Jurybegründung zur Nominierung

Ausstellungsgebäude Mathildenhöhe Darmstadt

Denkmalgeschützte Gebäude gelten als schwierig und teuer für umfassende energetische und technische Modernisierungen, vor allem, wenn dabei die historische Substanz so weit wie möglich erhalten werden soll. Obwohl der Erhalt dieser Gebäude an sich ökologische Belange mit sozialen und kulturellen Aspekten für jedermann sichtlich verbindet – kurzum: nachhaltig ist - finden sich nicht viele wirklich beeindruckende Beispiele.

Die Generalsanierung des Ausstellungsgebäudes auf der Mathildenhöhe in Darmstadt durch schneider+schumacher Architekten stellt ein beeindruckendes Beispiel für den nachhaltigen Erhalt und zukunftsorientierte Nutzung eines denkmalgeschützten Bestandes dar. Die Mathildenhöhe – seit 2021 UNESCO-Welterbe – ist ein Ensemble von außergewöhnlichem kulturellem Wert. Das 1908 von Joseph Maria Olbrich entworfene Ausstellungsgebäude ist das Herzstück dieses Gesamtkunstwerks.

Die Sanierung verfolgte das Ziel, die historische Substanz maximal zu erhalten und gleichzeitig die Voraussetzungen für einen zukunftsfähigen Betrieb als Ausstellungsort zu schaffen. Dafür wurde das Gebäude energetisch optimiert, ohne seine bauzeitliche Charakteristik zu beeinträchtigen. Neue, hocheffiziente haustechnische Anlagen wurden unauffällig integriert, die Gebäudehülle mit größtmöglicher Zurückhaltung instandgesetzt, originale Oberflächen sorgfältig restauriert. Zur Ertüchtigung der Außenwände wurde beispielsweise ein neues, drei Zentimeter starkes Putzsystem mit hoher Dämmwirkung verwendet.

In enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz wurde hier eines der wichtigsten Zeugnisse des deutschen Jugendstils behutsam, zugleich jedoch konsequent energetisch, technisch und funktional in die Gegenwart überführt. Die Sanierung von Denkmälern ist nach Auffassung der Jury der nachhaltigste Umgang mit bestehenden Gebäuden, denn gerade hier wird versucht, das Optimalste für eine lange Nutzung mit den minimalsten Veränderungen an der Bausubstanz umzusetzen. Fast alle Bauteile konnten in Darmstadt erhalten bleiben. So wurde zum Beispiel die vorhandene Lichtdecke mit minimalen Verstärkungen ertüchtigt.

Besonders hervorzuheben ist das integrative Planungsverständnis: Statt die Spannungen zwischen Denkmalpflege und Nachhaltigkeit in allen Aspekten als Gegensatz zu begreifen, wurde ein gestalterischer und technischer Dialog entwickelt, der alle Herausforderungen produktiv zusammenführt. Die Wahl langlebiger Materialien, die Reaktivierung vorhandener Bausubstanz sowie ein zeitgemäßes Nutzungskonzept sichern dem Ensemble langfristig seine kulturelle wie funktionale Relevanz.

Das Projekt überzeugt nicht nur durch seine gestalterische Qualität und technische Präzision. Es zeigt eindrucksvoll, dass nachhaltiges Bauen im Bestand – auch unter strengen denkmalrechtlichen Auflagen – möglich ist und zu identitätsstiftenden Ergebnissen führen kann. Mit dem sensiblen Eingriff in ein Bauwerk von internationaler Bedeutung leisten die Architekt:innen einen wichtigen Beitrag zur Transformation des denkmalgeschützten Gebäudebestands in Zeiten des Klimawandels.