Jurybegründung zur Nominierung

Karl Schubert Schule Leipzig

Eine Schule stellt einen geschützten Ort für Kinder und Jugendliche dar, ist aber auch ein Arbeitsort für die Lehrerinnen und Lehrer. Die Innen- und Außenräume sollten daher generationenübergreifend eine hohe Aufenthaltsqualität bieten und die Lernziele unterstützen. Beides ist mit den Ergänzungsbauten von Kersten Kopp Architekten für die Karl Schubert Schule in Leipzig vorbildlich gelungen: Durch die Setzung der Gebäude entstehen gut proportionierte und inspirierende Räume zum Lernen und Lehren. Sichtbeziehungen, sparsamer Ressourceneinsatz und Räume mit nachhaltiger Mehrfachcodierung bilden ein Ensemble mit ansprechender Identität. 

Die Erweiterung der seit 2011 bestehenden Waldorfschule im Leipziger Süden umfasst eine Mehrzweckhalle sowie ein neues Fachraumgebäude. Das dorfähnliche Gesamtensemble umschließt in der räumlichen Anordnung eine grüne Mitte. Die Gestaltung der Neubauten basiert auf der Verwendung CO2-armer Baustoffe aus möglichst erneuerbaren Ressourcen.

Innen wie außen dominiert das Material Holz. Große Brettschichtholzbinder sowie Holzstützen bilden das Tragwerk der Mehrzweckhalle. Alle weiteren Gebäudeteile sind in Brettsperrholz und als Holzrahmenbau ausgeführt. Die hinterlüfteten Fassaden sind mit vertikalen Lärchenholzprofilen verkleidet. Im Inneren des Gebäudes bleiben die konstruktiven Elemente sichtbar, warme Holzoberflächen prägen den Raumeindruck.

Die vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten der Mehrzweckhalle als Schul- und Veranstaltungsort überzeugen die Jury im Sinne der hohen Flächeneffizienz und -suffizienz: Vereint werden schulische und in Teilen öffentliche sportliche wie kulturelle Nutzungen in einem räumlich und funktional durchdachten Gebäude. Neben der Einfeld-Sporthalle ist ein Bühnenraum angeordnet, der durch eine mobile Wand abgetrennt ist. So können beide Bereiche parallel genutzt werden.  Eine herausziehbare Teleskoptribüne mit 500 Sitzplätzen macht die Halle zum Theater. Die Bühne lässt sich auch zum Schulhof öffnen und kann an warmen Sommertagen als Außenbühne genutzt werden. Auch das großzügig gestaltete Foyer bietet genügend Raum für größere Menschenmengen und ist im Schulalltag Treffpunkt vor dem Unterricht.

Die Räume des zweigeschossigen Fachraumgebäudes werden aktuell als allgemeine Unterrichtsräume genutzt, sind aber so konzipiert, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt auch als Werkstätten genutzt werden können.

Die Jury würdigt das Projekt bezüglich der Ressourcenwahl, Suffizienz sowie der konstruktiven Ausführung mit hoher gestalterischer Qualität. Die Bezahlbarkeit und der soziale Anspruch des Schulcampus als ein Ort mit gutem Wohlbefinden werden als übergeordnete Ziele vorbildhaft in der Karl Schubert Schule vereint.