Jurybegründung zur Nominierung

Umbau naTo e.V.

Der Umbau des Kultur- und Kommunikationszentrums naTo in Leipzig zeigt beispielhaft, wie sich ein bestehendes Kulturgebäude durch die konsequente Weiterverwendung vorhandener Ressourcen zukunftsfähig transformieren lässt. Anstatt den Bestand als Einschränkung zu begreifen, entwickelt das Büro SUMMACUMFEMMER aus den räumlichen und materiellen Qualitäten des Gebäudes eine überzeugende Strategie des Weiterbauens. Das Projekt verdeutlicht, dass nachhaltige Architektur nicht primär im Einsatz neuer Technologien liegt, sondern im intelligenten und kreativen Umgang mit dem Vorhandenen.

Besonders überzeugend ist der konsequente Ansatz der Wieder- und Weiterverwendung bestehender Bauteile. Zahlreiche Materialien wurden erhalten, rückgebaut und unmittelbar erneut eingesetzt. So werden beispielsweise Ziegel aus abgebrochenen Gebäudeteilen an anderer Stelle wiederverwendet und ihr Lebenszyklus ohne aufwendige Aufbereitung verlängert. Auch Türen und Fenster aus dem Bestand wurden ausgebaut und innerhalb des Gebäudes neu eingesetzt. Einzelne Bauteile wurden darüber hinaus funktional weiterentwickelt: Durch gezielte konstruktive und energetische Ergänzungen konnten ehemalige Innentüren zu hochgedämmten Außentüren umgebaut werden.

Gerade diese selbstverständliche Haltung verleiht dem Gebäude eine eigenständige, zeitgenössische Architektursprache, deren gestalterische Qualität unmittelbar aus dem ressourcenschonenden Umgang mit dem Bestand erwächst. Ergänzt wird dieser Ansatz durch einen Anbau in Hanf-Kalk-Bauweise sowie Maßnahmen zur Regenwassernutzung, die den ökologischen Anspruch des Projekts konsequent fortführen.

Die Jury würdigt das Projekt als einen richtungsweisenden Beitrag zur Bauwende. Es verbindet hohe architektonische Qualität mit einem konsequent kreislauforientierten Planungsansatz und zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial im Erhalt, in der Weiterentwicklung und in der Wiederverwendung bestehender Bausubstanz liegt. Die naTo wird damit zu einem überzeugenden Vorbild für eine Umbaukultur, in der Reuse nicht nur Ressourcen schont, sondern Identität bewahrt und neue architektonische Qualitäten hervorbringt.