Unter den diesjährigen Nominierten für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur finden sich vielfältige Projekte aus Neu- und Bestandsbauten mit unterschiedlichsten Nutzungsarten. Neun herausragende Beispiele nachhaltiger Baukunst stehen weiterhin im Rennen um die begehrte Auszeichnung.

Nachhaltigkeit bedeutet, Verantwortung für Menschen, Ressourcen und kommende Generationen zu übernehmen. Kaum eine öffentliche Einrichtung verbindet diesen Anspruch so unmittelbar mit gesellschaftlicher Daseinsvorsorge wie eine Feuerwache: Sie schützt Leben, stärkt die Resilienz von Kommunen, fördert das Ehrenamt und muss zugleich wirtschaftlich, langlebig und an zukünftige Anforderungen anpassbar sein.
Mit dem Neubau der Feuerwache Kaiserswerth gelingt ein beispielhafter Beitrag dazu. Das Gebäude zeigt eindrucksvoll, dass anspruchsvolle Einsatzarchitektur, höchste Funktionalität und konsequente Nachhaltigkeit keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig ergänzen.
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Die Josef-Schwarz-Schule in Heilbronn zeigt beispielhaft, wie nachhaltiger Bildungsbau ökologische, soziale und wirtschaftliche Verantwortung mit herausragender Architektur verbindet. Im Modellquartier Neckarbogen entstanden, entwickelt sie eine zukunftsweisende Antwort auf die Herausforderungen dichter innerstädtischer Standorte: Durch das konsequente Stapeln von Funktionen entstehen auf begrenzter Fläche großzügige, qualitätsvolle Lern- und Aufenthaltsbereiche. So wird wertvoller Stadtraum effizient genutzt, ohne auf Freiraum, Aufenthaltsqualität oder pädagogische Qualität zu verzichten.
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Wie nachhaltiges Bauen ganzheitlich gelingen kann, zeigt das gemeinschaftliche Wohnprojekt K10 im Leipziger Westen. Das Projekt verbindet ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit mit einem konsequenten Low-Tech-Ansatz. Leitgedanke ist das Zusammenspiel von Suffizienz, Resilienz, Gemeinschaft und Kreislaufwirtschaft.
Auf einer brachliegenden Fläche entstand auf erhaltenen Kellerresten ein kompaktes KfW-Effizienzhaus 55. So konnte eine zusätzliche Flächenversiegelung vermieden werden. Das Gebäude wurde überwiegend in ressourcenschonender Holzbauweise errichtet und mit einem langlebigen, anpassungsfähigen Bausystem realisiert. Kreislaufgerechte Materialien und eine robuste Low-Tech-Gebäudetechnik minimieren den Energie- und Wartungsaufwand und schaffen gute Voraussetzungen für eine langfristige Klimaanpassung.
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Mit dem „Haus (fast) ohne Heizung“ widmet sich die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Ingolstadt gemeinsam mit Neuburger, Bohnert und Müller Architekten einer der gesellschaftlich relevantesten Bauaufgaben: der Schaffung von klimagerechtem, attraktivem und bezahlbarem Mietwohnraum.
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Wie sieht ein Low-Tech-Bürogebäude aus, das auf einem modularen Holzbausystem basiert und architektonische Qualität mit hoher Aufenthaltsqualität, Flexibilität, geringen Emissionen in der Konstruktion und einem klimaneutralen Gebäudebetrieb verbindet? Das Projekt ZERO. der S111 GmbH, geplant in Zusammenarbeit mit Riehle Koeth Architekten, liefert darauf in Stuttgart eine beispielhafte Antwort. Auf einem ehemaligen Werksgelände entstand ein fünfgeschossiges Bürogebäude aus vorgefertigten Holzmodulen. Ein interdisziplinäres Projektteam montierte dafür nahezu 300 Raummodule zu einem flexiblen und ressourcenschonenden Gebäudekonzept. Die serielle Vorfertigung ermöglichte eine kurze Bauzeit, hohe Ausführungsqualität und einen weitgehend emissions- und staubarmen Bauablauf.
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Der Umbau des Kultur- und Kommunikationszentrums naTo in Leipzig zeigt beispielhaft, wie sich ein bestehendes Kulturgebäude durch die konsequente Weiterverwendung vorhandener Ressourcen zukunftsfähig transformieren lässt. Anstatt den Bestand als Einschränkung zu begreifen, entwickelt das Büro SUMMACUMFEMMER aus den räumlichen und materiellen Qualitäten des Gebäudes eine überzeugende Strategie des Weiterbauens. Das Projekt verdeutlicht, dass nachhaltige Architektur nicht primär im Einsatz neuer Technologien liegt, sondern im intelligenten und kreativen Umgang mit dem Vorhandenen.
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Der Moabiter Kinderhof in Berlin zeigt eindrucksvoll, welchen wertvollen Beitrag auch ein kleineres Projekt zur sozialen Nachhaltigkeit eines Quartiers leisten kann. Die Architektur eröffnet durch differenzierte Innen- und Außenräume vielfältige Nutzungsmöglichkeiten für Begegnung, Spiel, Sport und Rückzug. Die Räumlichkeiten stehen neben Kindern und Jugendlichen auch anderen Gruppen aus der Nachbarschaft zur Verfügung und stärken so den sozialen Zusammenhalt. Bereits in der Planungsphase wurden diese Nutzungsszenarien im Rahmen eines umfassenden partizipativen Beteiligungsprozesses gemeinschaftlich entwickelt. Die prägende Holztragstruktur aus vorgefertigten Regalmodulen bildet hierfür den räumlichen Rahmen.
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Ein respektvoller und nachhaltiger Umgang mit denkmalgeschützter Bausubstanz in ländlichen, strukturschwachen Gebieten erfordert nicht nur eine angemessene bautechnische und energetische Konzeption und Umsetzung, sondern auch dessen behutsame Weiterentwicklung und Überführung in eine zeitgemäße, wirtschaftlich darstellbare Nutzung. Bei dem Verwalterinnenhaus der Komturei Werben ist es vorbildhaft gelungen, Ökologie, Ökonomie und soziale Aspekte durch partizipative Prozesse, sorgfältige, auf den Bestand abgestimmte Planung und qualitätvolle Umsetzung gleichermaßen gerecht zu werden.
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Nach fast 100 Jahren Nutzungszeit hat der 1927 genossenschaftlich erbaute „Gelbe Block“ am Georg-Freundorfer-Platz in München seine Nachhaltigkeit bereits mehr als bewiesen. Dass er jetzt unter Wahrung der grauen Energie durch eine energetische Sanierung ein zweites Leben angeht, ist in einer durch Ersatzneubau geprägten Großstadtpraxis bereits erwähnenswert. Dass er darüber hinaus aber das nominell häufig gegebene Aufstockungspotenzial um zwei Vollgeschosse in seriell vorgefertigter Holzbauweise tatsächlich aktiviert, zeichnet ihn in besonderer Weise aus.
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