Initiativen und Projekte, die im Bereich der Daseinsvorsorge Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft liefern, indem sie durch die innovative und effiziente Gestaltung von Strukturen und Prozessen in der Gesundheitsversorgung zu mehr ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit im System beitragen.

In Deutschland leben rund 950.000 Familien mit einem schwer kranken oder behinderten Kind. Sie organisieren Pflege, Therapie und Förderung oft allein – in einem System, das hoch spezialisiert, aber fragmentiert ist. „Das Nest" setzt dem ein integriertes Gegenmodell entgegen: In einem multifunktionalen Haus werden ambulante, teilstationäre und stationäre Angebote aus Gesundheits-, Jugend- und Sozialhilfe zusammengeführt – ergänzt um psychische Gesundheit, Palliativversorgung, Bildungsthemen und ehrenamtliche Unterstützung. Die Familie wird dabei als Einheit verstanden: Leistungen werden nicht isoliert erbracht, sondern aufeinander abgestimmt und gemeinsam mit den Familien gestaltet. Versorgungsbrüche werden so vermieden, Ressourcen effizienter genutzt. „Das Nest" ist damit nicht einfach ein weiteres Angebot im System – sondern Zentrum einer verlässlichen und familienzentrierten Versorgung.
nestwaerme.org
Wie sieht die Zukunft der Gesundheitsversorgung auf dem Land aus? Der Campus Hermeskeil, erste Regioklinik in Rheinland-Pfalz, gibt eine konkrete Antwort: Das ehemalige Krankenhaus mit 140 Betten wurde zu einem integrierten Versorgungscampus umgebaut, der stationäre, ambulante, rehabilitative und pflegerische Leistungen an einem Standort bündelt. Doppelstrukturen wurden abgebaut, spezialisierte Eingriffe in umliegende Kliniken verlagert, neue ambulante Angebote geschaffen. Ein Wandel, der Mut erfordert – aber zwingend ist für eine zukunftsfähige Versorgung. Prävention ist dabei kein Zusatz, sondern strukturelles Prinzip. Mitarbeitende werden über Zukunftsteams aktiv eingebunden; Wandel entsteht gemeinsam. Als praxiserprobtes Modell für eine Transformation, die flächendeckend noch bevorsteht, hat der Campus Hermeskeil Vorbildcharakter für die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum.
marienhaus-campus-hermeskeil.de
Bei einem medizinischen Notfall zählt oft jede Sekunde – doch nicht immer kann der Rettungsdienst direkt vor Ort sein. Region der Lebensretter e.V. alarmiert per App qualifizierte Ersthelfende aus der unmittelbaren Umgebung, damit diese noch vor dem Rettungsdienst helfen können. Eine integrierte Defi-Map zeigt dabei den nächstgelegenen Defibrillator an, ausgereifte Einsatzprozesse und enge Kooperationen mit den Leitstellen vor Ort machen den Ansatz wirksam. Die Initiative erhöht nachweislich die Überlebens- und Rehabilitationschancen von Betroffenen, entlastet öffentliche Rettungsstrukturen und mobilisiert gesellschaftliches Engagement. Seit der Gründung 2017 ist das System auf über 100 Landkreise und kreisfreie Städte gewachsen; mehr als 50.000 aktive Ersthelfende sind registriert. Als dauerhaft angelegtes, gemeinwohlorientiertes Modell zeigt Region der Lebensretter, wie digitale Daseinsvorsorge Leben retten kann.
regionderlebensretter.de
Internationale Pflegefachkräfte sind unverzichtbar für die regionale Daseinsvorsorge – doch ihre langfristige Bindung gelingt nur, wenn Anwerbung, Anerkennung und soziale Integration gemeinsam gedacht werden. Die „Regionale Fachkräfteallianz" macht genau das zur Gemeinschaftsaufgabe: Pflegebetriebe, Kommunen, Verwaltung und Zivilgesellschaft bündeln ihre Kräfte, statt um knappe Fachkräfte zu konkurrieren. Betriebe werden durch Trainings und Beratung befähigt, Integration professionell zu steuern; Sportvereine, Kultureinrichtungen und Religionsgemeinschaften fördern die soziale Teilhabe vor Ort. Auch Familiennachzug wird langfristig mitgedacht. Höchste ethische Rekrutierungsstandards – darunter das RAL-Gütesiegel – schützen vor versteckten Kosten und minimieren Risiken, besonders für kleine und mittlere Betriebe. Ein Modell, das zeigt, wie regionale Kooperation die Pflegeversorgung nachhaltig sichern kann.
match-pflege.de
Chronische Wunden sind ein unterschätztes Problem: Jede vierte Familie ist betroffen, viele Wunden heilen über Monate nicht. Gleichzeitig fehlen Millionen Beschäftige in der Pflege. Sie zu entlasten und von administrativen Aufgaben zu befreien, ist entscheidend für eine gute Versorgung. cureVision setzt hier an: Eine 3D-Kamera erfasst Wunden kontaktlos und in Sekundenschnelle – Größe, Tiefe, Gewebeverteilung, Wärmebildanalyse und bakterielle Belastung. Eine KI analysiert und dokumentiert den Heilungsverlauf automatisiert. Vormals aufwendige Dokumentation reduziert sich so auf einen Bruchteil der Zeit, die Pflegefachkräfte haben mehr Zeit für die Patientenversorgung. Darüber hinaus vernetzt cureVision alle Beteiligten entlang der Versorgungskette: Pflegefachkräfte, Hausärzt:innen, Wundexpert:innen und Kliniken greifen jederzeit auf einheitliche, aktuelle Informationen zu. Versorgungsbrüche zwischen den Sektoren werden so vermieden, wertvolle Pflegezeit gespart, und Ressourcen gezielt eingesetzt.
curevision.de
Burnout im Gesundheitswesen ist weit verbreitet – mit Folgen nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für ihre Patienten und ihr Umfeld. Das seit 2022 von der Techniker Krankenkasse unterstützte LAGOM-Projekt der Charité setzt hier an: Der neunwöchige Kurs wurde gemeinsam mit Ärzt:innen und Pflegepersonal entwickelt, verbindet Achtsamkeitsmethoden mit konkreten Verbesserungen im Arbeitsumfeld und findet bewusst während der Arbeitszeit statt. Eine wissenschaftliche Studie belegt: Teilnehmende fühlen sich leistungsfähiger, weniger gestresst und berichten von mehr Wohlbefinden. Bislang haben über 110 Mitarbeitende aus mehr als zehn Kliniken den Kurs absolviert, weitere 300 Führungskräfte und Beschäftigte nahmen an Fortbildungen teil. Ziel ist die dauerhafte Verankerung an der gesamten Charité – und die Übertragbarkeit auf andere Berufsgruppen und Einrichtungen.
nachhaltigkeit.charite.de
Physiotherapeutische Versorgung ist ungleich verteilt – wer auf dem Land lebt, wartet oft lange auf einen Termin oder findet keinen. Herodikos plus bietet als digitales Tele-Therapie-Programm Patient:innen mit Muskel-Skelett-Schmerzen ortsunabhängig eine Sprechstunde mit examinierten Therapeut:innen – zeitlich flexibel, niedrigschwellig und evidenzbasiert.. Das Programm wird in Selektivverträgen mit mehreren Krankenkassen umgesetzt und wissenschaftlich begleitet. Es ermöglicht Zugang zu physiotherapeutischer Beratung, wenn keine Versorgung vor Ort möglich ist. Ein weiterer Vorteil: Therapeut:innen können von zuhause arbeiten – ohne körperlichen Krafteinsatz. Ältere Fachkräfte können so länger im Beruf bleiben, der Wiedereinstieg nach der Elternzeit wird erleichtert. Mittlerweile wurden mehr als 15.000 Patienten versorgt. Aktuell wird das Programm auf weitere Indikationsfelder und auf chronische Schmerzpatienten erweitert.
herodikos.de
Viele außerklinisch intensivpflichtige Patient:innen leben mit schwersten neurologischen oder pneumologischen Erkrankungen und sind auf Beatmung oder intensive Pflege angewiesen. Gleichzeitig verfügen viele von ihnen über Potenziale zur Beatmungsentwöhnung oder funktionellen Rehabilitation – die jedoch hochspezialisierte Expertise erfordern. Diese Expertise fehlte bislang meist nach der Entlassung aus dem Weaningzentrum. Dieses Projekt schließt die Lücke in einem neuen Versorgungsmodell: Spezialist:innen der zertifizierten Weaningzentren in Beelitz und Coswig übernehmen die medizinische Gesamtverantwortung auch nach der Entlassung – koordinieren Intensivpflege, Therapie und Hilfsmittelversorgung und passen Therapieziele fortlaufend an den individuellen Fortschritt an. So werden Rehabilitationspotenziale konsequent erkannt und genutzt.
recura-kliniken.de
Rund 80 % der obdachlosen Menschen sind psychisch erkrankt – haben jedoch aufgrund ihrer Lebenssituation kaum Zugang zu regulärer Behandlung. Die psychologische, psychiatrische und neurologische Praxis der Franziskustreff-Stiftung schließt diese Versorgungslücke: ohne Termin, ohne Meldeadresse, ohne Krankenversicherung – niedrigschwellig, unbürokratisch und nah an der Lebensrealität der Betroffenen, bei Bedarf auch aufsuchend. Als dritte Säule der Obdachlosenhilfe neben Frühstücksangebot und Sozialberatung wächst über einen sicheren Ort Vertrauen, das den Zugang zu weiterführender Hilfe ermöglicht. Seit 2024 stabilisiert die Praxis Menschen durch kontinuierliche Therapie – und verbessert damit nicht nur die psychische Gesundheit, sondern auch die Fähigkeit, den Alltag zu bewältigen und Perspektiven zu entwickeln. In enger Zusammenarbeit mit der Sozialberatung entstehen reale Chancen auf Teilhabe, Wohnraum und Arbeit.
franziskustreff.de
Sozial benachteiligte Menschen finden oft keinen Zugang ins ambulante Gesundheitssystem – obwohl sie es am dringendsten brauchen. Das Projekt NAVIGATION entwickelt hierfür ein neues Versorgungsmodell in Primärversorgungszentren: interprofessionell, niedrigschwellig und konsequent auf vulnerable Gruppen ausgerichtet. Community Health Nurses suchen schwer erreichbare Menschen aktiv in ihrem Sozialraum auf, ein standardisiertes Assessment erfasst medizinische, psychische und soziale Bedarfe, ein interprofessionelles Team begleitet die Versorgung kontinuierlich. Umgesetzt wird das Modell in der Poliklinik Veddel in Hamburg und dem Gesundheitskollektiv Berlin, wissenschaftlich begleitet von der Charité. Ziel ist die Steigerung der Gesundheitskompetenz und die Verringerung gesundheitlicher Ungleichheit – als übertragbares Modell für eine gerechtere Primärversorgung in benachteiligten Sozialräumen.
aok.deInitiativen und Projekte, die darauf abzielen, in Zeiten des gesellschaftlichen und ökologischen Wandels Krankheiten zu vermeiden sowie die Gesundheit der Menschen zu erhalten und zu schützen, als auch an Ansätze, die über neue Herausforderungen für Gesundheit aufklären und Menschen befähigen, zur Erhaltung ihrer eigenen Gesundheit beizutragen.

Klimaschutz ist Gesundheitsschutz – doch solange Klimarisiken abstrakt bleiben, fehlt der Anstoß zum Handeln. Das Gesundheitsmodell für die Climate Time Machine der Sciara GmbH berechnet auf Basis lokaler Klimadaten und persönlicher Faktoren wie Alter, Wohnort und Beruf individuell spürbare Gesundheitsfolgen: Wie wirkt ein Klima-Szenario auf meine Produktivität, Krankheitstage, Lebenserwartung? Die Ergebnisse basieren auf peer-reviewten Studien zu Wirkpfaden wie Hitze, Herz-Kreislauf, Atemwege und mentale Gesundheit. Eine Wirksamkeitsstudie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung belegt messbare Effekte auf Klimawissen, Risikowahrnehmung und Handlungsbereitschaft: In einer Langzeit-Befragung zeigten sich anhaltende Verhaltensänderungen bei 79 % der Teilnehmenden.
sciara.de
Viele Betroffene sexualisierter Gewalt suchen keine Hilfe – aus Scham, Angst oder fehlendem Wissen über medizinische, forensische und rechtliche Möglichkeiten. WhisperToMe schließt diese Lücke: Die KI-gestützte Plattform bietet anonym, kostenlos und mehrsprachig eine erste rechtliche Orientierung und vermittelt niedrigschwellig an passende Hilfsangebote. Die KI arbeitet ausschließlich auf Basis geprüfter Gesetzestexte und forensischer Dokumente, speichert keine personenbezogenen Daten und wird auf europäischen Servern gehostet. WhisperToMe ersetzt keine Beratungsstellen oder anwaltliche Beratung, sondern erreicht Betroffene früher – bevor sie bereit sind, persönlich über das Erlebte zu sprechen – und leitet sie verantwortungsvoll weiter. So stärkt das Projekt Gesundheitskompetenz, Selbstwirksamkeit und den Zugang zu Hilfe für Menschen, die bislang zu spät oder gar nicht erreicht werden.
whispertome.de
Emotionale Kompetenzen sind die Grundlage psychischer Gesundheit – und werden am wirkungsvollsten früh gefördert. Das GEFÜHLEHELDEN Curriculum 1 setzt genau hier an: Das evidenzbasierte Präventionsprogramm befähigt Kinder im Alter von 2 bis 4 Jahren, Gefühle zu erkennen, zu benennen und gesund zu lenken. Pädagogische Fachkräfte und Eltern werden über Online-Kurse, Live-Formate und alltagsintegrierte Übungen gezielt qualifiziert und entfalten so eine nachhaltige Multiplikatorenwirkung. Das Programm verbindet Erkenntnisse aus Psychologie, Neuropsychologie und Präventionsforschung mit einer flexiblen, bundesweit einheitlichen Umsetzung in Krippen und Kitas. Seit 2024 wurden 244 Fachkräfte qualifiziert und über 4.000 Kinder erreicht. Seit 2026 wird das Programm deutschlandweit bis zu 100 % von gesetzlichen Krankenkassen gefördert.
superheldenkids.de
Kleinunternehmen und Handwerksbetriebe sind auf Mobilität angewiesen – doch das Auto ist nicht immer die einzige Option. Das Projekt „IKK Handwerksrad" der IKK classic gibt Betrieben die Möglichkeit, E-Lastenräder und E-Bikes in Zusammenarbeit mit der Verkehrswende-Agentur cargobike.jetzt GmbH sechs Wochen lang kostenfrei im echten Betriebsalltag zu testen. Ein Aktionstag mit Fahrsicherheitstraining, eine begleitete Praxisphase und eine abschließende Evaluation machen den Einstieg niedrigschwellig und praxisnah. Ziel ist es, nachhaltige Mobilitätslösungen erfahrbar zu machen und das Klima- und Gesundheitsbewusstsein von Beschäftigten langfristig zu stärken. Seit dem Start im Herbst 2025 haben bereits acht Betriebe das Programm erfolgreich durchlaufen; jährlich sollen bis zu 21 Betriebe erreicht werden. Das auf vier Jahre angelegte Projekt zeigt, wie gesundheitsfördernde und klimafreundliche Mobilität auch im Handwerk praktisch umsetzbar ist.
ikk-classic.de
Sepsis ist die schwerste Komplikation von Infektionen – ein zeitkritischer Notfall mit hoher Sterblichkeit und häufigen Langzeitfolgen. Die Vorreiterregion Sepsis Main-Taunus-Kreis begegnet diesem Defizit mit einem gesamtgesellschaftlichen Ansatz: Schulungen für Schüler, Lehrkräfte, Pflegekräfte, Rettungsdienste und Klinikpersonal, barrierearme Informationsmaterialien und eine eigene Buchungsplattform schaffen Sepsiskompetenz überall dort, wo Warnzeichen entstehen oder übersehen werden. Ein breites Netzwerk aus Kliniken, Kommunen, Schulen und der Deutschen Sepsis-Stiftung trägt die Initiative. Mit einer Post-Sepsis-Ambulanz entsteht zudem Anschlussversorgung für Betroffene. So zeigt das Projekt, wie Prävention, Früherkennung und Aufklärung gemeinsam Leben retten – und als Modell für andere Regionen dienen können.
sepsis-mtk.de
Psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu – doch das Hilfesystem ist überlastet, Wartezeiten auf Therapieplätze sind lang. Soulbuddies e.V. setzt genau hier an: Kern des Angebots ist das Soulbuddy-Match, ein begleitendes Tandem aus ratsuchender junger Person und einer ehrenamtlichen Fachkraft, das frühzeitig stabilisiert, Wartezeiten überbrückt und den Weg zu passender Versorgung ebnet. Über 90 psychosoziale Fachkräfte und Studierende engagieren sich ehrenamtlich und begleiten jährlich rund 650 junge Menschen. Die Angebote finden in Präsenz statt. 44 % der Begleiteten stabilisierten sich psychisch, die Abbruchquote liegt bei nur 4 %. Seit 2019 wurden über 1.500 Kurzberatungen und mehr als 700 langfristige Unterstützungen abgeschlossen.
soulbuddies.net
Gesundheitsförderung wirkt am stärksten, wenn sie mitten im Alltag verfügbar ist. Der Aktivpark Lumdatal des TV 1905 Mainzlar e.V. integriert Bewegung, Prävention und soziale Teilhabe fest in den öffentlichen Raum: Frei nutzbare Sportflächen und Bewegungsstationen laden zur spontanen Aktivität ein, zielgruppenspezifische Formate wie Männersache und Frauengymnastik sprechen unterschiedliche Bedürfnisse an, Begegnungsbereiche stärken den sozialen Zusammenhalt. Bestehende Flächen werden ressourcenschonend genutzt, Angebote modular erweitert und langfristig ehrenamtlich betreut. In Kooperation mit Kommune und lokalen Unternehmen hat der ehrenamtlich getragene Verein so dauerhafte Strukturen geschaffen – mit einem Ansatz der Gesundheit nicht nur als Thema des Einzelnen versteht, sondern als Bestandteil lebenswerter, nachhaltiger Lebensräume.
aktivpark-lumdatal.de
Gesundheitsförderung wirkt am stärksten dort, wo sie nah an den Menschen ist. Das Projekt „Gesundheitsbotschafter" gewinnt, qualifiziert und vernetzt seit 2016 ehrenamtliche Multiplikatoren in Kommunen, die als niedrigschwellige Ansprechpartner für Prävention und Gesundheitsförderung wirken. Nach einem strukturierten Lizenzlehrgang sind sie organisatorisch an die Stabsstelle der Gesundheitsregionplus des Landkreis Cham angebunden, gleichzeitig fest in ihrer eigenen Gemeinde verankert. Sie kennen lokale Bedürfnisse, vernetzen Akteure vor Ort und initiieren zielgruppenspezifische Angebote – ohne bestehenden Vereinsstrukturen Konkurrenz zu machen. Mittlerweile engagieren sich über 30 Gesundheitsbotschafter in 24 Gemeinden des Landkreises. Das Projekt steht für Empowerment, Teilhabe und sozialen Zusammenhalt und liefert einen übertragbaren Ansatz für Gesundheitsförderung im ländlichen Raum.
landkreis-cham.de
Fast die Hälfte der Menschen hat sie, aber kaum jemand spricht darüber: Die Periode. Eine menstruationsfreundliche Arbeitswelt ist das Ziel des Projekts #MenstruAction – Mitarbeiter*innen Initiative der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. Seit 2015 adressiert sie das Thema als Teil der betrieblichen Gesundheitsvorsorge und fördert so Gesundheit, Gerechtigkeit und Inklusion am Arbeitsplatz. Mit der Kampagne „Periods@Work“ werden niedrigschwellige Informationen geliefert, das Tabu rund um Menstruation gebrochen und kostenlose, möglichst nachhaltige Menstruationsprodukte an GIZ-Standorten weltweit zur Verfügung gestellt. Das Projekt trägt zur Enttabuisierung von Menstruation bei, stärkt das Wohlbefinden und die Selbstwirksamkeit und fördert eine inklusive Unternehmenskultur.
susana.org
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind weit verbreitet – doch systematische Prävention scheitert in kleinen Betrieben oft an Kosten, Ressourcen oder fehlendem Wissen. pria psych schließt diese Lücke: Das digitale Tool ermöglicht eine qualitativ fundierte, anonyme Erhebung psychischer Belastungen – niedrigschwellig, verständlich und unabhängig von Bildungshintergrund, Arbeitszeitmodell oder Hierarchie. Als ortsunabhängiges Angebot wirkt es dem Stadt-Land-Gefälle entgegen und erreicht auch Unternehmen abseits urbaner Versorgungsstrukturen. Durch klare Sprache und strukturierte Auswertungen unterstützt pria psych eine gendersensible Betrachtung und macht psychische Belastungen besprechbar. So werden auch kleine Arbeitgeber befähigt, Verantwortung für gesunde Arbeitsbedingungen zu übernehmen.
bg-prevent.deInitiativen und Projekte, die darauf abzielen, in Zeiten des gesellschaftlichen und ökologischen Wandels Krankheiten zu vermeiden sowie die Gesundheit der Menschen zu erhalten und zu schützen, als auch an Ansätze, die über neue Herausforderungen für Gesundheit aufklären und Menschen befähigen, zur Erhaltung ihrer eigenen Gesundheit beizutragen.

Bei vielen Operationen wird das Narkosemittel Propofol verwendet. Wie viel davon für eine Operation notwendig ist, ist bisher schwer vorher zu sagen – mit dem Ergebnis, dass bis zu 50 % ungenutzt im Müll landet. Das schadet der Umwelt: Propofol ist giftig für Gewässer und seine Produktion und Entsorgung verursachen erhebliche Treibhausgasemissionen. Das PREDICT-Projekt des Universitätsklinikums Bonn entwickelt einen Algorithmus, der vorab berechnet, wie viel Propofol ein Patient während einer Operation tatsächlich benötigt – und so Verschwendung gezielt vermeidet. Nach einer erfolgreichen Vorstudie wird das Verfahren nun direkt im OP-Betrieb erprobt. Die mögliche Wirkung ist beachtlich: Allein in kleineren Einrichtungen könnten jährlich Tausende Glasphiolen und bis zu 416 kg CO² eingespart werden. Die entwickelte Lösung soll anschließend kostenlos und weltweit für alle Pumpensysteme verfügbar gemacht werden.
ukbonn.de
Narkosegase wie Desfluran sind potente Treibhausgase – um ein Vielfaches schädlicher als CO². Bei über 17 Millionen Narkosen jährlich in Deutschland ist das eine erhebliche Umweltbelastung. Das Forum Nachhaltigkeit von DGAI und BDA hat dies zum Anlass genommen, Anästhesieabteilungen konkrete und einfach umsetzbare Wege zur Emissionsreduktion aufzuzeigen: durch Positionspapiere, Fortbildungsformate und praxisnahe Umsetzungshilfen. Die Maßnahmen – etwa die Vermeidung besonders klimaschädlicher Gase und die Optimierung von Frischgasflüssen – beeinträchtigen weder Patientensicherheit noch Versorgungsqualität. Die Wirkung ist messbar: Die Emissionen durch volatile Anästhetika sanken in Deutschland von über 2,5 kg CO²-Äquivalente pro Einwohner im Jahr 2018 auf 0,8 kg im Jahr 2023. Die Initiative hat das Bewusstsein für die Klimawirkung anästhesiologischer Verfahren in Deutschland nachhaltig gestärkt und konkrete Veränderungen in der klinischen Praxis angestoßen.
forum-nachhaltigkeit.bda-dgai.de
Krankenhäuser produzieren jährlich enorme Mengen Abfall – doch Entsorgungsprozesse sind oft fragmentiert, intransparent und kaum auf Kreislaufwirtschaft ausgerichtet. Das webbasierte Tool CIRCULARMED ermöglicht Gesundheitseinrichtungen, ihr Abfallaufkommen systematisch zu erfassen, zu analysieren und zu optimieren. Vermeidbare Abfälle werden reduziert und hochwertige Wertstoffe gezielt in den Kreislauf zurückgeführt. Automatisierte Berichte decken Einsparpotenziale bei Kosten, Treibhausgasemissionen und Rohstoffen auf und unterstützen die Erhöhung der Recyclingquote. So entsteht eine belastbare Datenbasis entlang der gesamten Entsorgungskette – Grundlage für nachhaltige Entscheidungen und gesetzliches Reporting. Letztlich zielt CIRCULARMED auf einen bundesweit übertragbaren Standard – mit messbarer Wirkung für Umwelt, Wirtschaftlichkeit und ökologische Verantwortung im Gesundheitswesen.
circularmed.de
In Blutbanken laufen täglich Blutplättchen-Präparate ab und werden weggeworfen. Sie müssen für die Behandlung von Gerinnungsstörungen vorgehalten werden, sind jedoch nur wenige Tage haltbar. Gleichzeitig nutzt die medizinische Forschung für die Anzucht von Zellen im Labor ein Produkt, das ethisch in der Kritik steht: Serum aus ungeborenen Kälbern. Die Universitätsmedizin Greifswald gewinnt nun in einem Forschungsprojekt aus abgelaufenen Blutspendeprodukten einen hochwertigen Ersatzstoff– mit klaren Vorteilen: keine Gewinnung aus Tieren, geringeres Risiko für Immunreaktionen, ressourcenschonender Umgang mit Blutspenden und weniger Energieaufwand durch vereinfachte Kühlung. Das Verfahren erfüllt alle Qualitätsanforderungen für den Einsatz in der Arzneimittelherstellung und könnte zukünftig auch in anderen Blutbanken umgesetzt werden.
rsf.uni-greifswald.de
Seit 2022 setzen die BG Kliniken gGmbH ihre konzernweite Nachhaltigkeitsstrategie systematisch um. Interdisziplinäre Klimateams steuern die Umsetzung an den Standorten; ein konzernweiter Maßnahmenspeicher sichert Dokumentation und Übertragbarkeit. Konkrete Maßnahmen sind bereits sichtbar: Reduktion von Lebensmittelverschwendung, nachhaltigere Speisenversorgung, Recyclingkonzept für chirurgische Einwegmaterialien, flächendeckende Minimal-Flow-Anästhesie, nachhaltige Mobilität sowie Projekte zum Biodiversitätsschutz. Für die kommenden Jahre sind unter anderem ein Einstieg in Kreislaufwirtschaft und digitale Nachhaltigkeitskennzahlen geplant. Langfristiges Ziel ist ein klimaneutraler Krankenhausbetrieb bis spätestens 2045. Als Multiplikatoren in Fachnetzwerken, Vorträgen und Social Media zeigen die Beteiligten, wie Gesundheitseinrichtungen Klimaverantwortung strukturell verankern können.
bg-kliniken.de
Klimaschutz im Gesundheitswesen gelingt gemeinsam schneller. Das Kompetenzzentrum für klimaresiliente Medizin und Gesundheitseinrichtungen (KliMeG) bringt Menschen, Wissen und Einrichtungen in einem bundesweiten Netzwerk zusammen. Seit dem Start 2023 ist es von acht Gründungskrankenhäusern auf rund 400 Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken sowie etwa 2.000 Pflegeeinrichtungen gewachsen. Über eine frei zugängliche Wissensplattform werden praxiserprobte Lösungen zu Energie, Gebäude, Ernährung, Beschaffung, Mobilität und Hitzeschutz gebündelt und geteilt. Regelmäßige digitale Austauschformate vernetzen Klimamanager:innen und engagierte Mitarbeitende, fördern gemeinsames Lösen von Herausforderungen und verbreiten Best-Practice-Beispiele. So entsteht aus vielen engagierten Einzelnen eine starke Bewegung – die Grundlage, um die Klimaziele des deutschen Gesundheitswesens gemeinsam zu erreichen.
klimeg.de
Nachhaltigkeit von oben verordnen – das funktioniert selten. Die KlimaVisite der Charité geht einen anderen Weg: Sie versteht sich als interne Dienstleistung des Nachhaltigkeitsmanagements für die anderen Bereiche. Die KlimaVisite kommt auf Einladung der Teams direkt in deren Klinik-, Forschungs- oder Verwaltungsalltag. Wann, wie lange und in welchem Format – das entscheiden die Mitarbeitenden selbst, Termine werden unkompliziert über ein digitales Buchungstool vereinbart. Inhalte und Methoden werden konsequent an den jeweiligen Arbeitsbereich angepasst: von kurzen Praxisimpulsen für Teams mit wenig Zeit bis zu vertiefenden Workshops. Die Themen reichen von Energieeffizienz und Abfallmanagement bis zu den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels. So werden Mitarbeitende zu Multiplikator:innen – nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Seit August 2025 wurden bereits 62 KlimaVisiten durchgeführt.
nachhaltigkeit.charite.de
Die Pharmaindustrie verantwortet rund 25 % der Emissionen des Gesundheitssektors – und 80 % der Umweltwirkung eines Medikaments werden bereits in der Produktentwicklung festgelegt. Dort setzt Elio an: Die KI-gestützte Plattform berechnet automatisch CO²-Äquivalente für chemische Stoffe, für die bislang kaum Nachhaltigkeitsdaten existieren, und macht sie direkt im Arbeitsalltag von Chemiker:innen sichtbar – neben Kriterien wie Preis und Lieferzeit. So können nachhaltigere Optionen früher erkannt und in Entscheidungen einbezogen werden, bevor Entwicklungspfade festgelegt sind. Die Methodik ist wissenschaftlich validiert; schrittweise werden weitere Umweltkategorien wie Wasserverbrauch, Toxizität, Ressourcen und Landnutzung integriert. Elio schafft damit eine Grundlage für eine umweltfreundlichere Pharmaindustrie.
elio.earth
Klimawandel, Umweltverschmutzung und Biodiversitätsverlust beeinträchtigen die Gesundheit von Schwangeren, Säuglingen und Kindern – doch in der Hebammenausbildung spielen diese Zusammenhänge bisher kaum eine Rolle. HebPlanet schließt diese Lücke: Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Forschungsprojekt entwickelt ein praxisnahes Lehrkonzept zu Planetary Health, das partizipativ mit Wissenschaftler:innen, Lehrenden, Studierenden und praktisch tätigen Hebammen erarbeitet wird. Pilotstandort ist die Universitätsmedizin Mainz; anschließend soll ein Best-Practice-Leitfaden die Übertragung auf alle deutschen Hebammenausbildungsstandorte ermöglichen. Ziel ist eine langfristige strukturelle Verankerung – damit Hebammen künftig als informierte Begleiterinnen von Familien und als Multiplikatorinnen für eine gesündere, nachhaltigere Lebensweise wirken können.
unimedizin-mainz.de