Jurybegründung zur Nominierung

Josef-Schwarz-Schule, Heilbronn

Die Josef-Schwarz-Schule in Heilbronn zeigt beispielhaft, wie nachhaltiger Bildungsbau ökologische, soziale und wirtschaftliche Verantwortung mit herausragender Architektur verbindet. Im Modellquartier Neckarbogen entstanden, entwickelt sie eine zukunftsweisende Antwort auf die Herausforderungen dichter innerstädtischer Standorte: Durch das konsequente Stapeln von Funktionen entstehen auf begrenzter Fläche großzügige, qualitätsvolle Lern- und Aufenthaltsbereiche. So wird wertvoller Stadtraum effizient genutzt, ohne auf Freiraum, Aufenthaltsqualität oder pädagogische Qualität zu verzichten.

Ein angehobenes Landschaftsplateau verbindet den Campus mit dem Quartier und schafft zugleich einen geschützten Freiraum. Begrünte Dächer, Retentionsflächen und biodiversitätsfördernde Freiräume verbessern das Mikroklima und machen klimaangepasste Stadtentwicklung unmittelbar erlebbar.

Auch konstruktiv setzt das Gebäude Maßstäbe: Die Holz-Stahl-Hybridbauweise, regionale Materialien und konsequent kreislauffähige Konstruktionen reduzieren den Ressourcenverbrauch und ermöglichen einen sortenreinen Rückbau. Aktivierte Lehmdecken, wiederverwendbare Bodenaufbauten und mechanisch gefügte Verbindungen zeigen beispielhaft, wie Kreislaufwirtschaft bereits heute anspruchsvoll umgesetzt werden kann.

Das Low-Tech-Energiekonzept kombiniert Geothermie, Wärmepumpe, Photovoltaik und Fernwärme mit natürlicher Lüftung, Nachtkühlung, Tageslichtnutzung und thermisch aktivierten Lehmdecken. So entstehen ein geringer Energieverbrauch, hohe Betriebssicherheit und ein gesundes Lernumfeld.

Die Nachhaltigkeit des Projekts zeigt sich ebenso in dessen sozialer Wirkung. Der Campus ist ein offener Ort der Bildung und Begegnung. Fließende Übergänge zwischen Innen- und Außenräumen fördern vielfältige Lernformen, während Einrichtungen wie das Quartierscafé „Josefs“, das Haus der Familie und die auch außerhalb der Schulzeiten nutzbaren Sporthallen den Campus zu einem lebendigen Mittelpunkt des Quartiers machen.

Langlebige Konstruktionen, flexible Grundrisse und der konsequente Low-Tech-Ansatz sichern zudem eine hohe Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus und gewährleisten die langfristige Anpassungsfähigkeit des Gebäudes.

Die von Behnisch Architekten geplante Josef-Schwarz-Schule beweist, dass nachhaltige Architektur weit mehr ist als energieeffizientes Bauen. Sie zeigt beispielhaft, wie sich in einer wachsenden Stadt hochwertige Bildungsräume, klimaangepasste Freiräume und ein sparsamer Umgang mit wertvollem Stadtraum miteinander verbinden lassen. Damit setzt sie Maßstäbe für den Bildungsbau der Zukunft.