datengrundlage.

Der Recherchepartner score4more hat sich auf das Erstellen differenzierter Nachhaltigkeitsprofile von Unternehmen und deren Bewertung spezialisiert. Das Berliner Start-up stellt seit 2023 die digitale Architektur für die Recherche über alle Sektoren und Branchen und die daraus hervorgehenden Unternehmensprofile zur Verfügung. Unternehmen jeder Größe können kostenfrei ihre Profile erstellen und so diese Plattform zur Bewerbung um den DNP nutzen.

Die Grundgesamtheit der recherchierten Unternehmen folgt diesen Kriterien:

  • Unternehmen aus den 100 definierten Branchen (inklusive kommunale und öffentliche Unternehmen, Sozialunternehmen und sonstige unternehmerisch tätige Organisationen; exklusive öffentliche Verwaltung, hoheitliche Organisationen, Branchen-/Interessenverbände und NGOs)
  • Geschäftstätigkeit und Sitz in Deutschland (d.h. ansässig mit Hauptsitz in Deutschland oder – bei Hauptsitz im Ausland – geschäftstätig mit Sitz in Deutschland)
  • Mindestgröße ab 250 Mitarbeitende in Deutschland (orientiert an EU-Größendefinitionen für die CSRD) und/oder bei Nachhaltigkeit sichtbar  (z.B. über renommierte Rankings, Ratings, Auszeichnungen, Mitgliedschaften oder Medienberichterstattung bzw. als Markt-/Innovationsführer oder Hidden Champions)
  • veröffentlichte Nachhaltigkeitsleistungen innerhalb der letzten 3 Jahre  (für 2024: 2021, 2022, 2023 – orientiert an anerkannten Standards ESRS, GRI, DNK etc.; Websites als Quelle: 2023)

Um zusätzlich die Fachexpertise und Branchenkenntnis der Jury zu nutzen, haben die Jurymitglieder unter engen Voraussetzungen ein Wildcard-Vorschlagsrecht. Dies gilt nur für Unternehmen, mit denen sie nicht in einem Interessenkonflikt stehen. In der Nominierungsrunde dürfen nur die jeweils anderen Jurymitglieder über vorgeschlagene Unternehmen abstimmen.

Nachhaltigkeitsprofile.

Die Nachhaltigkeitsprofile, mit denen sich Unternehmen bewerben und anhand derer die Jury die Finalisten und Sieger auswählt, spiegeln im Sinne der Methodik des DNP die Orientierung an den wichtigsten Transformationsfeldern wider. Diese Felder leiten sich aus der Agenda 2030 der Vereinten Nationen sowie aus den Zielen des EU Green Deals und der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ab.

Sie bilden in den Subthemen zudem die Anforderung der EU-Taxonomie sowie der neuen EU Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) bzw. dem korrespondierenden European Sustainability Reporting Standard (ESRS) als neuem Europäischem Berichtsstandard ab.

Die Transformationsfelder mit ESRS-Themen sind (orientiert an ESRS mit ESRS ID)

  • Klima (insb. Klimaschutz und Klimaanpassung; E1),
  • Ressourcen (insb. Kreislaufwirtschaft und Wasser; E5/E3),
  • Natur (insb. Schadstoffe und Biodiversität; E2/E4),
  • Wertschöpfungskette (insb. Mitarbeitende und Lieferkette; S1/S2) und
  • Gesellschaft (insb. Gemeinschaften und Konsumenten; S3/S4).

Die Profile sind branchenspezifisch angelegt und bilden wesentliche Nachhaltigkeitsfragestellungen für die betreffende Branche ab. Das Profil umfasst

  • Branchenklassifikation Sektor und Branche nach DNP
  • Unternehmensdaten / Größengeschäftsdaten / Gründungsjahr
  • Kontaktperson(en) / Bewerbung
  • URL-Link(s) zu bis zu zwei Quellen (Bericht / veröffentlichte Nachhaltigkeitsleistungen)

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  • Abstract zur Nachhaltigkeitsstory des Unternehmens
  • Drei Nachhaltigkeitshighlights (Mut zum Wandel/größtes Risiko; Transformation im Unternehmen/größte Bedeutung nach innen; Impact für Kunden/größte Wirkung nach außen)
  • 1. Transformationsfeld (höchste Wesentlichkeit in der Branche; vier Kriterien bezogen auf Maßnahmen und Lösungen)
  • 2. Transformationsfeld (Wesentlichkeit in der Branche; ein Kriterium zu Maßnahmen und Lösungen)
  • 3. Transformationsfeld (Wesentlichkeit in der Branche; ein Kriterium zu Maßnahmen und Lösungen)
  • Ein Indikator CO2e-Emissionen der letzten 3 Jahre (nach Scope 1, 2 und 3)
  • Weitere Maßnahmen/Lösungen des Unternehmens
  • Mögliche Kontroversen des Unternehmens in den letzten 5 Jahren
  • Upload-Möglichkeit für Zusatzinformationen

Eigens entwickeltes Scoring-System.

Das Scoring-System von score4more ermittelt auf Basis der Profile die Unternehmen mit besonders wirksamen, erfolgreichen, innovativen, vorbildlichen Beiträgen zur Transformation, die Vorreiter jeder Branche. Die Daten des Profils werden entlang einer 6-stufigen Methodik in Analogie zum Hotel-Sternesystem eingeordnet. Diese Scoring-Stufen werden bei allen Kriterien im Nachhaltigkeitsprofil angewendet und sind individuell je Kriterium definiert.

Aus den Einzel-Scores ergibt sich das Durchschnitts-Scoring des Unternehmens. Mögliche Kontroversen geben die Unternehmen selbst im Rahmen der DNP-Zusatzinformationen im Profil an. Auf diese Weise erhalten die Unternehmen die Möglichkeit, offen und transparent mit Kontroversen gegenüber der Jury umzugehen.

Die 6 Scoring-Stufen sind

5 = führend
Hoher Impact über Lösungen UND interne Nachhaltigkeit als Unternehmen 
4 = weit fortgeschritten
Hohe interne Nachhaltigkeit als Unternehmen ODER hoher Impact über Lösungen
3 = auf dem Weg
Fortgeschritten bei interner Nachhaltigkeit UND/ODER bei Lösungen 
2 = beginnend
Beginnend bei interner Nachhaltigkeit UND/ODER erste Lösungen 
1 = Standard
Gesetzlicher und/oder Industrie-Standard 
0 = inaktiv
 “rote Ampel” bei interner Nachhaltigkeit UND/ODER Lösungen

Recherchierte und durch die Unternehmen selbst angelegte Profile werden in der Auswertung gleichbehandelt.

Fachjurys für alle Branchen.

Die Vorreiter/Nominierten, Finalisten und Sieger werden in jeder Branche von einer Fachjury ausgewählt. Die Jurymitglieder sind unabhängig und keinerlei Partikularinteressen verpflichtet. Jede Fachjury besteht aus ca. fünf Expert:innen aus den Bereichen

  • Branchenpraxis,
  • Verbände,
  • Zivilgesellschaft,
  • Unternehmensberatung und
  • Forschung.

Die Juroren sind unabhängig und keinerlei Partikularinteressen verpflichtet. Die Jurywertung in jeder Branche erfolgt in einem zweistufigen Prozess. Beim ersten Voting geht es um die Ermittlung der Vorreiter. Die Nominierten werden über ihren Erfolg informiert und können ihr Profil aktualisieren bzw. ergänzen. Anschließend trifft die Branchenjury beim zweiten Voting auf dieser (neuen) Basis die Entscheidung über das Spitzenfeld. Die Arbeit der Fachjurys schließt mit den jeweils Top3 (Finalisten) und einem Sieger in 100 Branchen ab.

Liste aller Mitglieder der Fachjurys

Umgang mit Interessenkonflikte

Vorbilder der Transformation.

Neben den Vorreitern in 100 Branchen zeichnet der DNP sektorübergreifend jene Unternehmen aus, die besonders wichtige und vorbildliche Beiträge in den wesentlichen Transformationsfeldern geleistet haben. Die Assessmentpartner von PwC Deutschland und CSM Lüneburg betrachten dazu nur noch die Sieger in den 100 Branchen.

Jedes der 100 Unternehmen ist dem für seine Branche relevantesten Transformationsfeld zugeordnet: Klima, Ressourcen, Natur, Gesellschaft oder Wertschöpfungskette; in diesem Feld kann der zusätzliche DNP zuerkannt werden. Die Entscheidung über die Sieger in jedem Transformationsfeld trifft die interdisziplinär besetzte Fachjury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für Unternehmen. Sie unterscheidet sich von den Fachjurys.

Juryentscheidung.

Die Entscheidung über die Sieger in jedem Transformationsfeld trifft die interdisziplinär besetzte Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für Unternehmen. Sie unterscheidet sich von den Fachjurys. Das ca. 16 Personen umfassende Gremium wird gemäß der Satzung des DNP jährlich in Abstimmung mit dem Kuratorium berufen, das neben der persönlichen und fachlichen Eignung des einzelnen Jurors/der einzelnen Jurorin eine ausgewogene Repräsentation unterschiedlicher Stakeholderinteressen in der gesamten Jury berücksichtigt.

Die Regeln für die Juryarbeit in Fachjurys und der Unternehmensjury sind grundsätzlich identisch. Die Jurywertung in jedem Transformationsfeld erfolgt in einem mehrstufigen Prozess. Die Jury entscheidet mit einfacher Mehrheit in geheimer Abstimmung. Sie wählt in jedem Transformationsfeld die Finalisten und den Sieger aus, die über ihr gutes Abschneiden informiert und zur Preisverleihung eingeladen werden. Die Sieger werden erst bei der Verleihung des 17. Deutschen Nachhaltigkeitspreises am 28.11.2024 in Düsseldorf bekanntgegeben.

Recherchepartner score4more.

Recherchepartner des DNP für Unternehmen ist das Berliner Startup score4more. Es hat sich auf das Erstellen differenzierter Nachhaltigkeitsprofile von Unternehmen und deren Bewertung spezialisiert, nachdem die Gründer den DNP zuvor über zehn Jahre begleitet und maßgeblich zur methodischen Fortentwicklung des Unternehmenswettbewerbes beigetragen haben. score4more stellt ab 2023 die digitale Architektur für die Recherche über alle Sektoren und Branchen und die daraus hervorgehenden Unternehmensprofile zur Verfügung.

Unternehmen jeder Größe, ob berichtspflichtig oder nicht, können kostenfrei ihre Profile erstellen und so die Plattform zur Bewerbung um den DNP nutzen. score4more hat auch den branchenspezifischen Scoring-Ansatz entwickelt, der Vergleich- und Bewertbarkeit der Unternehmen ermöglicht. Der DNP nutzt die technologische Plattform von score4more, um im Wettbewerb Tausende von Unternehmen, Maßnahmen und Kennzahlenwerte abzubilden, auszuwerten und über transparente Juryprozesse die Vorreiter der Nachhaltigkeit in Deutschland zu ermitteln.

Zur Website von score4more

Transparenzhinweis.

Die Erstellung des Nachhaltigkeitsprofils bei bzw. durch score4more erfolgt für die teilnehmenden und recherchierten Unternehmen kostenlos. Es fallen keine Teilnahmegebühren an. Die Stiftung DNP honoriert score4more für alle Leistungen rund um den DNP: Recherchen, Erstellung von Kurzprofilen (sog. „Basisprofilen“) zu recherchierten Unternehmen und Bereitstellung der Plattform für Bewerbungen durch aktives Anlegen von Profilen, Scorings, Zusatzrecherchen zu Medienberichten, Übermittlung der Daten zur Durchführung der Juryarbeit.

Diese Leistungen sind Teil des Geschäftsmodells von score4more. Das Leistungsspektrum von score4more mit Blick auf öffentlich verfügbare und von Unternehmen aktiv zur Verfügung gestellte Daten geht jedoch darüber hinaus. Unternehmen können z.B. umfangreichere, über das „Basisprofil“ hinausgehende Profile zu sich selbst anlegen, damit potenziellen Kunden mehr Informationen

anbieten und/oder das eigene Reporting erleichtern. Sie können Profile von anderen Unternehmen (z.B. zu Wettbewerbsanalysen oder Angebotsvergleichen) anfordern. Für diese Leistungen fallen auf der Website von score4more detailliert ausgewiesene Kosten an.

Score4more verpflichtet sich als Recherchepartner dem DNP gegenüber zu Unabhängigkeit und Neutralität. Die kostenpflichtige Erstellung eines umfangreicheren Profils oder die Inanspruchnahme weiterer Leistungen von score4more beeinflusst die Erstellung des Nachhaltigkeitsprofils, das Scoring oder weitere Recherchen für den DNP in keiner Weise. Score4more verpflichtet sich, auch den Anschein von Interessenkollisionen durch Offenlegung jeglicher geschäftlichen Verbindungen mit Unternehmen, die als Nominierte/Finalisten des Wettbewerbs in Betracht kommen, zu vermeiden. In diesen Fällen werden Profil und Scoring einer Überprüfung durch das Centre for Sustainable Management der Universität Leuphana unterzogen.