Jurybegründung zur Nominierung

K10 - Cluster Living ReUse

Wie nachhaltiges Bauen ganzheitlich gelingen kann, zeigt das gemeinschaftliche Wohnprojekt K10 im Leipziger Westen. Das Projekt verbindet ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit mit einem konsequenten Low-Tech-Ansatz. Leitgedanke ist das Zusammenspiel von Suffizienz, Resilienz, Gemeinschaft und Kreislaufwirtschaft.

Auf einer brachliegenden Fläche entstand auf erhaltenen Kellerresten ein kompaktes KfW-Effizienzhaus 55. So konnte eine zusätzliche Flächenversiegelung vermieden werden. Das Gebäude wurde überwiegend in ressourcenschonender Holzbauweise errichtet und mit einem langlebigen, anpassungsfähigen Bausystem realisiert. Kreislaufgerechte Materialien und eine robuste Low-Tech-Gebäudetechnik minimieren den Energie- und Wartungsaufwand und schaffen gute Voraussetzungen für eine langfristige Klimaanpassung.

Ein besonderes Merkmal ist die konsequente Wiederverwendung von Baumaterialien. Die Fassade besteht aus recycelten Schalungsplatten und ausgedienten Bodendielen, die Ziegel des ehemaligen Kellers wurden für die Erdgeschossverkleidung eingesetzt. Entstanden ist eine Fassade, die als experimentelle Collage polarisiert und Ressourcenschonung nicht nur technisch umsetzt, sondern auch gestalterisch sichtbar macht. Ergänzt wird das Konzept durch eine Regenwassernutzungsanlage für WC-Spülung, Gartenbewässerung und Reinigung. Die Dachfläche ist für eine spätere Nachrüstung mit Photovoltaik oder PVT-Modulen vorbereitet; perspektivisch soll eine Wärmepumpe die derzeitige Fernwärmeversorgung ersetzen.

 

Nachhaltigkeit zeigt sich ebenso in der sozialen Qualität des Gebäudes. Auf rund 1.000 Quadratmetern Nutzfläche entstanden barrierearme Wohnungen mit flexiblen Grundrissen, die sich an veränderte Lebenssituationen anpassen lassen. Die Clusterstruktur ermöglicht unterschiedliche Wohnformen – von Wohngemeinschaften über Familienwohnen bis hin zu gemeinschaftlich orientierten Wohnmodellen. Multifunktionale Flächen und eine Gewerbeeinheit im Erdgeschoss öffnen das Gebäude in den Stadtteil und fördern Begegnung und nachbarschaftliches Engagement.

Auch wirtschaftlich setzt das von ASUNA geplante Projekt auf langfristige Nachhaltigkeit. Die selbstverwaltete Organisation im Mietshäuser-Syndikatsmodell sichert dauerhaft bezahlbaren Wohnraum und entzieht das Gebäude dem spekulativen Immobilienmarkt. Die Bewohnerinnen und Bewohner waren von Beginn an intensiv an Planung und Bau beteiligt – von der Materialwahl bis zur Gestaltung der gemeinschaftlichen Bereiche – und machen das Haus zu einem lebendigen Gemeinschaftsprojekt. Auch die Nachbarschaft wurde von Beginn an aktiv in die Projektentwicklung einbezogen. 

Die Jury überzeugt insbesondere das Zusammenspiel aus kreislaufgerechtem Bauen, flexibler und robuster Gebäudestruktur sowie einem gemeinschaftlich getragenen Wohnkonzept. K10 zeigt beispielhaft, dass ökologisches Bauen, soziale Teilhabe und dauerhaft bezahlbarer Wohnraum keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig stärken.