Wie sieht ein Low-Tech-Bürogebäude aus, das auf einem modularen Holzbausystem basiert und architektonische Qualität mit hoher Aufenthaltsqualität, Flexibilität, geringen Emissionen in der Konstruktion und einem klimaneutralen Gebäudebetrieb verbindet? Das Projekt ZERO. der S111 GmbH, geplant in Zusammenarbeit mit Riehle Koeth Architekten, liefert darauf in Stuttgart eine beispielhafte Antwort.
Auf einem ehemaligen Werksgelände entstand ein fünfgeschossiges Bürogebäude aus vorgefertigten Holzmodulen. Ein interdisziplinäres Projektteam montierte dafür nahezu 300 Raummodule zu einem flexiblen und ressourcenschonenden Gebäudekonzept. Die serielle Vorfertigung ermöglichte eine kurze Bauzeit, hohe Ausführungsqualität und einen weitgehend emissions- und staubarmen Bauablauf.
Das Gebäude zeichnet sich durch seine konsequente Material- und Konstruktionsstrategie aus. Rund 3.500 Kubikmeter Fichtenholz prägen den Neubau sowohl konstruktiv als auch gestalterisch. Die sichtbaren Holzoberflächen schaffen eine warme Atmosphäre und leisten gleichzeitig einen Beitrag zur CO₂-Speicherung. Das modulare Tragwerk mit stützenfreien Raumtiefen von bis zu zehn Metern gewährleistet eine hohe Nutzungsflexibilität, eine ausgezeichnete Tageslichtversorgung sowie die Möglichkeit einer überwiegend natürlichen Belüftung.
Ein zentrales Merkmal des Projekts ist das Low-Tech-Komfort- und Lüftungskonzept. Ziel ist es, den Energie- und Ressourcenverbrauch durch intelligente passive Maßnahmen zu minimieren. Tageslichtnutzung, natürliche Lüftung, Nachtkühlung sowie außenliegender Sonnenschutz bilden die Grundlage für ein behagliches Raumklima. Dezentrale Fassadenlüftungsgeräte versorgen die Räume mit vorkonditionierter Frischluft, während Abluftkamine den Luftaustausch energieeffizient unterstützen.
Passive Nachströmelemente führen die Außenluft über Konvektoren zur Nacherwärmung oder Nachkühlung. Ergänzt wird das Konzept durch individuell steuerbare Deckenventilatoren. Auf mechanische Lüftungsanlagen und aktive Raumkühlsysteme in den Bürogeschossen konnte vollständig verzichtet werden – ein bemerkenswerter Ansatz in einer Zeit, in der Büroneubauten zunehmend auf komplexe technische Gebäudekonditionierung setzen.
Das Energiekonzept zielt auf eine ausgeglichene CO2-Bilanz im Gebäudebetrieb über das Jahr ab. Die entsprechenden Monitoringdaten werden derzeit im laufenden Betrieb erhoben. Wärmepumpe, Eisspeicher und PVT-Kollektoren übernehmen die Wärme- und Kälteversorgung des Gebäudes. Damit wird der BEG-40-NH-Standard erreicht.
Besonders hervorzuheben ist die hohe Anpassungsfähigkeit der Gebäudestruktur. Stützenfreie Büroflächen und eine konsequente Trennung von Nutzungs- und Technikbereichen ermöglichen flexibel teilbare Mieteinheiten sowie zukünftige Nutzungsänderungen ohne größere bauliche Eingriffe. Auf Konferenzbereiche in den Obergeschossen wurde bewusst verzichtet, um die Grundrisse dauerhaft flexibel zu halten und den technischen Ausbau zu reduzieren. Stattdessen befinden sich gemeinschaftlich genutzte Konferenz- und Besprechungsräume sowie weitere „Shared Spaces“ im Erdgeschoss, wo sie allen Nutzerinnen und Nutzern gleichermaßen zur Verfügung stehen. ZERO. zeigt eindrucksvoll, dass modulare Bauweise weit mehr sein kann als effiziente Vorfertigung.
Das integrale Gebäudekonzept verbindet ökologische, funktionale und wirtschaftliche Qualitäten. Die Kombination aus modularer Holzbauweise, Low-Tech-Strategie, regenerativer Energieversorgung und hoher räumlicher Flexibilität schafft ein Bürogebäude, das sowohl im Betrieb als auch hinsichtlich zukünftiger Anpassungen nachhaltig konzipiert ist. Das Ergebnis ist ein zukunftsweisendes Bürogebäude, das Nachhaltigkeit, Architektur und Nutzerkomfort gleichermaßen in den Mittelpunkt stellt.