Jurybegründung zur Nominierung

Actionsportzentrum mit Interimsmaßnahme, München-Pasing

Bauten für Industrie und Gewerbe prägten im 19. Jahrhundert die städtebauliche Entwicklung des Münchner Stadtteils Pasing. In der 1910 errichteten Eggenfabrik mit einer über Oberlichter im Dachfirst gut belichteten Fertigungshalle wurden einst landwirtschaftliche Maschinen gefertigt. Nach jahrzehntelangem Leerstand wurde die Halle 2008 unter Denkmalschutz gestellt.

Nach einer umfassenden Sanierung fungiert die Haupthalle laut der Bauherrin, der Landeshauptstadt München, seit Juli 2025 als erste Actionsporthalle mit ganzjährig wetterunabhängigen Trainingsmöglichkeiten zum Skateboarden, Inline- und Rollerskaten, Scooter- und BMX-Fahren.

Dabei ist es Behnisch Architekten mit ihrem erfolgreichen Wettbewerbsentwurf gelungen, die vorhandene Bausubstanz fast vollständig zu erhalten. Die von den filigranen Stahlfachwerkrahmen gestützten Dachebenen sind als Holzkassettendecken ausgeführt. Bei allen weiteren neu eingebrachten Bauteilen wurde auf lösbare Verbindungen und einen hohen Recyclinganteil geachtet um den Anteil grauer Emissionen gering zu halten und ein hohes Wiederverwendungspotential zu gewährleisten.

Das Gebäude ist an das städtische Fernwärmenetz angeschlossen und umfassend energetisch saniert. Die Frischluftversorgung wird durch eine sensorgesteuerte natürliche Lüftung realisiert, der Luftstrom von unteren Lamellenfenstern zum geöffneten Oberlichtbad generiert die notwendigen Luftwechsel. Die automatisiert gesteuerte Nachtauskühlung erübrigt eine aktive Kühlung. Die PV-Anlage auf dem Dach und auf der Oberlichtverglasung integrierte PV-Zellen speisen erneuerbare Energie in das städtische Netz.

Der Außenbereich ist möglichst wenig versiegelt und leistet durch gezielte Bepflanzung einen Beitrag zur Biodiversität. Es entsteht ein kühlendes innerstädtisches Mikroklima im urbanen Raum, das allen Bewohnerinnen und Bewohnern im Quartier zur Verfügung steht.  

Entwickelt wurde ein beispielhaft inklusives Gebäude. Die Sportflächen sollen unabhängig von jeglichen Einschränkungen und ohne fremde Hilfe nutzbar sein. Speziell für Wheelchair-Skating ausgelegte Flächen, taktile Leitsysteme, visuelle Kontrastierungen und Orientierungssysteme, die auch ohne Lesefähigkeit verständlich sind, macht die Nutzung der Anlagen für wirklich jeden nutzbar. Durch Zuschüsse der Stadt bleiben auch die Eintrittspreise niedrig, das Angebot ist sozialverträglich verfügbar.

Für die größtenteils jungen Nutzerinnen und Nutzer wird erleb- und erfahrbar, dass Bestandserhalt und hier sogar im denkmalgeschützten Kontext auch heißen kann, dass darin für sie und für ihre Interessen gut nutzbare Räume entstehen können.

Die Jury würdigt insbesondere die konsequent ganzheitliche Betrachtung, die sich im umgesetzten Projekt manifestiert. Neben den beispielgebenden ressourcen- und emissionseffizienten Ansätzen bei der baulichen Umnutzung und der energetischen Optimierung des Bestands überzeugen vor allem die Integration der sozialen, stadtklimatischen, generationenübergreifenden und inklusiven wesentlichen Aspekte. Ein wichtiger und gelungener Beitrag zum nachhaltigen Stadtumbau und zur Bauwende, der hoffentlich impulsgebend für vergleichbare Vorhaben in anderen Städten unserer Republik wird.