Schulungsräume werden oft untergeordnet in großen Büro- oder Verwaltungsgebäuden untergebracht. Solitäre werden sie selten oder nie. Die Lehrhalle der Riedel Bau AG hat es zum kleinen Solitär in der typischen grauen Welt der Industriehallen geschafft. Im Betriebsgelände etwas versteckt verortet, umgeben von grauen Industrie-Kubaturen, asphaltierten Umfahrten und betonierten Lagerflächen springt sie uns regelrecht ins Auge, sobald sie in den Blick fällt.
Auf einer RC-Betonbodenplatte, mit Restschaumglas gegen das Erdreich gedämmt, wurde sukzessive vorhandenes, meist dem Schredder zugesprochenes Baumaterial upgecycelt. Die Holzständerkonstruktion in Sandwichbauweise mit Holzweichfaserdämmung erfüllt den Zweck für die Lehrhalle und ist lebendig und wohltuend frisch mit Schaltafeln aller Couleur und allen Alters verkleidet, was das Erscheinungsbild in der grauen Umgebung so prägnant macht und schlicht und einfach überzeugt. Das kombinierte Photovoltaik-Gründach retendiert Regenwasser und liefert den Strom für einen nennenswerten Teil der Grundstromversorgung. Zwei wesentliche Aspekte für nachhaltiges Bauen vereint auf einer holzweichfasergedämmten Dachhaut.
Da es im Innern regelmäßig robust zugeht bei Maurerübungen, Kranfahrten und mit Aufbau und anschließendem Abriss erfüllt die innere Sockelschale aus gebrauchten Ziegelsteinen im klassischen Mauerverband mit Rollschichtabschluss ihren Zweck. Der Gedanke, in den im Grundsatz leeren Raum, auch andere Nutzungen auf zum Beispiel zwei Ebenen unterbringen zu können ist gleichfalls lobenswert. Er beweist, dass vorausschauend gedacht wurde und damit zumindest Flexibilität für eine erstrebenswerte lange Nutzungsdauer gegeben ist.
Dass das Konzept aus einer jugendlichen Idee der Auszubildenden der Firma Riedel Bau AG entstanden ist und dann konsequent durch die eigenen Lehrlinge unter fachlicher Begleitung des Büros ASAP Institut für nachhaltige und klimagerechte Architektur konzipiert und umgesetzt wurde, verleiht dem Solitär den i-Tupfer. Die Jury vertritt die Auffassung, dass der kleine Solitär, mit knapp 240 Quadratmetern Grundfläche, beispielhalt nachhaltig inszenierten und gebauten leeren Hallenraum für die Lehre und zum Lernen darstellt!