Ehrenpreisträgerbegründung

Prof Dr. Maja Göpel

Maja Göpel erhält den Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für ihre herausragende wissenschaftliche und gesellschaftliche Leistung, komplexe Transformationsprozesse verständlich zu machen und die Grundlagen einer zukunftsfähigen, werteorientierten Moderne zu formulieren.

Prof. Dr. Maja Göpel (geb. 27. Juni 1976 in Bielefeld) gehört zu den prägenden intellektuellen Stimmen der sozial-ökologischen Transformation in Deutschland. Als Politökonomin, Transformationsforscherin und Autorin verbindet sie analytische Schärfe mit der Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse in gesellschaftliche Verständigung zu übersetzen. Ihr Werk steht für eine interdisziplinäre, systemische Perspektive auf Nachhaltigkeit – jenseits politischer und disziplinärer Silos.

Nach ihrem Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Volkswirtschaft in Hamburg, Berlin und York (UK) arbeitete sie zunächst an der Schnittstelle von Umweltpolitik und Governance-Forschung. Am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung und an der Leuphana Universität Lüneburg entwickelte sie Grundlagen für eine „Politik des Wandels“, die ökologische Belastungsgrenzen, gesellschaftliche Gerechtigkeit und wirtschaftliche Resilienz zusammendenkt. Als Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) wirkte sie maßgeblich daran mit, wissenschaftliche Evidenz in politische Entscheidungsprozesse zu integrieren und Nachhaltigkeit als Leitprinzip öffentlicher Steuerung zu etablieren.

Göpel ist Mitbegründerin der Initiative Scientists for Future, mit der sie 2019 die Stimme der Wissenschaft in die gesellschaftlichen Klimadebatten zurückführte. Ihre Fähigkeit, faktenbasierte Argumentation mit sozialer Intelligenz zu verbinden, machte sie zu einer zentralen Vermittlerin zwischen Forschung, Medien und Öffentlichkeit. Mit ihren Büchern Unsere Welt neu denken und Wir können auch anders schuf sie Grundlagenwerke moderner Nachhaltigkeitskommunikation: wissenschaftlich fundiert, klar strukturiert und kulturkritisch reflektiert.

In ihrer jüngsten Initiative „Mission Wertvoll“ arbeitet sie an einem erweiterten Wertverständnis ökonomischen Handelns – mit Fokus auf Resilienz, Sinn und soziale Kohärenz. Sie leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsökonomie und zu einem neuen Verständnis von Wohlstand im 21. Jahrhundert.

Maja Göpel erhält den Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, weil sie Wissenschaft als gesellschaftliche Gestaltungskraft begreift. Ihr Werk zeigt, dass Transformation nicht nur technologisch, sondern epistemisch ist: ein Wandel unserer Denkmuster, Institutionen und Werte. In dieser Haltung ergänzt sie auf einzigartige Weise das Wirken ihrer beiden Mitgeehrten: Johan Rockström, der die planetaren Grenzen definiert, und Mojib Latif, der die physikalischen Prozesse des Klimas dechiffriert. Gemeinsam stehen sie für eine neue Allianz aus Naturwissenschaft, Systemdenken und Gesellschaftswissenschaft – die intellektuelle Trias einer zukunftsfähigen Moderne.