Jurybegründung zur Nominierung

Sanierung Sophie-Scholl-Haus

Die Generalsanierung des Sophie-Scholl-Hauses in der größten Studentensiedlung Deutschlands steht exemplarisch für die verantwortungsvolle Transformation der Nachkriegsmoderne zu zeitgemäßen, nachhaltigen Wohnkonzepten. Das 1975 im vierten Bauabschnitt der Studentenstadt errichtete siebenstöckige Gebäude wurde behutsam saniert und dabei den aktuellen Anforderungen an Barrierefreiheit, Energieeffizienz und sozialer Durchmischung angepasst.

Die architektonische Konzeption von bogevischs buero setzt auf den Erhalt der charakteristischen Struktur der 1970er Jahre, komplementiert durch Nutzungsangebote im Erdgeschoss. Besonders bemerkenswert ist die Integration von drei Sonderapartments, darunter zwei barrierefreie 2-Zimmerwohnungen und ein flexibles Eltern-Kind-Apartment, das auch als behindertengerechte Wohnung mit Betreuerzimmer nutzbar ist.

Durch die behutsame Sanierung, die Erweiterung der Raumschicht über die gesamte Gebäudelänge des bestehenden Bauwerks, konnte die charakteristische Morphologie der historischen Studentenstadt bewahrt werden. Die maroden Betonbalkone wurden dem Innenraum zugeordnet. So konnten die 249 Zimmer um rund vier Quadratmeter vergrößert werden. Die neuen Fluchtbalkone aus unbeschichtetem Stahlgitter bieten Kommunikationsflächen und Sonnenschutz vor den bodentiefen Fenstern mit 3-fach Verglasung in einer Holz-Alufassade, die als hochdämmende Gebäudehülle ausgeführt ist. 

Auch wenn die Abwägung zwischen den Belangen der Denkmalpflege und den Nutzungserfordernissen in Summe deutlich zugunsten der historischen Bausubstanz ausfiel und dadurch erweiterte Gemeinschaftsflächen, wie sie in zeitgemäßem Studierendenwohnen üblich sind, nur begrenzt realisiert werden konnten, würdigt die Jury den Ansatz. Aus der vorhandenen Struktur wurde ein zukunftsfähiges und sozial inklusives Wohnkonzept entwickelt.

Der respektvolle Umgang mit der historischen Bausubstanz vereint die Bewahrung des architektonischen Erbes mit den positiven ökologischen Effekten der Bestandssanierung, die durch die Nutzung der bereits investierten grauen Energie besonders ressourcenschonend erfolgt. Die energetische Ertüchtigung des Gebäudes erfolgt unter Berücksichtigung der baulichen Gegebenheiten der Nachkriegsmoderne.

Als Wohnraum für eine diverse Studierendenschaft setzt das sanierte Sophie-Scholl-Haus wichtige Impulse für barrierefreies und gemeinschaftliches Wohnen und die Tradition der selbstverwalteten Studentensiedlung in die Zukunft führen.

Insgesamt setzt das Projekt Maßstäbe für die nachhaltige Sanierung von Wohngebäuden der Nachkriegsmoderne und zeigt eindrucksvoll, wie aus bewährten Strukturen resiliente Lösungen für die Zukunft entwickelt werden können, die sowohl architektonischen als auch sozialen und ökologischen Anforderungen gerecht werden.