Jurybegründung zur Nominierung

Moabiter Kinderhof Berlin

Der Moabiter Kinderhof in Berlin zeigt eindrucksvoll, welchen wertvollen Beitrag auch ein kleineres Projekt zur sozialen Nachhaltigkeit eines Quartiers leisten kann. Die Architektur eröffnet durch differenzierte Innen- und Außenräume vielfältige Nutzungsmöglichkeiten für Begegnung, Spiel, Sport und Rückzug. Die Räumlichkeiten stehen neben Kindern und Jugendlichen auch anderen Gruppen aus der Nachbarschaft zur Verfügung und stärken so den sozialen Zusammenhalt. Bereits in der Planungsphase wurden diese Nutzungsszenarien im Rahmen eines umfassenden partizipativen Beteiligungsprozesses gemeinschaftlich entwickelt. Die prägende Holztragstruktur aus vorgefertigten Regalmodulen bildet hierfür den räumlichen Rahmen.

Die innen sichtbar belassene Tragkonstruktion aus Holzrahmenbauelementen besteht überwiegend aus weiß lasierten Furnierschichtholzplatten. Durch zusätzliche „Regalböden“ entstand auf einem Grundraster von 1,25 Metern ein raumhohes Regalsystem mit unterschiedlichen Höhen zwischen 2,40 und 4,50 Metern, auf dem das begrünte Flachdach aufliegt. Die Regalmodule schaffen Stauraum, integrieren Akustikpaneele und die mobile Trennwand sowie kindgerechte Sitznischen. In diese Module eingepasste Öffnungen ermöglichen großzügige Sichtbeziehungen sowie Aus- und Einblicke. So entsteht ein offenes und einladendes Haus mit vielfältigen Aufenthaltsbereichen.

Von außen präsentiert sich der Kinder- und Jugendtreff als Abfolge von fünf unterschiedlich hohen und zueinander versetzten eingeschossigen Holzkuben, die mit einer grau lasierten Horizontalschalung aus Lärche mit integrierten Nistkästen für Vögel und Fledermäuse bekleidet sind. Durch Vor- und Rücksprünge fügt sich das Gebäude behutsam mit einer geringen Flächenversiegelung in den vorhandenen Baumbestand ein und schafft differenzierte Außenräume wie Eingangsbereich, Loggia und Terrassen.

Im Zentrum liegt der Multifunktionssaal, dessen größere Raumhöhe auf den Wunsch der Kinder zurückgeht, dort „auf Stelzen laufen zu können“. Niedrigere Nebenräume, wie die offene Küche, gruppieren sich um diesen zentralen Bereich. Lediglich der Saal verfügt über eine mechanische Lüftung, während das haustechnische Konzept insgesamt einem Low-Tech-Ansatz folgt. Eine Wärmepumpe mit Wärme- und Kälterückgewinnung sowie zwei Erdsonden übernehmen Heizung und Warmwasserbereitung. Die Fußbodenheizung sorgt im Winter für Wärme und dient im Sommer der passiven Kühlung. Ein Kubus, hat eine höher gelegene Galerieebene, die ähnlich einem Baumhaus als Rückzugsort dient. Ansonsten ist das Gebäude durchgängig inklusiv gestaltet: Barrierefreie Sanitäranlagen und ein taktiles Leitsystem ermöglichen eine selbstständige Orientierung und Nutzung.

Der Moabiter Kinderhof von Kersten Kopp Architekten ist ein Vorzeigeprojekt sozialer Teilhabe, das sich flächeneffizient in seine Umgebung einfügt und dabei den wertvollen Baumbestand weitestgehend erhält. Die effizient konzipierte Holztragstruktur ermöglicht durch ihre Nutzungsflexibilität eine langfristige Anpassungsfähigkeit und trägt als prägendes Gestaltungselement zur ästhetischen Bildung bei.