Jurybegründung zur Nominierung

Neubau Feuerwache Kaiserswerth

Nachhaltigkeit bedeutet, Verantwortung für Menschen, Ressourcen und kommende Generationen zu übernehmen. Kaum eine öffentliche Einrichtung verbindet diesen Anspruch so unmittelbar mit gesellschaftlicher Daseinsvorsorge wie eine Feuerwache: Sie schützt Leben, stärkt die Resilienz von Kommunen, fördert das Ehrenamt und muss zugleich wirtschaftlich, langlebig und an zukünftige Anforderungen anpassbar sein.

Mit dem Neubau der Feuerwache Kaiserswerth gelingt ein beispielhafter Beitrag dazu. Das Gebäude zeigt eindrucksvoll, dass anspruchsvolle Einsatzarchitektur, höchste Funktionalität und konsequente Nachhaltigkeit keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig ergänzen.

In einem sensiblen landschaftlichen Kontext zwischen Deich, Landschaftsschutzgebiet und historischem Ortskern fügt sich der Neubau behutsam in seine Umgebung ein. Der vorhandene Baumbestand bleibt weitgehend erhalten, die Topografie wird aufgenommen und die aufgeständerte Bauweise berücksichtigt zugleich die Anforderungen des Hochwasserschutzes. So wird Klimaanpassung selbstverständlicher Bestandteil der Architektur.

Auch konstruktiv setzt das Projekt Maßstäbe. Die innovative Holz-Hybridbauweise mit einer Fassade aus regional wiederverwendeten Klinkern verbindet Ressourcenschonung, architektonische Qualität und Kreislaufwirtschaft. Bereits in der Planung wurden mithilfe von BIM unterschiedliche Varianten hinsichtlich CO₂-Bilanz, grauer Energie und Zirkularität bewertet. Mechanisch gefügte Konstruktionen, sortenrein trennbare Materialien und ein digitaler Gebäuderessourcenpass ermöglichen eine spätere Wiederverwendung und einen ressourcenschonenden Rückbau.

Das Low-Tech-orientierte Energiekonzept folgt konsequent dem Prinzip „Efficiency First“. Kompakte Bauform, hoher Dämmstandard und intelligente Verschattung minimieren den Energiebedarf. Wärmepumpe, Photovoltaik mit Batteriespeicher und eine zentrale Gebäudeleittechnik gewährleisten einen wirtschaftlichen, weitgehend erneuerbaren Gebäudebetrieb.

Nachhaltigkeit zeigt sich ebenso im Umgang mit Natur und Menschen. Dach- und Fassadenbegrünung, integrierte Nistkästen, Vogelschutzglas und der Erhalt bestehender Grünstrukturen fördern Biodiversität und Mikroklima. Gleichzeitig schaffen Barrierefreiheit, gesunde Innenräume und die frühzeitige Einbindung der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer ein dauerhaft hochwertiges Arbeitsumfeld.

Mit der Feuerwache Kaiserswerth beweisen die Architekten Buddenberg und Tauchmann, dass nachhaltige Architektur weit über Energieeffizienz hinausgeht. Sie verbinden Klimaschutz, Ressourcenschonung, Biodiversität, Kreislaufwirtschaft und soziale Verantwortung zu einem ganzheitlichen Gebäudekonzept. Zugleich zeigen sie, wie kommunale Infrastruktur als Vorbild für eine neue Generation öffentlicher Bauten dienen kann – leistungsfähig, resilient, zukunftsorientiert und mit einem nachhaltigen baukulturellen Anspruch.