„Wenn schon, dann richtig!“ – unter diesem Motto lässt sich die Bauaufgabe eines Holzparkhauses in Wendlingen treffend zusammenfassen. herrmann+bosch Architekten aus Stuttgart konzipierten ein Bauwerk, das als Brücke in eine Zukunft mit weniger Autos dient. Von Beginn an wurde das Gebäude vorbildlich und zukunftsweisend für eine Zwischennutzung geplant und realisiert und ist bereits heute auf eine spätere Umnutzung vorbereitet. Zudem können die Bauelemente nach Ablauf ihres Lebenszyklus sortenrein getrennt und die Materialien wiederverwendet werden.
Aktuell dient der ovale Holzbau für Pkw und Fahrräder als Baustein für den Übergang vom Individualverkehr zum öffentlichen Nahverkehr. Es trägt zur Verbesserung des Modal Split im Großraum Stuttgart bei. Wenn der Individualverkehr an Bedeutung verliert, lässt sich das anspruchsvoll konzeptionierte Funktionsgebäude neu programmieren. Die Geschosshöhen von bis zu 3,40 Meter, sowie die konsequente Stützenfreiheit ermöglichen eine Umwandlung in Wohn- oder Arbeitsräume. Eine natürliche Belichtung erfolgt dann über innenliegende Höfe, die derzeit als Rampen genutzt werden.
Das Tragwerk des oberirdischen, natürlich belichteten Parkhauses besteht aus Brettschichtholz, die Decken aus Brettsperrholz. Die Verbindungen sind gesteckt und verschraubt, was einen einfachen Umbau, sowie einen sortenreinen Rückbau ermöglicht. Der Fahrbahnbelag aus Asphalt ist durch eine Trennlage von der Holzkonstruktion getrennt. Das Treppenhaus ist monolithisch aus Beton gefertigt. Somit fungiert das Gebäude auch als Materiallager für die Zukunft.
Ein weiterer Aspekt, der die Jury überzeugt: Die natürliche Belüftung und der geringe Technikeinsatz ermöglichen, den laufenden Betrieb über die eigene Photovoltaikanlage abzudecken.
Der Bau am Wendlinger Bahnhof setzt zugleich einen städtebaulichen Impuls. Das rund 18 Meter hohe Gebäude, unweit der historischen Fabrikgebäude der Otto Textil GmbH, bildet den Auftakt zum neuen, gemischt genutzten Otto-Quartier. Als Quartiersgarage des neuen Stadtteils eröffnet das Parkhaus die Chance, öffentlichen Raum von der Last des Parkens zu befreien. Es entsteht Platz für angemessene Freiräume und Potenzial für mehr Aufenthaltsqualität im Quartier. Die in Teilen mit transluzentem Profilglas geschlossene Fassade schirmt die Emissionen der nahegelegenen Bahnlinie ab; Teile der Fassade sind erdgebunden begrünt.
Das Parkhaus Wendlingen überzeugt durch seine multifunktionale Codierung. Bauherren und Architekten zeigen, dass die Herausforderungen der Mobilitätswende auch mit der Schaffung zukunftsfähiger Abstellflächen für in die Jahre gekommene Verkehrsmittel bewältigt werden können.
Das Parkhaus der Zukunft von herrmann+bosch architekten aus Stuttgart ist beispielhaft für eine Bauaufgabe, der sich unsere Gesellschaft stellen muss. Die Architektinnen und Architekten haben mit Weitsicht ein Gebäude geplant, das durch seine spätere Nutzungsmöglichkeit schon heute einen Teil der Zukunft beleuchtet. Es ist der Nachweis einer Selbstverständlichkeit: „Wenn schon, dann richtig!“